Prävention statt Verbots-Taktik
05.02.2008 | 18:46 Uhr 2008-02-05T18:46:00+0100Die hohe Zahl junger Betrunkener beim Rosenmontagszug hat aufgeschreckt. Jugendhilfe setzt auf maßvollen Umgang mit Alkohol
Diese Entwicklung hat die Rettungsdienste aufgeschreckt: Deutlich mehr Jugendliche unter 16 als in den Vorjahren mussten nach dem Rosenmontagszug durch die Innenstadt wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus betreut werden. Einsatzleiter Sven Noack sprach von einem beunruhigenden Trend. Wie und ob die Stadt darauf reagieren wird, blieb gestern offen.
"Wir werden am 20. Februar im Arbeitskreis Ordnungspartnerschaft das nächste Mal zusammentreten. Wenn es künftig Gegenmaßnahmen geben sollte, dann werden wir sie dort besprechen", sagte der Leiter des kommunalen Ordnungsdienstes Stefan Pietz auf Anfrage der WAZ.
Fest steht, dass es während des Karnevalsumzugs keine Kontrollgänge der kommunalen Ordnungshüter gegeben hat, um den Alkoholkonsum von Jugendlichen unter 16 einzudämmen. Lediglich auf der Kirmes habe der Ordnungsdienst in den vergangenen Tagen Präsenz gezeigt und trinkenden Kindern alkoholischen Getränke weggenommen. Es habe sich um Einzelfälle gehandelt, sagte Pietz.
Dabei hat die Stadt in Kooperation mit der Polizei durchaus Möglichkeiten, stärker gegen exzessive Trinkgelage Heranwachsender vorzugehen. So wurde 2007 für den 1. Mai am Heidesee ein Alkoholverbot ausgesprochen. Kurz darauf riefen Jugendamt und Jugendhilfe eine Arbeitsgruppe ins Leben, die dazu beitragen soll, dass Versammlungen Jugendlicher dank Prävention seltener für Aufregung sorgen. "Ein Verbot allein löst kein Problem, sondern verdrängt es nur aus dem Blickfeld der Menschen. Deshalb müssen wir vorbeugend arbeiten", sagt Jürgen Friedrichs, Leiter der hiesigen Jugendhilfe.
So wurde zum 1. Januar eine Sprechstunde zweier Mitarbeiter im Berufskolleg eingerichtet, durch die Hilfe bei Alkohol- und Drogenproblemen erleichtert werden soll. Sowohl die Schüler als auch ihre Lehrer können sich mit der Jugendhilfe in Verbindung setzen. Das Projekt ist vorerst auf ein Jahr befristet.
Bewährt hat sich der Ansatz, im Auftrag der Jugendhilfe Jugendliche im Sommer dort einzusetzen, wo sich ihre Altersgenossen in der Freizeit treffen. In der Innenstadt und in Parks verteilen sie Flyer, die Hinweise auf maßvollen Alkohol- und Tabakkonsum sowie auf Hilfsangebote geben. "Eine reine Verbots-Taktik ist nicht ratsam, weil es sich bei Alkohol um eine legale Droge handelt. Es kommt darauf an, einen maßvollen Umgang zu erlernen", sagt Friedrichs. Die Ausfälle beim gestrigen Karnevalsumzug seien ein Hinweis darauf, das Präventionsangebot weiter auszuweiten anstatt allein mit Verboten zu reagieren.
Generell sei der Nachwuchs besser als sein Ruf, betont der Leiter des Jugendamts, Martin Notthoff. "Die öffentliche Wahrnehmung mag vielleicht sensibler geworden sein. Generell sagen unsere Zahlen aber, dass heute weniger Jugendliche als früher Probleme mit Alkohol haben."
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