Modellversuch – Wertstoffe sollen in die blaue Tonne
19.07.2012 | 18:39 Uhr 2012-07-19T18:39:00+0200
Bottrop. Die BEST bleibt bei ihrem Plan, demnächst versuchsweise an bestimmten Tagen die blaue Tonne zur Wertstofftonne zu machen. Pläne aus dem Bundesumweltministerium, wonach die gelbe Tonne demnächst bundesweit zur Wertstofftonne wird, sind zunächst einmal „Thesen“.
Eine Tonne, in der alle Wertstoffe landen – so stellt sich das Bundesumweltministerium (BMU) zukünftig die Wertstoffsammlung vor. Lästiges Sortieren und langes Überlegen, welcher Abfall in welche Mülltonne gehört und ob die unbrauchbare Bratpfannen denn nun in die gelbe Tonne darf oder nicht – all das würde so der Vergangenheit angehören. Entsprechende Überlegungen hat das Ministerium am Mittwoch auf seiner Internetseite veröffentlicht. Denn am Ende sollte diese Wertstofftonne die gelbe Tonne ersetzen – so steht es auch im Ministeriumspapier.
Die Pläne der Best
Ideen, die nicht neu sind und auf die auch die Bottroper Stadtreinigung (BEST) schon vor einiger Zeit reagiert hat. Denn dass Kreislaufwirtschaftsgesetz, das seit Juni gilt, schreibt vor, dass bis zum Jahr 2020 bestimmte Quoten erfüllt werden müssen, was das Recycling bestimmter Stoffe angeht. Deshalb sollen nach und nach Wertstoffe, die bisher im normalen Hausmüll landen, weil sie nicht als Verpackungsmüll gelten, dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden – etwa Schuhe oder Spielzeug aus Plastik.
Bereits im Mai hatte die BEST angekündigt, in einem Pilotversuch eine Art Wertstofftonne einzuführen. Jedoch will der Betrieb keine zusätzliche Tonne ausgeben. Stattdessen soll die blaue Papiertonne an bestimmten Tagen als Wertstofftonne dienen. Wird das Papier abgeholt, soll einen Tag später, so der Modellversuch, der Wertstoffmüll in der Tonne landen und abtransportiert werden.
Die gelbe Tonne spielt in den BEST-Überlegungen zunächst gar keine Rolle: „Weil wir keinen direkten Zugriff auf die gelbe Tonne haben“, sagt Carsten Sußmann, Vorstandsmitglied der BEST. Zugriff hat vielmehr die BEST-Tochter WRB, ein Subunternehmen.
In der Zeit von September 2010 bis Juni 2011 hat die FH Gelsenkirchen den Bottroper Restmüll untersucht, um herauszufinden, welche Wertstoffe in der grauen Tonne landen.
Die Forscher fanden heraus, dass im Jahr 2010 noch 368 t Eisen- oder Elektroschrott, 916 t Glas, 1084 t Papier und 2271 t organische Abfälle im Restmüll landeten.
Einen entsprechenden Beschluss, zunächst versuchsweise Wertstoffe wie etwa Metall, Kunststoff oder auch kleinere Elektrogeräte in der blauen Tonne zu sammeln, verabschiedete die BEST in ihrer Verwaltungsratssitzung im Mai. In dem Papier heißt es: „Es liegen bisher keine Eckpunkte eines zuletzt öffentlich diskutierten Wertsstoffgesetzes seitens des BMU vor.“ Und daran habe sich nichts geändert, sagt Sußmann. Denn das, was das Umweltministerium am Mittwoch vorgestellt hat, ist nur ein „Thesenpapier“. Wann aus den Thesen ein Gesetz wird und wie dieses dann aussieht, bleibe abzuwarten.
Diskussion um die Zuständigkeit
Meldungen, wonach es noch in dieser Legislaturperiode so weit sein soll, bezeichnet Sußmann als „sportlich“. Denn ein Kernproblem ist nur angerissen worden: Sowohl öffentlich-rechtliche Entsorger wie auch duale Systeme reklamierten die Trägerschaft der neu aufgestellten Wertstofferfassung für sich.
Und weil es für die Beteiligten um viel Geld geht, wird es innerhalb des Gesetzgebungsverfahrens noch genug Diskussionsbedarf geben.

19:50
Meine Frage nach höheren Gebühren hat sich wohl erledigt
- nachdem in der "Sparliste" der Stadtverwaltung höhere Einnahmen der Stadt durch BEST vermerkt sind.
13:38
Kadmium und Genossen (Platinen - LED-Lampen) und Quecksilber (Energiesparlampen) aus den grauen Tonnen zu bekommen spart bei der Abgasreinigung der gebührenfinanzierten Müllverbrennung.
16:58
Praktikabel scheint das Ganze nicht. Nicht jeder hat ein großes Haus, Garage..
Wo soll denn der "Normalbürger" mit "normal großer Wohnung" solange den Müll lagern - draußen bei Wind und Wetter neben der Papiertonne?
Wer hat sich denn sowas ausgedacht?
Jeder hat eine gelbe Tonne am Haus - das ist die Lösung (ohne zusätzlichen Platzbedarf) für die Bürger.
23:17
Müssen alle Bürger zwangsweise an diesem Modellversuch teilnehmen - sprich: Gibt es Sanktionen, falls Kunststoffteile u.Ä. ohne grünen Punkt (nicht Elektroschrott) weiterhin über die Restmülltonne entsorgt wird?
Welche Kosten entstehen und wie werden diese refinanziert - sprich: Werden höher Gebühren von uns Bürgern erhoben?
Müssen dann alle Bürger blaue Tonnen vorhalten?
Was passiert, wenn durch diesen Modellversuch durch "hängenbleibende, zerbrochene,.." Wertstoffmaterialien der "Papiermüll verunreinigt wird"?
19:38
Das was die BEST plant wird nicht greifen. Es gibt auch in Bottrop noch Bürger die keine blaue Tonne haben, da z.B. Papier im Komposter landet.Was sollen diese Bürger machen?Dagegen spricht auch, dass die meisten Bürger nicht bereit sind, oder auch nicht die Möglichkeit haben ein kleines E-Gerät und ähnliches einen Monat lang zu lagern.Also wird dieses Gerät in der gelben/grauen Tonne entsorgt.Da wäre es wirklich besser man könnte offiziell die gelbe Tonne dafür nutzen. Die Papiertonne dazu zu verwenden bringt nur Unsicherheit beim Bürger.Dringend notwendig ist eine Rückgabemöglichkeit für Sparlampen.Jetzt werden zuviele einfach in die graue Tonne entsorgt.
23:24
Falls die Stoffe nicht mehr in die Restmülltonne dürfen:
Man stelle sich z.Bsp. die anwachsenden Müllberge zwischen den Abfuhrterminen an den Müllstellplätzen von Mehrfamilienhäusern vor - eine Katastrophe. Derartig geniale Modelle zur Profitsicherung der BEST/Stadt können nur Menschen mit großen Häusern/Wohnungen/Grundstücken/Garagen bzw. Kellern ersinnen. In der oben zitierten Untersuchung werden bzgl. Wertstoffmüll ja nur Eisen- und Elektroschrott aufgeführt. Wie sehen denn die Zahlen zu Kunstoff, Schuhe o.Ä. aus - der Anteil dürfte um ein Vielfaches höher sein.
Genialität und Wahnsinn liegen oft nah beieinander.
18:57
Metall, Kunststoff, Elektrogeräte, Schuhe, Spielwaren .... - alles in die Papiertonne - aber bitte nur einmal monatlich ?!?
Es gibt unendlich viele Artikel die nicht über das duale System (gelbe Tonne) zu entsorgen sind und dann nicht mehr in den Restmüll gehören. Für Leute mit Lagerfläche satt sicher machbar - aber nicht für den Normalbürger. Zudem wird es sich mit der Zeit zeigen, dass Reste von diesen Wertstoffen in den Tonnen hängenbleiben und sich mit dem Papier vermischen. Vielleicht führt man diesen Pilotversuch doch besser probeweise erstmal bei den Mitgliedern/Familien der BEST-Leitung durch, bevor alle Bürger in die Pflicht genommen werden weitere"Müllager" bis zum Abfuhrtag einzurichten (Ein Glaslager hat doch wohl schon jeder).
Zu # 2: Vor 20 Jahren wären auch blaue Tonne, gelbe Tonne und braune Tonne erfolgslos gewesen. Wir entwickeln uns - wenn auch langsam - weiter.
13:18
Wenn ich richtig verstanden habe geht es darum aus eigenen Kräften Struckturen zu schaffen, bzw schaffen zu können. Alternativen sind bei Verhandlungen mit Monopolisten, wie dem DSD (Duales System Deutschland), von Vorteil.
Die gelbe Tonne wurde in Essen schon einmal vor Jahren, versuchsweise und erfolglos, zur Wertstofferfassung genutzt.
Defekte Elektrogeräte bewahre ich monatelang auf bis ich aus anderen Gründen zum Recyclinghof fahre.
Dringend notwendig ist eine Leuchtmittelrücknahme um den Sondermüll Energiesparlampen (Elektronik) zu kanalisieren.
00:10
Die BEST erwartet von den Verbrauchern, dass Sie den sog. Wertstoffmüll im Rahmen des Modellversuchs notfalls bis zu 30 Tagen im Haushalt zwischenlagern - bis die blaue Tonne frei ist. Dieses Modell nutzt nur der BEST - bei Nutzung der gelben Tonne hätte man sich mt anderen Anbietern arrangieren müssen oder auf den wertvollen Müll zu Gunsten anderer Entsorger verzichten müssen oder die Sortierung wäre aufwendiger geworden. Wertstoffmüll fällt schließlich de facto nicht nur an einem bestimmten Tag an (es gibt genügend Artikel ohne grünen Punkt,...). Die Lösung "Entsorgung über gelbe Tonne" ist für Verbraucher wesentlich praktikabler aber nicht so profitabel für die Stadt/BEST. Auch eine evtl. mögliche zwischenzeitliche Entsorgung an den bekannten Sammelstellen ist nicht für alle Bürger praktikabel. Voraussichtlich werden dennoch im Gegenzug die Gebühren für die Restmülltonnen angehoben werden - hierfür werden sicherlich Argumente gefunden werden.