Postbote in Bottrop verschenkt Bestseller zum Tag des Buches

Wenn der Postbote Michael Westendorp zweimal klingelt – gibt’s ein Buch! Hier für Kundin Liesel Lehnhoff.
Wenn der Postbote Michael Westendorp zweimal klingelt – gibt’s ein Buch! Hier für Kundin Liesel Lehnhoff.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Zum Welttag des Buches brachte der Postbote Michael Westendorp in Bottrop nicht nur Briefe, sondern auch Bestseller zu seinen Kunden.

Bottrop..  Als Postbote Michael Westendorp an ihrer Tür klingelt, ist Liesel Lehnhoff einen Moment irritiert. Denn statt ihr einfach nur Briefe in die Hand zu drücken, hält er ihr an diesem Donnerstag, dem Welttag des Buches, eine mit Bestsellern bestückte gelbe Kiste hin und verkündet fröhlich: „Hallo Frau Lehnhoff, ich wollte sie heute beschenken! Sie können sich ein Buch aussuchen.“ Die 89-Jährige staunt – „das ist ja rührend“ – schaut und entscheidet mit Blick auf die Buch-Titel schließlich: „Ich nehme den Helmut!“

Wenn er’s wüsste, Autor und Alt-Kanzler Helmut Schmidt würde sicher freuen, dass er das Rennen gemacht hat gegen Krimis und Romane. Denn all dies, insgesamt 20 Exemplare, hat Michael Westendorp in seiner Kiste. Der 39-Jährige gehört zu den Zustellern, die an diesem Tag freiwillig zusätzlich zu ihren voll bepackten Post-Taschen eine Kiste mit Büchern mit auf ihre Tour nehmen, um sie an Kunden zu verschenken. Das soll die Leselust fördern – oder kann, was dem Zusteller auch am Herzen liegt, ein Dankeschön an Kunden sein.

Die Deutsche Post unterstützte als einer der Partner der Stiftung Lesen nun zum siebten Mal den Welttag des Buches. In diesem Rahmen erhalten bundesweit rund 850 000 Schüler den Band „Die Krokodilbande in geheimer Mission“. Darüber hinaus hat die Post die eigene Aktion mit ihren Zustellern ins Leben gerufen (in Bottrop machten zwei Postboten mit), und ganzjährig sind Beschäftigte als Vorlesepaten im Einsatz. Ein Engagement für die Leseförderung, das zur Post passt. Sprecherin Britta Töllner: „Wer nicht lesen kann, kann auch keine Briefe schreiben.“

Briefe wollen natürlich auch zugestellt werden, und so setzt Westendorp die Tour mit seiner Post-Karre schnellen Schrittes fort. Als Springer, der regelmäßig in der City im Einsatz ist, steuert er auch Arztpraxen und Geschäfte an – und hat ohne Frage selbst Spaß daran, einmal nicht nur die üblichen Drucksachen zu überbringen. So freut sich Zahnärztin Nadine Hatzig über Jojo Moyes „Ein Bild von dir“ – denn: „Ich lese jeden Abend vor dem Schlafengehen ein paar Seiten“. Gleichzeitig fühlt sie mit ihrem Postboten: „Und Sie dürfen nun die Bücher den ganzen Tag schleppen!“ Nun, es werden ja zusehends weniger, auch wenn’s zwischendurch mal eine dankende Ablehnung gibt.

Regine Sporkmann im Hörstudio wusste vom Tag des Buches, hat „vor einer Viertelstunde“ erst zwei neue Bücher gekauft, die nun auch ihr Zusteller dabei hat. „Das ist ja lustig“, staunt sie – und sucht ein Rita-Falk-Werk aus. Die Arzthelferinnen Andromachi Zia und Michelle Ruloffs („Das ist ja cool!“) wollen ihren neuen Lesestoff untereinander austauschen. Auf der Straße trifft der Postbote Monika Baum, ihm als Lesefan bekannt. Ihr hatte er schon am Vortag die anstehende Überraschung verraten. Gerade auf dem Weg zur Bücherei, packt die Lesepatin gerne noch schnell in die Kiste. Und greift Michael Westendorp nach getaner Schicht eigentlich selbst gern zum Buch? – „Ich schlafe immer ein, wenn ich lese.“