Polnischer Erntehelfer arbeitet seit 1999 in Kirchhellen

“Eine Handbreite tief graben, immer gerade stechen“: Jaroslaw Kozikowski
“Eine Handbreite tief graben, immer gerade stechen“: Jaroslaw Kozikowski
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Saisonarbeit auf dem Hof Umberg ist für Jaroslaw Kozikowski „Tradition“. Sein Arbeitsspektrum ist jedoch größer als das der anderen Arbeiter.

Bottrop-Kirchhellen..  Er nennt es eine „Tradition“: Seit 16 Jahren hilft Jaroslaw Kozikowski zur Spargelsaison auf dem Hof Umberg in Kirchhellen aus. Aber der gebürtige Pole ist kein normaler Saisonarbeiter, mit seiner jahrelangen Erfahrung weist er heute andere Erntehelfer ein und kontrolliert ihre Arbeit. Er ist der Hüter der Felder.

Und diese Verantwortung nimmt er mit ganzem Ernst an. „Das ist wie Fabrik hier“, sagt er im gebrochenen Deutsch. Manche Arbeiter gingen mit einer laschen Einstellung auf das Feld, würden zu gemütlich arbeiten. „Eine Handbreite tief graben, gerade stechen“: Den Spargel zu ernten sei nicht schwer, sagt er. Aber Kozikowski will Effizienz.

Dabei kommt der 52-Jährige selbst nicht hartgesotten rüber. Er wirkt gelassen, aber voll fokussiert auf seine Arbeit. Fehler sagt er, können passieren. „Mensch ist Mensch“ ist sein Lieblingsspruch. Wer wenige Minuten zu spät von der einstündigen Pause zurückkommt, dem wirft Kozikowski aber auch mal einen strengen Blick zu.

Der strenge Takt, er ist jedoch nicht allein seiner Einstellung geschuldet. Zwar gilt ein brancheneigener Tariflohn für Saisonarbeiter – derzeit verdienen sie 7,40 Euro, 2017 werden es 9,10 Euro sein – aber die Bürokratie des Mindestlohngesetzes hat auch die Arbeit auf dem Feld verändert.

Zimmer auf dem Hofgelände

Für jeden Arbeiter muss Kozikowski genau festhalten, wie lange er gearbeitet hat. „Es ist mehr Papier geworden. Ich bin zu 20 Prozent im Büro“, sagt er. Die Erntehelfer beginnen um 6 Uhr, um 12 gibt es eine Mittagspause und um 15 Uhr ist Feierabend. So sollte es eingehalten werden, 50 Stunden in der Woche darf keiner überschreiten.

Kozikowskis Büro befindet sich auf dem Hofgelände. Dort lebt er für zwei, drei Monate in einem 25 Quadratmeter großen Zimmer. Früher fühlte er sich hier recht einsam, heute hat der zweifache Vater über das Internet täglich Kontakt mit seiner Familie. In Polen arbeitet Kozikowski für den Rest des Jahres bei einem Elektronikhändler, die Arbeit in Kirchhellen möchte er aber nicht missen. „Der Kontakt zum Chef ist sehr gut.“ Hofbetreiber Jörg Umberg war von Anfang an überzeugt von Kozikowskis Eifer. Umberg redet meist auf Polnisch mit ihm, Kozikowski versucht es auf Deutsch – so lernte er die Sprache.

Da viele der jährlich rund 180 Saisonarbeiter auf dem Hof aus Polen stammen, hat Kozikowski meist keine Probleme, sich auch mit den anderen zu verständigen. Schwieriger wird es bei den Kräften aus Ungarn und dem Westbalkan, die in den letzten Jahren immer mehr geworden sind. „Aber dann muss man halt mehr zeigen, statt erklären.“