Mehr Bottroper Familien nehmen Pflegekinder

Ein Dankeschön für die Unterstützung: Karin Balzer und Sara Ernst (von links)
Ein Dankeschön für die Unterstützung: Karin Balzer und Sara Ernst (von links)
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Der Sozialdienst katholischer Frauen hatte vor einem Jahr die Kampagne gestartet. Inzwischen melden sich zunehmend interessierte Menschen.

Bottrop..  Mehr Familien in Bottrop und Umgebung gehen den Schritt, Pflegekindern ein neues Zuhause zu geben. Dank einer Werbeaktion, die der hiesige Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) mit Unterstützung von „Schloss-Beck-Herrin“ Renate Kuchenbäcker vor knapp einem Jahr gestartet hatte, stehen jetzt sechs Familien kurz davor, ein Pflegekind aufzunehmen. Vier weitere werden im Juni mit einem zweiten Bewerberseminar gezielt darauf vorbereitet.

„Insgesamt haben seit dem Start der Kampagne 20 Familien Interesse gezeigt“, sagt Sara Ernst vom Pflegekinderdienst. In manchen Jahren zuvor habe es nur zwei oder auch gar keine Interessenten gegeben. „Daher haben wir nun eine gute Entwicklung – und wir möchten, dass das weitergeht“, sagt Sara Ernst. Deshalb werden weiterhin Pflegeeltern gesucht. „Denn der Bedarf ist da.“

Dauerhaftes Zuhause

skf informiert

Es sind Babys, Kleinkinder oder Schulkinder im Alter von bis zu zehn Jahren, für die die Expertinnen vom SkF ein dauerhaftes Zuhause suchen. Mädchen und Jungen, die Schweres erlebt haben, die vielleicht vernachlässigt oder misshandelt wurden. „Es sind Kinder, die besondere Herausforderungen mitbringen“, fasst Sara Ernst zusammen. Pflegefamilien werden darauf vorbereitet. Es gibt Gespräche und das Bewerberseminar, auf dem es um Themen wie Trauma-Bewältigung, Bindungsaufbau oder rechtliche Fragen geht.

Schritt für Schritt

„Wir schauen, welche Eltern für ein Kind passend sind“, erläutert Karin Balzer (Westfälische Pflegefamilien) das weitere Vorgehen. Die Kennlernphase beginnt anonym, Schritt für Schritt kommen Familie und Kind sich näher. „Die Chemie muss stimmen“, sagt Balzer. So haben beide Seiten in der Kennlernphase immer noch die Möglichkeit, Nein zueinander zu sagen. Sagen sie aber Ja, werden sie weiter von den Fachfrauen begleitet. Auch ein Austausch mit anderen Pflegeeltern findet regelmäßig statt. In der Regel bleiben die Kinder auf Dauer in der Familie – bis sie auf eigenen Füßen stehen. Als Pflegeeltern bewerben können sich Familien, kinderlose Paare, Lebensgemeinschaften oder Einzelpersonen. „Grundsätzlich ist alles möglich, man muss da immer auf die einzelne Familie schauen.“

Froh sind die beiden Frauen darüber, dass das Werbebanner mit der Frage „Lust, Ihre Familie auf den Kopf zu stellen?“, das im vergangenen Sommer am Zaun von Schloss Beck aufgehängt wurde, eine weitere Saison wirken darf. Zum Dank für die Unterstützung gab’s daher für Renate Kuchenbäcker jetzt einen Blumenstrauß.