Professor blickt am Campus Bottrop durch die 3D-Brille

Setzt man die Spezial-Brille auf, erscheint das Bild hinter Professor Dr. Ing. Gordon Müller dreidimensional und greifbar.
Setzt man die Spezial-Brille auf, erscheint das Bild hinter Professor Dr. Ing. Gordon Müller dreidimensional und greifbar.
Foto: FUNKE Foto Services
Professor Dr. Ing. Gordon Müller ist ein Experte für anschauliche Darstellungsformen. Computervisualistik heißt sein Lehrgebiet am Institut Informatik der Hochschule Ruhr West.

Bottrop..  Navigationsgeräte, die Autofahrer mit Hilfe von Satelliten leiten, lassen wohl niemanden mehr staunen. Studierende von Professor Dr. Ing. Gordon Müller stellten sich einer anderen Herausforderung: ein „Indoor Navi“ für das Smartphone zu entwickeln, das Besucher der Hochschule Ruhr West (HRW) per Pfeil-Anzeige auf dem Display zum gesuchten Raum führt. Satellitennutzung? Natürlich Fehlanzeige. Stattdessen wurden Fluchtpläne oder W-Lan-Punkte im Haus genutzt. „Was die Studierenden lernen ist, wie man Informationen darstellt, wie man programmiert“, sagt Müller. Seit 2014 ist er Professor für Computervisualistik am Institut für Informatik auf dem Campus Bottrop.

Erweiterte Realität

Solche mobilen Indoor-Navigationssysteme gehören zum Bereich der „Augmented Reality“ (Erweiterte Realität), mit der sich Müller unter anderem beschäftigt. Sinn und Zweck ist es, den Menschen Zusatz-Informationen in ihrem gewohnten Umfeld zu bieten. Müller nennt ein Beispiel aus dem Bereich der Fahrzeuginformationssysteme: „Das Einblenden von Gefahrensituationen in der Frontscheibe.“

Bevor der gebürtige Kölner, der in Bonn Informatik studierte und in Braunschweig promovierte, dem Ruf an die HRW folgte, war er 15 Jahre in der Industrie. Zuletzt leitete er die Software-Entwicklung bei einem Medizintechnik-Unternehmen, wozu auch viele organisatorische Aufgaben gehörten. Nun zurück an einer Hochschule genießt er es, verstärkt auf fachliche Aspekte einzugehen und eigene Kenntnisse und Erfahrungen auch weiterzugeben. Zudem: „Eine Hochschule im Aufbau wie die HRW bietet die Möglichkeit, sich intensiv und früh einzubringen.“

Etwa auch, was die Ausstattung angeht. In seinem Labor stehen zwei große Projektionswände. Das Produktionsband, das gezeigt wird, wirkt dank 3D-Technik (und entsprechender Brille), als könne man es anfassen. Hier soll mittels Kameras noch so aufgerüstet werden, dass man um das jeweils gezeigte Objekt herumgehen und es per Gesten steuern kann. An einem Bildschirmarbeitsplatz wiederum kann mittels spezieller Ausrüstung eine 3D-Achterbahnfahrt durch eine Wohnung gemacht werden – eine virtuelle Realität, in der die Test-Person mitgeht wie in einem echten Fahrgeschäft. Wie man Objekte oder Personen möglichst realistisch darstellt – und welche Technik es gibt, um die 3D-Darstellung zu unterstützen, dafür ist Müller Experte.

Solche fast anfassbaren, auch interaktiven Darstellungsformen sind in der Industrie gefragt. „In der Medizin ist das ein großes Thema, etwa um eine OP zu planen.“ Interessant sei so etwas zudem bei der Planung von Produktionsstätten: „Bevor ich eine Fabrik baue, schaue ich sie mir virtuell an.“

Als kommende Aufgabe für Studierende kann er sich vorstellen, das Datenmaterial von Architekten aus der Region zu visualisieren.