Papst befragt die Basis noch einmal

Propst Paul Neumann erwartet von der Familiensynode in Rom eine seelsorgliche Lösung im Umgang mit Paaren, die nach einer Scheidung neu geheiratet haben.
Propst Paul Neumann erwartet von der Familiensynode in Rom eine seelsorgliche Lösung im Umgang mit Paaren, die nach einer Scheidung neu geheiratet haben.
Foto: Winfried Labus / WAZ Foto Pool
Was wir bereits wissen
Das soll vor dem zweiten Teil der Familiensynode passieren. Propst Paul Neumann sagt nach dem Priestertag im Bistum Essen: Wir erwarten neue Möglichkeiten für Wiederverheiratete von Rom.

Der Papst lässt nicht locker: Er möchte in den kommenden Monaten noch einmal wissen, wie die Katholiken über die Themen Ehe, Familie und Sexualität denken sowie über die Frage, ob wiederverheiratet Geschiedene zu den Sakramenten wie das der Kommunion zugelassen werden. Er werde deshalb vor dem zweiten Teil der großen Familien-Synode in Rom in diesem Jahr noch einmal die Basis per Fragebogen einbeziehen. Das sagte Propst Paul Neumann nach dem Priestertag des Bistums in Essen. Vor dem ersten Teil der römischen Synode, die im vergangenen Herbst tagte, hatte es bereits eine Befragung gegeben.

„Der Papst möchte noch einmal die Meinung einholen“, sagte Propst Neumann. Das habe der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper den versammelten Priestern in Essen mitgeteilt. Kasper habe deutlich gemacht, dass der Papst ein „ganz großes Interesse“ an der Meinung der Katholiken habe.

Kardinal Kasper habe zudem offen die Probleme angesprochen, die die Kirche im Umgang mit dem Thema Sexualität habe. „Er hat eingeräumt, dass der Kirche die Sprache fehlt, um darüber zu reden; wir müssen wieder sprachfähig werden, forderte er.“ Die Kirche sei verstummt.Eine Einschätzung, die der Propst teilt. „Früher, vor mehr als 30 Jahren, gab es in der Fastenzeit eine Art Fastenbrief zum Thema und Familie“, erinnert er sich. „Darin war auch die Rede davon, dass die Frage in die Gewissensfreiheit der Menschen gelegt ist.“ Irgendwann jedoch habe es die Fastenbriefe nicht mehr gegeben.

Beobachter werden einen Zusammenhang zum geänderten Kurs und der Enzyklika Humanae Vitae (Über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens) herstellen. Seither mahnt die Kirche Gefolgschaft an, statt Gewissensfreiheit zu thematisieren.

Kasper habe aber nicht nur zurück geblickt, er habe auch mögliche Lösungen angesprochen. „Er sagt, dass es bei der Ehe einen Grundkonsens in der ganzen Kirche geben muss“, so Neumann, „er hat aber auch gesagt, dass er sich vorstellen könne, dass es in bestimmten Regionen - etwa in Europa - Unterschiede geben wird.“ Propst Neumann nannte das „hoffnungsvoll“, weil es einen Weg zeige, bei dem das Sakrament der Ehe nicht geschmälert werde.

Auf die besondere Lebenssituation eingehen – das ist ein Weg, der Neumann im Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten nicht ganz neu ist. Aber er sagt auch: „Wir müssen neue Möglichkeiten erhalten, denn das sollte nicht allein vom guten Willen des Priesters abhängen.“ Und genau das „ist es, was wir von der Synode erwarten“.