Martin Koschmider ist Weltranglisten-Erster im Angriff

Abenteuer, Taktik und ziemlich viel Kopfrechnen: Fabian Koschmider genießt es, im Club „Die Würfelgötter“ im Jahr 40 000 unterwegs zu sein.
Abenteuer, Taktik und ziemlich viel Kopfrechnen: Fabian Koschmider genießt es, im Club „Die Würfelgötter“ im Jahr 40 000 unterwegs zu sein.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Martin Koschmider aus Resse steht auf dem 1. Weltranglisten-Platz bei den Tabletop-Strategiespielen. Unter seinen Mitstreitern sind viele Bottroper.

Bottrop..  Unscheinbar wirkt der Parkplatz an diesem sonnigen Morgen mit seinen vielen Autos vor Koschmiders Sportcamp in Buer. Allenfalls die muskulösen Besucher – ausgeprägter Bizeps, Sixpack-Bauch – haben Krimi-Potenzial. Dass im angrenzenden Souterrain gekämpft und getötet wird, nein, darauf deutet nichts hin. Dabei sind die Armee-Schlachten dort Routine: Jeden Donnerstag geht’s beim Tabletopspiel-Club „Die Würfelgötter“ ums nackte (Über-)leben – mit Strategie, versteht sich. Die nachweislich beste Übung darin hat Martin Koschmider – er hat sich auf Platz 1 der Weltrangliste emporgearbeitet.

Buchstäblich: Jede Figur seiner Armeen, die er für das Fantasy-Spiel Warhammer 40k benötigt, jede Waffe, jedes Fahrzeug hat er aus winzigen Kunststoff-Teilen zusammengeklebt und bemalt, „teilweise in 80 Farbschichten“, so Koschmider (51). Kein Wunder, dass er da bis zu 50 Arbeitsstunden braucht.

Bauen, bemalen, rechnen, kämpfen

Hinzu kommen die Spieltische, die der Resser Fitnessstudio-Inhaber allein oder mit Club-Kollegen zusammenschraubt, um darauf die Szenerien für die Kämpfe zu gestalten. Denn gespielt wird auf Stühlen sitzend – fürs Auf-dem-Boden-Hocken sind die rund 30 Clubmitglieder zwischen 14 und 57 Jahren dann doch zu alt.

Ihre kindliche Begeisterung für Abenteuerwelten haben sie sich aber bewahrt: Martialisch kommen Figuren und Fahrzeuge daher, ein bisschen an die „Herr der Ringe“-Filme erinnernd mit ihren grausigen Fratzen und den rot verkrusteten Kettensägen oder Maschinenpistolen. „Zwei Spieler treten mit ihren Armeen gegeneinander an, ohne Technik. Das, was viele am Computer erleben, entwickeln wir live nach den Vorgaben des Warhammer 40k-Grundregelbuchs“, erklärt Koschmider. „Da kämpft man nicht wie am PC für sich allein, sondern im Dialog mit anderen. Da sind Kommunikation und soziales Miteinander wichtig.“

Kämpfer clever wählen

Jeder Spieler hat 1850 Punkte zur Verfügung, um seine Armee zusammenzustellen – jede Figur kostet, je nach Größe und Ausrüstung, eine bestimmte Punktzahl. Dann wird gewürfelt. „Es kommt darauf an, seine Kämpfer so geschickt auszuwählen, dass sie auf alle Eventualitäten vorbereitet sind. Dabei weiß man ja nie, wen das Gegenüber ins Rennen schickt und wie die Würfel fallen“, ergänzt Koschmiders Sohn Fabian.

„Anspruchsvoller als Schach“

Die Würfelgötter

Mit seinem Vater ist der Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiast (16) in das Hobby hineingewachsen, um mittlerweile ganze Tage auf international besetzten Turnieren in den Kategorien „Gut gegen Böse“ zu denken. Inzwischen steht er in der Weltrangliste auf Platz 11.

„Mit acht Jahren habe ich seine alten Figuren gefunden und wollte mehr darüber wissen. Also haben wir Spielclubs in Oberhausen, Bochum oder Düsseldorf besucht; seit dreieinhalb Jahren nehmen wir an Turnieren teil.“ Weil sie das Warten auf freie Tische leid waren, eröffnete Martin Koschmider vor eineinhalb Jahren kurzerhand selbst am Rombergskamp den Tabletop-Club „Die Würfelgötter“, der nun auch selbst Turniere ausrichtet.

„Schule geht vor“

Dass er seinen Sohn an Brutalität gewöhnen könnte, diese Sorge hat Koschmider nicht. „Das ist eine Fantasywelt wie bei Rollenspielen, in der es darum geht, mit Anstand zu gewinnen – oder zu verlieren. Es ist anspruchsvoller als Schach und kommunikativer als ein PC-Spiel, dazu noch kreativ, weil man die Figuren zusammenbaut und bemalt.“ Fabian nickt: „Spaß macht nicht so sehr das Gewinnen, sondern das Taktieren.“ Am PC zockt der bekennende Nerd trotzdem. „Aber Schule geht immer vor!“