Pflegebedürftige sind zu oft allein zu Hause

Staatssekretär Karl-Josef Laumann (3. von rechts) mit: Dennis Beckers, CDU-Bundestagabgeordneter Sven Volmering, Michael Gleißner, Landtagsabgeordnete Anette Bunse, Ferdinand Butenweg und Ratsherr Rainer Hürter (von links).
Staatssekretär Karl-Josef Laumann (3. von rechts) mit: Dennis Beckers, CDU-Bundestagabgeordneter Sven Volmering, Michael Gleißner, Landtagsabgeordnete Anette Bunse, Ferdinand Butenweg und Ratsherr Rainer Hürter (von links).
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Was wir bereits wissen
CDU-Staatssekretär Karl-Josef Laumann fordert dieselben Anstrengungen wie bei der Kindererziehung auch für die Betreuung älterer Menschen.

Bottrop..  Mit einem Appell zu mehr Engagement beim Aufbau eines Netzes von Pflegeangeboten wandte sich der Pflege-Bevollmächtigte der Bundesregierung an Ratsmitglieder und Stadtplaner. „Kümmern Sie sich darum, wo Tagespflege entsteht“, forderte Karl-Josef Laumann. Das Angebot an Schulen in einer Stadt sei ausgerichtet an der Devise: Kurze Beine, kurze Wege. „Doch für einen Menschen, der nur noch mit einem Rollator gehen kann, sind kurze Wege genauso wichtig“, sagte der CDU-Staatssekretär. „Die meisten Kommunalpolitiker kümmern sich aber einen Dreck darum“, beklagte er.

Im Caritas-Haus St. Johannes

Der Spitzenbeamte aus dem Bundesgesundheitsministerium war zu Gast bei einer CDU-Diskussionsveranstaltung zum Thema „Alt werden - gesund bleiben - selbstbestimmt leben, aber wie und wo?“ Gut 60 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten die Debatte im Seniorenhaus St. Johannes in Kirchhellen. Dass sich der Stellenwert der Pflege in Zukunft weiter erhöhen muss, machte zu Beginn der Diskussion auch CDU-Landtagsabgeordnete, Anette Bunse, klar. Zurzeit seien rund 23 000 Einwohner in Bottrop älter als 65 Jahre, und es gebe rund 1400 stationäre Pflegeplätze. „Da müssen wir überlegen, ob diese in Zukunft ausreichen“, sagte sie. Denn schon heute lebten in Bottrop 4600 pflegebedürftige Menschen, und ihr Anteil an der Stadtbevölkerung werde wachsen. Daher machte Staatssekretär Laumann klar: „Die größte Sorge bei der Frage, wie gehen wir mit Menschen um, die den Tag ohne fremde Hilfe nicht mehr geregelt bekommen, löst nicht so sehr die Finanzierung aus, sondern die Frage: Wo finde ich Menschen, die sich um Pflegebedürftige kümmern“. Dass in Bottrop noch über 70 Prozent der pflegebedürftigen Menschen zu Hause betreut werden, bewerteten der Spitzenbeamte wie die Landtagsabgeordnete als gutes Zeichen. Doch Laumann machte seine Zuhörer mit der Frage nachdenklich: „Wie lang ist ein Tag?“

Kein Deibel daheim

Viele Pflegebedürftige lebten ja allein. Wenn der Pflegedienst morgens fort sei, müssten die Bewohnern eine zu lange Zeit durchleben, bis abends womöglich Kinder oder andere pflegende Angehörige zur Stelle seien. „Wir haben gewaltige Anstrengungen unternommen, um die Betreuung der Kinder zu organisieren, weil Mutter und Vater oft beide berufstätig sind, doch wir haben nicht berücksichtigt, dass sich damit auch die Lage für Pflegebedürftige geändert hat“, sagte der Staatssekretär, „denn den ganzen Tag über ist ja kein Deibel zu Hause“.

Tagespflege könnte da helfen, aber nur für drei Prozent der Menschen, die zu Hause gepflegt werden, gebe es zurzeit auch Tagespflegeplätze. Kommunalpolitiker müssen sich zeitig mit Pflegeanbietern zusammensetzen, um das zu ändern.