NGG will gleiches Geld für gleiche Arbeit

Die Zahl der Leiharbeiter im Stadtgebiet hat stark zugenommen. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Arbeitsagentur 594 Beschäftigte in Leiharbeit – zehn Jahre zuvor waren es noch 449. Das macht eine Zunahme von 32 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. In ganz NRW verdoppelte sich sogar die Zahl der Leiharbeiter im selben Zeitraum. Die NGG Ruhrgebiet spricht von einer alarmierenden Tendenz – und fordert die Politik zum schnellen Handeln auf.

„Gerade berät der Bundestag über ein Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. Die Zahlen zeigen, dass wir eine Regelung dringender brauchen denn je“, sagt NGG-Geschäftsführerin Yvonne Sachtje. Allerdings müsse am Gesetz noch deutlich nachgebessert werden, um den „Wildwuchs im heimischen Arbeitsmarkt“ wirklich zu bekämpfen. Hierfür sollten sich jetzt die Bundestagsabgeordneten aus Bottrop in Berlin stark machen.

Bei der Leiharbeit werden Beschäftigte an einen Betrieb verliehen, wo sie für den gleichen Job weniger Geld bekommen als das Stammpersonal. Ursprünglich sollte das auf Auftragsspitzen bei den Unternehmen beschränkt sein – „häufig nutzen Chefs das aber zur dauerhaften Lohn-Drückerei.“ Und die Leiharbeiter bekämen meist keine Chance, ins Stammpersonal aufzurücken. „Leiharbeiter – genauso wie Werkvertragsbeschäftigte – sind bei Altersvorsorge und Urlaub schlechter gestellt als die Stammbelegschaft“, kritisiert Sachtje. Das neue Gesetz müsse dem Anstieg dieser „2.-Klasse-Jobs“ endlich einen Riegel vorschieben.

Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sieht im Wesentlichen vor, dass Leiharbeiter spätestens nach neun Monaten in einem Betrieb die gleiche Bezahlung bekommen wie das Stammpersonal. Die Höchstverleihdauer soll auf 18 Monate begrenzt werden. Dies gelte jedoch, so die Gewerkschafterin, „nur für Personen, nicht aber für die Arbeitsplätze. Damit können Leiharbeiter im Prinzip alle 18 Monate einfach ausgetauscht werden.“ Betriebsräte sollen lediglich Informationsrechte bekommen, aber keine zur Mitbestimmung.

„Trotz allem wäre das Gesetz ein erster Schritt“, betont Sachtje. „Deshalb darf es im Bundestag auf keinen Fall scheitern.“ Die heimischen Parlamentarier seien in der Pflicht, die Interessen der wachsenden Zahl an Leiharbeitern und Werkverträglern zu vertreten. Dafür müsse das Gesetz so scharf wie möglich formuliert sein. Erst dann werde sich der Negativ-Trend in Bottrop umkehren – und der Leiharbeiter von heute zum Stammbeschäftigten von morgen.