Orchester nimmt ,Infinito Nero’ ins Programm

Das Bottroper Kammerorchester im Malakoffturm , hier eine Aufnahme anlässlich der Pierrot-Aufführung 2012.
Das Bottroper Kammerorchester im Malakoffturm , hier eine Aufnahme anlässlich der Pierrot-Aufführung 2012.
Foto: Peggy Mendel
Was wir bereits wissen
Erneut unternimmt das Bottroper Kammerorchester einen Ausflug in die zeitgenössische Musik. Diesmal packt Dirigent Kai Röhrig in der Reihe „Musikalische Experimente" eine Oper des Komponisten Sciarrino an

Bottrop..  Das Bottroper Kammerorchester unter seinem Leiter Kai Röhrig ist bekannt für seine experimentellen Ausflüge in die zeitgenössische Musik. 2011 sorgte er im Malakoffturm mit Peter Maxwell Davies’ Oper „The Lighthouse“ für Begeisterung. Jetzt steht mit Salvatore Sciarrinos „Infinito Nero“ (Das unendliche Schwarz“) wieder eine Kammeroper auf dem Programm, die Röhrig in der städtischen Musikreihe „Experimente“ realisiert.

Hinter diesem geheimnisvoll anmutenden Titel verbirgt sich – wie so oft bei Salvatore Sciarrino – eine Figur der Vergangenheit oder der Kunst. Der Komponist Gesualdo, der nach dem Mord an Gattin und deren Liebhaber die schönsten Werke schreib, Lady Macbeth, deren Ehrgeiz im Blutbad endet, oder Elsa in seiner Kurzoper „Lohengrin“, die vergeblich auf ihren Helden und Heilsbringer wartet.

Um 1600

Für „Infinito Nero“ stieß der gebürtige Sizilianer, der inzwischen bei Florenz lebt, auf die Geschichte einer Nonne, die um 1600 in seiner Wahlheimat lebte, und deren mystische Visionen von deren Mitschwestern aufgeschrieben wurden. Diese Maria Maddalena de Pazzi, eine religiöse Ekstatikerin, erlebte in einer Art Trancezustand Bilder des Horrors aber auch der Verzückung angesichts des leidenden Jesus, dessen Kreuzigung und Wunden ihre Visionen beherrschen, aber auch der Jungfrau Maria, die ihr wiederholt erscheint. Acht Novizinnen erleben die mit Qualen und Krämpfen einhergehenden Erscheinungen der Pazzi, erzählen sie und schreiben sie schließlich nieder. Acht Instrumente stehen vielleicht für diese Zeuginnen eines seelischen Kampfes in der religiös aufgeladenen Welt des beginnenden Barock.

Profimusiker aus der Region gestalten wechselnd die Projekte

Eine Mezzosopranistin singt nicht den Text herunter – das wäre kein echter Sciarrino, sondern spürt den Seelenschwingungen dieser Mystikerin nach, deren Erleben heute wie aus einer fernen Welt anmutet. Stille und Geräusch sind wie immer in Sciarrinos Opernschaffen die Pole, zwischen denen sich das Drama abspielt. Die Pazzi erscheint, verschwindet, der Zuhörer erlebt die Mystikerin selbst eher wie ein fast durchsichtiges Geistwesen.

Mit der Bottroper Aufführung kehrt die in Witten uraufgeführte und vor zehn Jahren auch in Wuppertal gefeierte Oper wieder zurück in diese Region. Damals herrschte in der Musikwelt ein regelrechter Sciarrino-Boom. Nicht nur die großen Häuser oder Festivals wie Berlin, Wien, Stuttgart oder Luzern hatten die Werke des Italierners auf den Spielplänen, auch kleinere Häuser wie Freiburg, Meiningen oder eben Wuppertal erlebten ihre Erfolge mit Sciarrino. Immerhin schuf er Werke, die neugierige Aufmerksamkeit verdienen.