Muslime: Wir trennen Islam und Islamismus

Die Terroristen der Anschläge in Frankreich haben sich bei ihren abscheulichen Taten auf den Islam bezogen. Für Ibrahim Özen, Vorstandsvorsitzender der Ditib Türkisch Islamischen Gemeinde in Bottrop, ist das ein Missbrauch des Islam. Er wehrt sich entschieden dagegen, dem Islam zu unterstellen, er heiße Gewalt, in welcher Form auch immer, gut. „Der Islam ist eine Religion des Friedens“, entgegnet er. „Nicht nur, dass der Koran es verbietet, zu töten. Er untersagt, auch nur ein Schimpfwort auszusprechen“, bekräftigt Sahin Semerci, stellvertretender Vorsitzender.

„Gewalt“, stellt Ibrahim Özen klar, „hat mit dem Islam nichts zu tun.“ Die Muslime in Bottrop lehnten es entschieden ab, dass Verbrecher während ihrer Mordtaten den Namen Allahs ausriefen. „Kein Muslim kann sich zur Rechtfertigung eines Verbrechens auf den Namen Allahs berufen.“ Die Muslime seien tief erschüttert darüber, dass Verbrecher glaubten, mit Mordtaten die Meinungsäußerung anderer Menschen zu bestrafen.

Über das Thema Islam und Gewalt wird in diesen Tagen überall diskutiert. Und es wird gefragt: Gibt es nicht doch Passagen im Koran, die von Terroristen missbraucht werden können für die Rechtfertigung von Verbrechen? „Nein“, antwortet Ibrahim Özen nachdrücklich, „diese Leute verstecken sich hinter dem Islam.“ Im Koran stehe: Wenn jemand einen Menschen tötet, dann heißt das, dass er die ganze Menschheit getötet hat. In Bottrop lebten Muslime seit etwa 50 Jahren. „Und wir trennen zwischen Islam und Islamismus.“

Und noch eine Frage wird jetzt gestellt: Sollten Muslime – wie Christen – Karikaturen über die Religion aushalten, auch wenn bekannt ist, dass es Muslimen verboten ist, den Propheten Mohammed bildlich darzustellen? Für Achemd Kayabasi von der Jugendgruppe der Moschee ist die Antwort eindeutig. „Wir sehen solche Karikaturen als Beleidigung an. Man darf sich dagegen wehren, aber selbstverständlich nicht mit Terrorismus, sondern mit Rechtsmitteln.“

Gegen die Radikalisierung junger Menschen, gegen falsche Interpretationen des Koran helfe, davon ist der Vorstand der Moscheegemeinde an der Prosperstraße überzeugt, vor allem Aufklärung. Mehr junge Muslime sollten in der Schule unter staatlicher Kontrolle Islam-Unterricht erhalten. Das würde auch zu einem besseren Austausch über den Inhalt der Religionen beitragen. Denn die Muslime beklagen zugleich, dass Christen wenig über den Islam informiert seien. Dabei räumt Özen selbstkritisch ein: „Das ist auch unsere Schuld.“ Nicht alle muslimischen Gemeinden würden sich öffnen wie die Merkez Camii- Moscheegemeinde.

Sie pflege gute Kontakte zu den Bürgern, den Kirchen, Parteien. Jugendliche würden häufiger beim Freitagsgebet in der Moschee Koranverse auch auf deutsch rezitieren. Denn: „Je offener wir sind“, da ist sich Ibrahim Özen sicher, „desto besser werden uns unsere deutschen Nachbarn verstehen“.