Ohne Hilfe wäre das Leben des Bottroper MS-Kranken düster

Sandra Gieselmann reicht Peter Marschall die Tabletten, die er täglich einnehmen muss.
Sandra Gieselmann reicht Peter Marschall die Tabletten, die er täglich einnehmen muss.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Peter Marschall ist an MS erkrankt und kann mit Hilfe des ASB alleine im Betreuten Wohnen leben. Er besucht auch die Tagespflege.

Bottrop..  „Wenn ich die Leute vom ASB nicht hätte, sähe es dunkel aus für mich. Denn alleine würde ich es nicht schaffen.“ Peter Marschall ist an MS erkrankt und lebt seit zweieinhalb Jahren im Betreuten Wohnen beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Zweimal täglich kümmert sich der ambulante Pflegedienst um den 46-Jährigen, der außerdem zweimal in der Woche die erst Ende letzten Jahres eröffnete Tagespflege des ASB direkt nebenan An der Kommende besucht.

„Ich bin richtig froh, dass er hierher konnte“, freut sich auch Gisela Marschall, dass ihr Sohn den Platz bekommen hat. Vor 30 Jahre, da war er gerade 15 Jahre alt und Bäckerlehrling, wurde Multiple Sklerose (MS) bei ihm diagnostiziert. Die Krankheit befällt das zentrale Nervensystem, ist nicht heilbar und führt auf Dauer zu Bewegungsstörungen und Kraftlosigkeit, oft auch zu Sehstörungen. Peter Marschall sitzt im Rollstuhl, er kann schlecht sehen.

Es fehlen Pflegekräfte

Ihr Sohn sei früher sehr einsam gewesen, erzählt Gisela Marschall. Viele Jahre lang hat sie ihn selber zu Hause in Essen gepflegt, schließlich sei er in eine eigene Wohnung in ihrer Nähe gezogen. Viermal am Tag sei sie bei ihm gewesen. Eine große Belastung für die inzwischen 75-Jährige. Seit ihr Sohn beim ASB in Bottrop wohnt, besucht sie ihn zweimal in der Woche und telefoniert täglich mit ihm. Nach der Tagespflege würde er ihr oft sagen: „Ich hatte einen schönen Tag“, erzählt die Mutter zufrieden.

„Der Pflegedienst bringt ihn mittwochs und donnerstags dorthin“, erzählt Sandra Gieselmann. Sie ist stellvertretende Leiterin des ambulanten Pflegedienstes und kennt Peter Marschall gut. Der fühlt sich in der Tagespflege, mit den großzügigen, hellen Räumen gut aufgehoben. Die Gäste werden betreut, essen gemeinsam, spielen und reden. Manchmal wird zusammen gekocht und gebacken. Für Peter Marschall sind die Backtage immer etwas ganz besonderes. Derzeit setzt sich der ASB dafür ein, dass ihm ein weiterer Tag in der Tagespflege bewilligt wird.

Denn auch das sieht der Pflegedienst als einen Teil seiner Aufgabe an. Genauso wie Sandra Gieselmann und ihre Kolleginnen auch darum gekämpft haben, dass dem 46-Jährigen ein elektrischer Rollstuhl bewilligt wird.

Wenn Sandra Gieselmann allerdings in die Zukunft blickt, wird ihr Angst und Bange: „Ich mag nicht daran denken, wie es in 20 Jahren ist.“ Denn dann wird es noch mehr Menschen geben, die Pflege und Hilfe brauchen und noch weniger Menschen, die bereit und in der Lage sind, diese Pflege zu leisten.

Es werden Pflegekräfte gesucht

Schon heute fehlen dem ASB-Pflegedienst zwei Fachkräfte, sicherheitshalber will man sogar drei Leute einstellen. Inzwischen bildet man auch selber aus, drei Azubis wurde zu Beginn dieses Monats eingestellt, ein vierter wird wohl im Herbst folgen, erzählt Sandra Gieselmann. „Aber das deckt bei weitem nicht den Bedarf.“ Es gebe nur wenig Bewerbungen, klagt sie, viele examinierte Fachkräfte wollten auch lieber nicht in die ambulante Pflege. „Das für muss man gemacht sein.“ Eine Rolle spiele wohl auch die nicht gerade üppige Bezahlung in den Pflegeberufen und der schlechte Ruf.

Aber Pflege sei mehr, als die Kranken sauber zu machen: „Wir müssen auch zuhören und trösten können und immer Augen und Ohren offen halten.“ Zwar komme auch der ASB aus der Minutenpflege nicht heraus, nutze aber seine Spielräume, räumt Sandra Gieselmann mit dem Vorurteil auf, die Mitarbeiter stünden unter ständigem Zeitdruck.

Sie hat für sich den richtigen Beruf gewählt – wenn auch als Seiteneinsteigerin. Die sind auch heute noch gerne gesehen, ebenso wie Azubis direkt nach der Schule. Aber auch nach der Familienphase können ausgebildete Fachkräfte hier wieder einsteigen.

Infos gibt es beim ASB unter Tel. 02041 / 3754412