Reisende erzählt in Bottrop Ihr Wandermärchen

Anna  Magdalena Bössen machte am Sonntag Station in der Martinskirche.
Anna Magdalena Bössen machte am Sonntag Station in der Martinskirche.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
„Diplom-Gedichte-Sprecherin“ Anna Magdalena Bössen machte Station in der Martinskirche. Ein Programm nicht nur für die Literaturfans.

Bottrop..  Ein eher ungewöhnliches Programm bot der Auftritt von Anna Magdalena Bössen am Sonntagnachmittag in der Martinskirche: Die Frau, deren Markenzeichen sowohl der ungewöhnliche Titel „Diplom-Gedichte-Sprecherin“ als auch ein Outfit aus Knickerbockern mit dazu passender Weste sind, tourt mit ihrem Rad und einem „Literaturkoffer“ quer durch Deutschland.

Sie präsentiert dabei ihre gesammelten Erkenntnisse über die eigene Person sowie ihre vielfältigen Erlebnisse mit ihren Landsleuten – immer mit Blick auf die großen „Dichter und Denker“ der deutschen Kultur. Die lustige, aber manchmal auch nachdenkliche Darbietung begeisterte dabei nicht nur Literaturfans.

Unter dem Motto „Bin ich Deutschland – und wenn ja, wer sind wir?“ folgt die Hamburgerin den Größen der deutschen Literatur auf ihren Wegen durch „die Deutschen Lande“. Ihre regelmäßigen Radwanderungen führen sie dabei durch alle Regionen – von West nach Ost und von Nord nach Süd. Aber auch zu Stätten mit literarischem Bezug in den Nachbarländern Schweiz, Österreich und Frankreich verschlägt es die Literaturbegeisterte des öfteren.

Ihren Lebensunterhalt in Form von Kost und Logis bestreitet sie dabei immer aus ihren Auftritten, die entweder aus einem größeren Bühnenauftritt oder dem sogenannten „Kofferprogramm“ bestehen: Gedanken von vorgefertigten Zitatkarten aus einem Koffer werden dabei von der Hamburgerin in einen aktuellen Bezug gesetzt und – auch mit Hilfe des Publikums – diskutiert und reflektiert. Heraus kommen dabei genauso unterhaltsame wie intelligente Gedankengänge, die auch schon mal in einer „Nacht an der Bar“ mit Goethe enden können.

Leidenschaft beim Fußball

Auch in der Martinskirche kam das gelbe Gepäckstück zum Einsatz und „spuckte“ dabei einige interessante Denkanstöße aus, unter anderem zur „Leidenschaft der Deutschen“. „Haben die Deutschen überhaupt so etwas wie Leidenschaft?“, fragte die Gedichte-Sprecherin etwa in Anlehnung an einige kontroverse Zitate von Mark Twain und Christian Friedrich Hebbel zum deutschen Wesen.

„Auf jeden Fall beim Fußball“, so lautete das einstimmige, wie selbstkritische Urteil des Publikums. In Anlehnung an das berühmte „Wintermärchen“ von Heinrich Heine, in dem der Dichter und Schriftsteller sich satirisch mit seiner Situation als rückkehrender Emigrant nach Deutschland auseinandersetzt, zog die Hamburgerin auch Parallelen zur Situation im modernen Deutschland und regte damit geschickt zum Nachdenken über die heutige Situation von Flüchtlingen an.