Nach der Prüfung: Abiklausuren kommen direkt ins Archiv

Die Stifte laufen heiß, noch bis zum 27. April. Dann haben die Abiturienten die mündliche Prüfung vor sich.Foto:Armin Weige
Die Stifte laufen heiß, noch bis zum 27. April. Dann haben die Abiturienten die mündliche Prüfung vor sich.Foto:Armin Weige
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Ein Einblick in die Abiklausuren muss beantragt werden und gut begründet sein. Originale können Schüler nach zehn Jahren erhalten.

Halbzeit bei den schriftlichen Abiturprüfungen: Am 14. April hat die Klausurphase begonnen, nach dem 27. April stehen für 507 Abiturienten in Bottrop nur noch die mündlichen Prüfungen an. Wer trotz großem Lernaufwand am Ende nicht die gewünschte Note auf dem Abizeugnis stehen hat, fragt sich: Woran hat es gelegen? Die Klausuren werden nach der Korrektur jedoch erst einmal weggeschlossen, eine Einsicht ist im Normalfall nicht vorgesehen.

Missverständnisse

Ein weit verbreiteter Irrtum sei es allerdings, dass Schüler erst nach zehn Jahren überhaupt das Recht hätten, ihre Prüfung durchzusehen, heißt es aus dem NRW-Schulministerium. „Es gibt oft ein Missverständnis zwischen Aufbewahrung und Einsichtnahme“, so ein Sprecher. „Man hat die Möglichkeit, ab dem Tag der Prüfungsentscheidung Einsicht zu bekommen.“ Nur müsse die Erlaubnis in einem Antrag gut begründet sein.

Zehn Jahre lang können Schüler ihre Klausuren einsehen und davon Kopien machen. So lange sind die Schulen verpflichtet, die Arbeiten aufzubewahren. Nach Ablauf der Frist können die Altschüler die Klausuren im Original abholen.

All zu viel Zeit bleibt ihnen aber meist nicht: Am Ende des zehnten Jahres lassen viele Schulen die Klausuren schreddern, andere (wie das Bottroper Heinrich-Heine-Gymnasium) archivieren die Arbeiten für 30 Jahre.

In Bottrop machen die Schulen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Alt-Abiturienten, die an ihren Maturaprüfungen interessiert sind. Detlef Grzebellus hat in seinen zwölf Jahren als Schulleiter der Janusz-Korczak-Gesamtschule von „einem einzigen Fall mitbekommen“. Ebenso Rektor Guido Tewes, der in seinem 20-jährigen Schaffen am Berufskolleg 2014 den ersten Antrag auf den Tisch bekam. „Eine Mutter wollte zum 30. Geburtstag ihres Kindes dessen Klausuren haben“, erzählt Tewes.

Von ganz anderen Erlebnissen berichten die Gymnasien: „Wir haben rund 25 Anfragen pro Jahr“, sagt Reinhard Schönfeld, Leiter vom Josef-Albers-Gymnasium. Sein Sekretariat habe bereits alte Klausuren bis nach Buenos Aires gesendet. Auch am Vestischen Gymnasium ist das Interesse groß, berichtet Oberstufenkoordinator Olaf Schulte. Jedes Jahr ruft er auf der Schul-Homepage dazu auf, dass sich ehemalige Schüler ihre alten Klausuren im Original abholen können – und immerhin kommen dann auch einige.

Schulte versucht jedoch zu verhindern, dass die Prüfung vor Ablauf der zehn Jahre eingesehen werden. „Denn solche Anliegen bedeuten einen großen Verwaltungsaufwand.“ Um einen Antrag überflüssig zu machen, versuche er den Schülern die Begründung für ihre Noten in Gesprächen so transparent wie möglich zu machen.