Mit Witz und Schwung gegen das Vergessen

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Gedenken muss nicht immer weihevoll-steif daherkommen - auch wenn es sich dabei um das Erinnern an die Ereignisse der Pogromnacht vor 75 Jahren handelt. Das zeigte die Künstlerin Maegie Koreen jetzt im Kammerkonzertsaal, wo sie - einfühlsam begleitet von ihrem Pianisten Vlad Kalina - die Zuhörer mit auf eine Zeitreise zu den alternativen Bühnen und deren Künstlern in den 1920er und 30er Jahren nahm.

Auch deren Künstlerinnen und Künstler mussten emigrieren. Etwa 3000 waren es in Nazi-Deutschland und später auch in Österreich. An sie erinnerte Kulturdezernent Willi Loeven in seinem kurzen Grußwort ebenso, wie an die Bottroper Opfer der Diktatur.

Ins Zentrum stellte Koreen bei ihrem Abend „Kleine Bühne im Exil“ (auch als CD erschienen) die Chansonsängerinnen und Schauspielrinnen Annemarie Hase und Stella Kadmon, die in Wien und Berlin Stars - und im Falle von Kadmon auch Betreiberin - kleiner aber für die Diktatur gefährlicher Alternativbühnen und Kabaretts waren. Mit ihrer vollen und modulationsfähigen Stimme swingte und foxte die Ruhr-Chansonette, wie sie zuweilen genannt wird, durch die auch heute noch genialen wie bitterböse-hintergründigen Texte von Brecht, Kästner und Ringelnatz aber auch Werner Finck, Peter Hammerschlag (in Auschwitz ermordet) oder Marcellus Schiffer. Eine subtile Gratwanderung, die aufs Feinste zwischen dem berühmten lachenenden und weinenden Auge changierte.