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Mit Händewaschen den Noroviren begegnen

17.01.2008 | 18:25 Uhr

Gesundheitsamt stellt zurzeit Gipfel der Ansteckungsrate fest. Im neuen Jahr sind nach zwei Wochen bereits 30 Fälle gemeldet worden

GESUNDHEITSTIPP Die für die häufige Erkrankung "Brech-Durchfall" ursächlichen Noroviren haben derzeit bundesweit einen Gipfel in der Ansteckungsrate erreicht. "Dies ist in Bottrop nicht anders", sagt der Leiter des städtischen Gesundheitsamtes, Dr. Klaus Dieter Erkrath. Vor diesem Hintergrund lautet seine dringende Bitte an alle Bottroper, zur Vermeidung der Keimübertragung in allen Lebensbereichen die Hände häufig und gründlich zu waschen - insbesondere nach dem Toilettenbesuch.

Infektionsausbrüche fanden sich 2007 in Bottrop für kurze Zeit in einer stationären Pflegeeinrichtung (Altenheim) und einer Krankenhausstation. Grundsätzlich ist die Übertragung der Infektion mit Noroviren ein Problem der mangelhaften bis fehlenden Händehygiene. "Dies tritt im professionellen Pflegebereich genauso wie im sozialen Alltag auf", sagt Erkrath.

Die wichtigste Regel für die Einhaltung oder Erreichung hygienischer Verhältnisse im persönlichen Umgang des Alltags, im Krankenhaus, in Pflegeheimen, bei den ambulanten Diensten, in allen Bereichen der Lebensmittelherstellung und -verteilung, im Verkauf bis hin zur Bezahlung ist: häufiges Händewaschen. Dort, wo Kranke und Pflegebedürftige versorgt werden, muss außerdem ein geeignetes Händedesinfektionsmittel benutzt werden.

Die Norovirus-Infektion ist beim Gesundheitsamt meldepflichtig. 2006 wurden 20 Fälle registriert, 2007 insgesamt 176 Fälle - mit einem Schwerpunkt in den Wintermonaten. Im neuen Jahr sind nach zwei Wochen bereits 30 Fälle gemeldet worden. Dabei ist von einer größeren Dunkelziffer auszugehen, weil im privaten Bereich nicht jede Durchfallerkrankung zum Hausarzt-Besuch führt, der dann entsprechende Untersuchungen vornimmt.

Das Gesundheitsamt hat die Entwicklung erneut zum Anlass genommen, alle öffentlichen Gesundheits- und Kindertageseinrichtungen schriftlich auf die Problematik hinzuweisen. Die Behörde mahnt die Einhaltung der Hygieneregeln an und bittet um entsprechende Informationen. "Kontrollen werden folgen", kündigt Erkrath an.

Die Norovirus-Infektion ist unangenehm, führt im Einzelfall zu Krankschreibung und Arbeitsunfähigkeit.


Kommentare
22.01.2008
12:03
Mit Händewaschen den Noroviren begegnen
von Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann | #1

Noroviren-Alarm: Trinkwasser macht krank!

Norovirus- und auch Rotavirus-Infektionen werden durch Fäkalien entweder in Lebensmitteln oder im Trinkwasser ausgelöst, bevor sie von Mensch zu Mensch übertragen werden können, besonders augenfällig in Krankenhäusern, Altenheimen, Schulen oder Kindergärten. In unseren Gewässern, auch im Grundwasser, kommen Viren vor. Unsere Wasserwerke können Viren regelmäßig nicht filtern. Kaltes Wasser konserviert ansteckende Viren. Die Norovirus- und Rotavirus-Infektionen folgen jedes Jahr streng dem Verlauf der Kälte im Wasser, im Boden und in den Wasserleitungen. Es ist offensichtlich, dass die winterlichen Norovirus- und Rotavirus-Infektionen von der Kälte abhängen. Unsere Lebensmittel haben das ganze Jahr über in etwa die gleiche Temperatur. Das Trinkwasser nicht. Es hat sein Temperaturminimum im Februar. Also muss das Trinkwasser die Norovirus- und Rotavirus-Infektionen auslösen! Die Ultrafiltration kann Viren aus dem Trinkwasser filtern, ohne Zusatz von Chemikalien. Dabei entstehen zusätzliche Kosten von lediglich 5 bis 7 € pro Person und Jahr, für eine vierköpfige Familie also rund 2 € im Monat. Eine vorsorgende Gesundheitspolitik muss die Infektionsketten durchbrechen. Die Ultrafiltration würde die Kosten im Gesundheitswesen, die Lohnnebenkosten und die Ausfallzeiten am Arbeitsplatz reduzieren, auch bei anderen durch Trinkwasser übertragenen Infektionen. Auch die H5N1-Vogelgrippe kann mit dem Trinkwasser übertragen werden. Eine epidemiologische Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar die saisonale Influenza durch das Trinkwasser ausgelöst wird.

Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann
soddemann-aachen@t-online.de
http://www.dugi-ev.de/information.html

Als Hintergrundinformation Auszüge aus der vorliegenden Fachliteratur:

http://www.springerlink.com/content/x6138263qn388085/
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz
Volume 50, Number 3 / März 2007
Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2007, 50: 296–301.
Online publiziert: 2. März 2007
Professor Konrad Botzenhart
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Tübingen, Bundesrepublik Deutschland

Viren im Trinkwasser

Zusammenfassung
Viren im Trinkwasser können Infektionskrankheiten verursachen. Während dieses früher vor allem für die Hepatitis A und der Hepatitis E beobachtet wurde, sind in den letzten Jahren mehrere größere und kleinere Epidemien von Norwalkvirusinfektionen [Anm.: Norovirusinfektionen] beschrieben worden, auch in Europa. Alle trinkwasserrelevanten Viren stammen aus Fäkalien und sind im Abwasser auch nach mehrstufiger konventioneller Klärung regelmäßig noch nachweisbar. Sie sind den zugelassenen Desinfektionsverfahren gut zugänglich, soweit sie nicht in größere Partikel integriert sind. Folglich kommt der Partikelabscheidung bei der Aufbereitung eine besonders große Bedeutung zu. Die Virusfreiheit des abgegebenen Trinkwassers kann mit der erforderlichen Sicherheit durch virologische Untersuchungen nicht nachgewiesen werden. Die Untersuchung von 100-mL-Proben auf E. coli und coliforme Bakterien ist dafür ebenfalls nicht ausreichend. Bei Verwendung von möglicherweise kontaminiertem Rohwasser muss daher die Sicherheit der Verbraucher über eine von Fall zu Fall zu berechnende Leistungsfähigkeit der Aufbereitungsanlage gewährleistet werden. In die Berechnung gehen die Virusbelastung des Rohwassers, die Leistung der physikalisch-chemischen Partikelelimination und die Wirkung der Desinfektion ein. Die wirkungsbestimmenden Faktoren der Desinfektion, namentlich Konzentration und Einwirkungszeit bzw. die UV- Bestrahlungsstärke, müssen anhand des Infektionsrisikos durch Viren festgelegt und eingehalten werden, auch wenn sie aufgrund günstiger E.-coli-Befunde überhöht erscheinen.
Schlüsselwörter: Trinkwasser, Viren, Desinfektion, Partikelelimination


http://www.umg-verlag.de/umwelt-medizin-gesellschaft/206_m_ua.html
umwelt•medizin•gesellschaft 19 2/2006, 140-145.
Leena Maunula, Ilkka T.Miettinen, Carl-Henrik von Bonsdorff

Von Trinkwasser ausgehende Norovirus-Epidemien

Zusammenfassung
Im Rahmen eines intensivierten Monitoring Programms zu lebensmittelbedingten Epidemien in Finnland wurden vom Trinkwasser ausgehende und durch Viren verursachte Krankheitsausbrüche untersucht. Die diagnostischen Maßnahmen umfassten Stuhluntersuchungen von Patienten mittels Elektronenmikroskopie und reverse Transkriptase-PCR (RT-PCR) auf Noroviren und Astroviren. Sobald ein Test positive Resultate für einen Virustyp ergab, wurde die zugehörige Trinkwasserprobe analysiert. Die Viruskonzentration erfolgte mittels positiv geladener Filter aus 1 L Proben. Während der Beobachtungsperiode 1998-2003 waren bei insgesamt 41 als wasserbedingt beschriebenen Epidemien zu 28 dieser Krankheitsausbrüche Wasserproben für Analysen verfügbar. Die Bewertung der RT-PCR-Ergebnisse der Patientenproben ergab bei 18 der Krankheitsausbrüche Noroviren als Ursache. Bei 10 Epidemien wurden in den zugehörigen Wasserproben ebenfalls Noroviren nachgewiesen. Mit Ausnahme eines Falls war die Amplicon-Sequenz dieser Viren identisch mit der bei Patienten gefundenen Virusart. Das weltweite Vorkommen von wasserbedingten Norovirus-Epidemien erfordert Maßnahmen zur Überwachung des Wassers auf Viren.


http://www.umg-verlag.de/umwelt-medizin-gesellschaft/206_sodd.html
umwelt•medizin•gesellschaft 19 2/2006, 134-139.
Soddemann W

Mikrobiologische Trinkwasserüberwachung in Deutschland: weder unabhängig noch effizient

Zusammenfassung
Das System der Trinkwasserüberwachung in Deutschland wird als problematisch beurteilt, da Trinkwasseruntersuchungen nahezu ausschließlich von den Wasserversorgungsunternehmen selbst oder in ihrem Auftrag durchgeführt werd en. Deutsche Wasserversorgungsunternehmen sind meist öffentlich-rechtliche kommunale Betriebe, Zweckverbände oder privat-rechtliche Gesellschaften mit kommunaler Beteiligung. Für die gesetzliche Trinkwasserüberwachung sind - ebenfalls auf kommunaler Ebene - die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Dem Bund und den Ländern sind keine Aufgaben zur regelmäßigen Trinkwasserüberwachung vor Ort übertragen. Gechlortes Trinkwasser wird oft erst nach der Chlorung auf die Indikatorbakterien der Trinkwasserverordnung untersucht, so dass positive bakteriologische Befunde selten sein müssen. Negative bakteriologische Befunde sind keine Nachweise der Virenfreiheit. Untersuchungen auf pathogene Viren finden in Deutschland so gut wie nicht statt, obwohl aus einer Vielzahl von Untersuchungen bekannt ist, dass Viren im Trinkwasser enthalten und Auslöser von Epidemien sein können. Norovirus- und Rotaviruserkrankungen sind die von den Gesundheitsämtern dem Robert Koch-Institut Berlin am häufigsten gemeldeten Virusinfektionen in Deutschland. Das Futtermittel Tränkwasser wird, wenn überhaupt, meist nur auf wenige bakteriologische Parameter untersucht, gechlortes Tränkwasser meist nach der Chlorung. Mikrobiologische Belastungen in nicht gechlortem, ggf. auch in gechlortem Tränkwasser können zu einem hohen Antibiotikaeinsatz bei der Nutztiererzeugung und über das erzeugte Fleisch zu Antibiotikaresistenzen beim Menschen führen.
Die Trinkwasserüberwachung ist unabhängigen Behörden und Untersuchungsstellen der Länder zu übertragen. Auf die Indikatorbakterien der Trinkwasserverordnung ist stets vor der Chlorung zu untersuchen. Trinkwasser ist systematisch auch auf Noro- und Rotaviren zu untersuchen. Das Futtermittel Tränkwasser ist analog zu überwachen.


Dies alles ist den Wasserversorgungsunternehmen und den Gesundheitsämtern bekannt, auch der Deutschen Bundesregierung, den Bundesbehörden und der Deutschen Trinkwasserkommission, die eine hohe Affinität zu den Wasserversorgungsunternehmen besitzt.


Wilfried Soddemann
Freier Wissenschaftsjournalist
Ltd. Regierungsbaudirektor i.R.
Bauassessor Dipl.-Ing.
BBU e.V. Mitglied
Bundesverband Buergerinitiativen Umweltschutz
dugi e.V. Mitglied
Deutsche Umwelt-Gesundheits-Initiative
IGUMED e.V. Mitglied
Interdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin
soddemann-aachen@t-online.de
http://www.dugi-ev.de/information.html
Epidemiologische Analyse:
http://www.dugi-ev.de/TW_INFEKTIONEN_H5N1_20071019.pdf

Wilfried Soddemann befasst sich mit technischem Umweltschutz, Umwelt- und Trinkwasserhygiene sowie der Epidemiologie der Infektionserkrankungen in Deutschland.

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