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„Mein Kampf“ lässt die Bottroper eher kalt

08.01.2016 | 19:01 Uhr
„Mein Kampf“ lässt die Bottroper eher kalt
Ralf Becker, Inhaber der Buchhandlung Erlenkemper in Bottrop, zum Verkaufsstart der neuen, dokumentierten Ausgabe von Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“.Foto: Thomas Goedde

Bottrop.  Allerdings verzeichnet der Buchhandel seit der Berichterstattung über die kommentierte Neuauflage von Hitlers Hetzschrift ein leicht steigendes Interesse. Zwei Wochen Wartezeit. Keine prominente Platzierung

Lieferfrist: 14 Tage. Ansichtsexemplar? Fehlanzeige. Die in allen Medien im Vorfeld stark beachtete und umfassend kommentierte Neuauflage von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ ist derzeit in Bottrop nicht erhältlich. Ungewöhnlich für ein Buch, dessen Verkaufsbeginn gestern offiziell begann.

Die Mitarbeiterinnen der Buchhandlung Erlenkämper auf der Hochstraße wundert das nicht. Bei einer Auflage von nur 4000 sei damit zu rechnen gewesen, sagt Buchhändlerin Barbara Lindemann. Allerdings spuckt der Computer bereits jetzt schon rund 15 Vorbestellungen aus. „Für so ein Buch schon eine große Nachfrage“, sagt deren Kollegin Melinda Meindlschmid. 2000 Seiten, davon gut die Hälfte wissenschaftlicher Kommentar, der die kruden Thesen des einstigen Machthabers des „Dritten Reiches“ einordnet und widerlegt. Alles für stolze 59 Euro.

„Ich gehe davon aus, dass allein schon der Preis eine bestimmte Klientel, die sonst ohnehin nicht liest, vom Kauf abhält“, sagt Ralf Becker. Der Inhaber der traditionsreichen Bottroper Buchhandlung hat kein Problem damit, eine Neuauflage der damaligen Hetzschrift zu verkaufen, da der einordnende Kommentar das Werk und dessen Geist ja entlarve. „Und überhaupt: Das Buch war im Ausland, übers Internet oder unter manchen Ladentischen immer schon zu bekommen. Eine neu aufgelegte Ausgabe hat es auch schon vor Jahrzehnten gegeben, von dem Historiker Christian Zentner“, so Becker. Zentner arbeitete mit seinem Vater Kurt an der Aufarbeitung der NS-Geschichte - auch mit einer kommentierten „Mein Kampf“-Ausgabe.

Auch bei der Mayerschen Buchhandlung in der Fußgängerzone ist eine ähnliche Tendenz zu beobachten. „Es gibt einige Vorbestellungen im niedrigen zweistelligen Bereich, von denen einige schon im Dezember eingingen, als erstmals größer darüber berichtet wurde - und das von fast allen Altersgruppen“, so Geschäftsführer Florian Knipping. Auch dort müssen sich die Leser gedulden, bis sie den Wälzer in den Händen halten können. Prominent platzieren werde man auch in der Mayerschen das Buch aber nicht.

Lediglich in der Humboldt-Buchhandlung an der Kirchhellener Straße sei keine Bestellung der Neuauflage eingegangen, so Filialleiterin Kathrin Allkemper. Allerdings weiß Kollegin Annette Riedel jährlich von ein oder zwei Anfragen nach „Mein Kampf“ - eine winzige Zahl, die aber über Jahre konstant sei.

Dirk Aschendorf

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„Mein Kampf“ lässt die Bottroper eher kalt
„Mein Kampf“ lässt die Bottroper eher kalt
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2016-01-08 19:01
Bottrop