Neu-Bottroperin sieht kulturelle Vielfalt als Geschenk

Anna-Maria Liebergeld ist gerade eingebürgert worden.
Anna-Maria Liebergeld ist gerade eingebürgert worden.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Ihre Einbürgerung sieht die Bottroperin Anna-Maria Liebergeld als Bereicherung. Identität ist für sie kein eindimensionales Konzept

Bottrop..  Durch und durch zufrieden ist Anna-Maria Liebergeld mit ihrem Leben in Bottrop - dabei hatte sie gar nicht geplant, in Deutschland zu bleiben. Die 33-Jährige ist eine echte Weltbürgerin. „Ich kann mich fast überall wohlfühlen“, sagt sie.

2001 ist Liebergeld aus ihrem Heimatland, der Ukraine, nach Siegen gezogen, um dort ihren Bachelor in „Volkswirtschaftslehre“ zu machen, dann hat sie in Dresden „Internationale Beziehungen“ studiert. „Das Studiensystem in der Ukraine ist korrupt: Offiziell zählt die Leistung bei der Vergabe der Studienplätze, in der Realität geht es aber um die richtigen Beziehungen“, erklärt sie. Besonders die beliebten Studiengängen wie Wirtschaftswissenschaften seien nur der Elite zugänglich. Da die ambitionierte Ukrainerin aber unbedingt studieren wollte, ist sie nach Deutschland gezogen. „Hier sind die Chancen besser.“

Am Ende ihres Masterstudiums lernte die Studentin ihren Mann kennen, der genau wie sie gerne auf Reisen geht. „Nach dem Studium sind wir in einem Work and Travel Programm nach Kanada gereist und haben überlegt, dort zu bleiben“, erzählt sie. Als dann das Thema Familie und Kinder aufkam, haben sie sich entschieden, nach Deutschland zu ziehen. „Die Sozial- und Familienpolitik hierzulande ist vernünftig“, erklärt sie. Schnell hat ihr Mann, ein studierter Ingenieur, eine Stelle in Bottrop gefunden. Hier leben die beiden jetzt mit ihren zwei Söhnen Jonathan (2) und William (5 Monate). Neben der Kindererziehung schreibt Liebergeld an ihrer Doktorarbeit in Wirtschaftspolitik.

Kulturelle Wurzeln bleiben

„Ich kann hier in Deutschland all das leben, was ich mir in der Ukraine gewünscht hätte“, sagt sie. Ihre ukrainische Identität aber bleibe immer ein Teil von ihr. Mit der Integration gingen schließlich nicht die kulturellen Wurzeln verloren: „Ich behalte meine Geschichte, die kann mir keiner nehmen. Für mich bedeutet Integration: das Beste aus den Kulturen zusammenbringen.“ Der Umgang mit anderen Kulturen habe ihre Identität mitgeprägt.

„Meine Einbürgerung ist für mich eine Entwicklungschance, eine Ergänzung. Sie steht nicht im Konflikt zu meiner Herkunft“, sagt Liebergeld. Als Ukrainerin in Deutschland hat sie durchweg positive Erfahrungen gemacht.

Natürliche Balance zwischen den Identitäten

„Mir wurde von der Gesellschaft nichts aufgezwungen, ich musste mich nicht verändern, vollkommen anpassen oder meine kulturellen Werte aufgeben“, erklärt sie. Die Balance zwischen den „Identitäten“ verliefe ganz natürlich, intuitiv und nach Lust und Laune: „Mal koche ich ukrainisch, mal typisch deutsch. Kulturelle Vielfalt muss nicht als Zwang oder Plan präsent sein. Sie ist einfach da“.

Darüber ist Liebergeld dankbar: „Ich wollte noch danke sagen. Dafür, dass ich so gut aufgenommen wurde. Und für all die Chancen. Ich wusste nur nicht, an wen ich mich da wenden sollte“.