Musik zwischen Orient und Okzident

Das Bottroper Kammerorchester spielt unter Kai Röhrig im Malakoffturm. an der Knappenstraße in Bottrop.
Das Bottroper Kammerorchester spielt unter Kai Röhrig im Malakoffturm. an der Knappenstraße in Bottrop.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Malakofftrum stellte das Bottroper Kammerorchester jetzt der Uraufführung von „Fusion 3“ des ägyptischen Komponisten Ali Osman und den Salomon-Fragmente des Sudanesen Hossam Mahmoud nun die Kurz-Oper „Infinito Nero“ des Italieners Salvatore Sciarrino gegenüber. Ein spannender, perfekt musizierter Abend.

Bottrop..  Zwei Welten trafen im Malakoffturm aufeinander: das katholische Italien und der muslimische Norden Afrikas. Dass es weder zu einer Gefährdung der Besucher, noch zu einem Eklat kam, lag am friedlichen wie verbindenden Element der Musik. Die gab es beim Auftritt des Bottroper Kammerorchesters unter seinem Leiter Kai Röhrig jetzt in spannender, zeitgenössischer Form.

Und die acht Musikerinnen und Musiker, die Röhrig aus Salzburg mitbrachte, wo er seit einiger Zeit eine Professur am Mozarteum innehat, konnten dabei ins Volle greifen. Denn zwischen der komplexen „Fusion 3“ des Ägypters Ali Osman, die als Uraufführung wenige Tage zuvor in Salzburg erklungen war, und dem Opern-Einakter „Infinito nero“ von Salvator Sciarrino liegen Welten.

Osman schuf ein sich immer komplexer zuspitzendes Werk mit einem bohrenden rhythmischen „Rückgrat“, das zwischen frei verfremdetem klassischen Streichtrio, einem von den Holzbläsern Flöte (Vera Klug), Oboe (Federica Longo) und Klarinette (Theodor Bukali) getragenen melodiösen „Orientalismus“ und Tabla und Tambourine lebt, die Andreas Steiner virtuos behandelt. Im abgedunkelten Malakoffturm tauchte das Publikum - von dem der Abend durchaus mehr Zuspruch verkraftet hätte - in eine fast ekstatische Klangwelt, die die Musiker durch Schnippen oder Sprechgeräusche verstärkten. Mal war das gesamte Ensemble Percussions-Instrument, dann wieder übernahmen die Instrumente melodiös die Führung.

Wer bei Sciarrinos „Infinito nero“ eine Fortsetzung musikalischer Ekstase erwartet hatte, war auf dem Holzweg. Obgleich die Visionen einer italienischen Nonne des Spätmittelalters Ausgangspunkt dieses Stücks bildeten, legt Sciarrino dem Orchester Zurückhaltung an. Einzig Verena Usemann, die die Partitur hörbar verinnerlicht hat, brach aus dieser klanglichen Selbstverleugnung aus, wenn sich Obsession im Klang- und Wortschwall Bahn brach. Das Kammerorchester mit Jutas Javorka und Marcus Pouget (Viola und Cello) und vor allem dem glänzenden Frank Stadler, der zuvor schon in Hossam Mahmouds Salomon-Fragmenten brillierte, brachte das Dunkel des ungewöhnlichen Industrieraums beinahe mystisch zum Leuchten. Ein in sich geschlossener, wie perfekt musizierter Abend.