Patienten suchen Rat bei Dr. Internet

Es gibt keine Generationenbarriere. Sowohl junge wie alte Menschen suchen bei medizinischen Fragen Rat im Internet.
Es gibt keine Generationenbarriere. Sowohl junge wie alte Menschen suchen bei medizinischen Fragen Rat im Internet.
Foto: Heinrich Jung
Was wir bereits wissen
  • 73 Prozent der Menschen suchen bei medizinischen Fragen Rat im Internet
  • Bottroper Mediziner begrüßen den Trend zum informierten Patienten
  • Allerdings birgt Masse der Informationen auch Gefahren

Bottrop..  Welches Hausmittel hilft bei Durchfall? Worauf könnte Kribbeln in den Füßen hinweisen? Was könnte hinter stechenden Bauchschmerzen stecken? Ob Informationen über Krankheiten oder Hinweise zu Medikamenten - die überwiegende Mehrheit der Menschen nutzt bei medizinischen Fragen das Internet. Gemäß einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse haben 73 Prozent der Deutschen im Internet schon mal nach Informationen zu einer Krankheit beziehungsweise nach Symptomen, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten gesucht.

„Grundsätzlich ist das zweischneidig zu sehen“, meint Amtsarzt Dr. Christian Marga. „Einerseits ist es faszinierend, über das Internet kurz und schnell viele Informationen zu bekommen - und das weltweit. Andererseits sind diese Informationen je nach Suchmaschine gefiltert und ihre Masse ist kaum zu überblicken.“ Viele Seiten seien zudem nicht frei von wirtschaftlichen Interessen. „All das macht es schwierig, wirklich sachgerechte Informationen zu bekommen“, so Dr. Marga und empfiehlt dazu die Internetseiten großer Institutionen wie Robert Koch Institut, Ärztekammer Westfalen Lippe, Kassenärztliche Vereinigung Westfalen Lippe, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) oder Krankenkassen.

„Ich nutze das Internet ja selbst gerne“, stellt Ärztesprecher und Internist Dr. Gregor Postberg fest und begrüßt den Trend zum aufgeklärten und informierten Patienten. „Allerdings ist der Grat zwischen absoluter Panikmache und völliger Verharmlosung sehr schmal. Man muss schon sehr kritisch überdenken, was man da liest.“ Die Qualität der Internetseiten sei sehr unterschiedlich.

Arztbesuch ist unerlässlich

Natürlich kämen die Patienten mitunter schon mit fertiger Diagnose in die Sprechstunde. „Das passt bei einfachen Dingen ja meist auch“, so Postberg. „Aber wenn es um die Feststellung komplexerer Krankheiten wie beispielsweise Rheuma geht, dann bedarf es doch einer umfassenden ärztlichen Diagnose.“ Oftmals seien Patienten auch schon recht panisch, weil hinter einer Lappalie ja auch was Schlimmeres stecken könnte. „Da muss man mitunter relativieren und bremsen und den Patienten vor sich selbst schützen.“ Auch Foren im Internet seien mit Vorsicht zu genießen, warnt der Mediziner. Für spezielle Krankheitsbilder wie beispielsweise Mukoviszidose würden sie den vergleichsweise wenigen Betroffenen bundesweit eine wunderbare Möglichkeit des Zusammenrückens und des Austausches bieten. Aber leider erzählen in den meisten Foren viel zu wenige Patienten, wenn etwas gut gelaufen sei.

Auch ins Krankenhaus kommen die meisten Patienten mit Vorinformationen aus dem Internet. „Da gibt es keine Generationenbarriere“, stellt Dr. Jörg Celesnik, neuer Chefarzt der Chirurgie am Knappschaftskrankenhaus, fest. „Auch die 80-Jährigen informieren sich im Netz.“ Grundsätzlich empfindet der Chefarzt es als positiv, wenn er einem bereits informierten Patienten gegenübersitzt. „So lassen sich die Behandlungsmöglichkeiten sehr gut erläutern.“ Andererseits kämen viele Patienten mit Fehlinformationen, wie beispielsweise die Refluxpatienten, die in Foren erfahren haben, dass Sodbrennen mit einer Magenspiegelung zu beseitigen sei. „Diese dient aber nur zur Diagnostik“, erklärt Celesnik.

Gute Aufklärung sei die beste Grundlage der Behandlung, so Celesnik. „Aber man darf nicht alles glauben, was man im Netz liest. „Und: Das Internet kann den Arztbesuch nicht ersetzen. Das persönliche Gespräch mit dem Arzt ist auf jeden Fall mehr wert.“