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Kultur und Schule

Martin Luther King zieht Schüler in den Bann

18.11.2014 | 18:06 Uhr
Martin Luther King zieht Schüler in den Bann
Szene aus dem Stück „Life and Death of Martin Luther King“ mit Andrew Christian (l.) in der Titelrolle im Lichthof des Berufskollegs.Foto: Heinrich Jung

Rund 900 Schülerinenn und Schüler der Oberstufe besuchten die Aufführung der American Drama Group aus München, die das Leben des schwarzen us-amerikansichen Bürgerrechtlers Martin Luther King auf die Bühne brachten. Eine spannende Mischung aus klassischem Schauspiel und „Physical Theatre“ - in der englischen Originalsprache.

Wohl jeder Schüler wird im Laufe seines Schullebens einmal mit dem Leben von Martin Luther King konfrontiert oder liest im Englischunterricht die berühmte Rede „I have a dream“. Jetzt gastierte die American Drama Group (ADG) im Berufskolleg und zeigte dort ihre Version der Martin Luther King-Biografie - und das gleich zwei Mal, vor insgesamt 900 Schülern.

Nicht nur das ist eine stramme Leitung. Auch das Stück selbst aus der Feder von Paul Stebbings und Phil Smith nötigt mit seinen zahlreichen Szenenwechseln der fünfköpfigen Truppe eine beachtenswerte Leistung ab. Denn die Inszenierung der ADG ist nicht nur Schauspiel im klassischen Sinne des Stadttheaters, sondern vereint ebenso artistische, pantomimische und choreografische Elemente im Sinne des „physical Theatre“.

Dabei schlüpfen die Akteure permanent in wechselnde Rollen. Dass nur der Journalist - der gleichsam als Außenbeobachter aber auch Beteiligter auftritt - ein Weißer ist, zeigt von Anfang die Doppelbödigkeit aber auch den „pädagogischen“ Charakter des Stückes, das ebenso als biografisches wie als Anti-Rassismus-Stück daherkommt.

Alle schlüpfen der Reihe nach in Stereotypen der damaligen Südstaaten Sheriffs, der Ku-Klux-Klan-Mitglieder aber auch der schwarzen Weggefährten von King. Auch Andrew Christian in der Titelrolle, der vor allem als smarter, anzugtragendder Jung-Prediger der Gewaltlosigkeit überzeugt, muss teilweise in die Rolle des „Rassenfeindes“ wechseln - angedeutet durch schwarze oder weiße Gesichtsmasken. Mit Musikeinspielungen, teilweise auch mit Soundcollagen der Aufstände in den us-amerikanischen Südstaaten der 50er und 60er Jahre gelingt es dem Team auch ohne Kulisse und mit wenigen Requisiten, die Schüler der Oberstufe über 90 Minuten in ihren Bann zu ziehen. Erstaunlich ruhig bleibt es, obwohl die amerikanische Variante des Englischen nicht immer leicht zu verstehen ist.

Dennoch gelingt es, die Schüler in die unerhört gewalttätige Welt der Rassentrennung und Verfolgung einer großen Bevölkerungsgruppe hinein zu ziehen. Auch die Kommunisten-Hatz der McCarthy-Ära und des damaligen FBI-Chefs Edgar Hoover wird drastisch lebendig.

Rock und Jazz, einige Gospeleinlagen und ein anrührendes Solo von Mary King, die Martin Luthers Ehefrau Coretta spielt, liefern den „Original-Sound“. Das Stück endet - fast abrupt - mit dem Versuch von Rechten und dem FBI, Martin Luther King auch persönlich zu diffamieren und schließlich mit der Ermordung des Bürgerrechtlers 1968.

Dirk Aschendorf

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Martin Luther King zieht Schüler in den Bann
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2014-11-18 18:06
Bottrop