Liesel Appels Lebensmission endet in Bottrop

Liesel Appel spricht mit den Oberstufenschülern des Vestischen Gmnasiums über ihre Erinnerungen.
Liesel Appel spricht mit den Oberstufenschülern des Vestischen Gmnasiums über ihre Erinnerungen.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Liesel Appel spricht mit den Schülern des Vestischen Gymnasiums über ihre Lebensgeschichte. Die Gymnasiasten wollen die Erinnerungen wachhalten.

Kirchhellen..  Im Schulforum ist es muckmäuschenstill bis Liesel Appel das Schweigen durchbricht - lange Zeit habe es sie gekostet, über die Ereignisse ihrer Vergangenheit zu sprechen. In ihrem Buch „Der Sohn des Nachbarn“ schreibt sie darüber: über eine Heldentat, die ihr die Augen öffnete und sie vor den Taten der Nazis erschaudern ließ. Sie erzählt die Geschichte von der Rettung eines jüdischen Baby (Edgar Meyer) und von der Entdeckung, dass ihr verehrter Vater nicht der Held war, für den sie ihn gehalten hat.

„Ich habe der Erinnerung an die Meyer-Familie mein Leben gewidmet“, sagt Appel zu den Schülern des Vestischen Gymnasiums, mit denen sie über ihr Leben spricht. Ihre Worte sind warm und energisch, sie steht hinter dem, was sie sagt. Das merken auch die Schüler, die ehrfürchtig aufstehen, als die Autorin das Ende ihres Buchs vorliest. Es blieben viele offene Fragen und der Wunsch, zu verstehen: Ob sie ihren Eltern je vergeben konnte, wann sie das erste Mal über die Ereignisse gesprochen habe und ob sie jemals an ihren damaligen Wohnort in Bottrop zurückgekehrt sei.

Das Zusammentreffen wühlt auf

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Wieder hier zu sein bedeute ihr viel, sagt Appel den Schülern: „Es bedeutet das Ende meiner Lebensmission: dass ihr aufgestanden seid und euch an die Meyers erinnert, vielleicht eines Tages euren Kindern davon erzählt“. Das habe sie vor, sagt eine Schülerin und wird von Appel in den Arm genommen.

Das Zusammentreffen der beiden Generationen - der Schüler und der Zeitzeugin Liesel Appel - wühlt auf, erschüttert, bewegt und berührt. „Das Gefühl über die Nähe der schrecklichen Ereignisse hat mich sehr erschrocken“, sagt Schülerin Lara Knipping (16). In der Theorie wirkten die Ereignisse weit weg. „Ich fand das Treffen sehr emotional und habe Respekt davor, dass Liesel Appel so offen sprechen kann“, sagt sie.

Mitschülerin Jana Motz (17) teilt den Respekt über Appels Offenheit. „Ich fand es interessant, eine Zeitzeugin zu treffen. Unsere Generation hat ja kaum mehr Berührungspunkte mit den Menschen, die den zweiten Weltkrieg miterlebt haben“, sagt sie.

Auch Pädagogik-Lehrer Christian Hillbrandt ist dankbar für Appels Besuch. Mit seinen Schülern setzt er sich vertieft mit der Shoa auseinander, organisiert Theateraufführungen und Projekte. „Ich bin sehr glücklich darüber, Frau Appel in der kurzen Zeit ihrer Bottropreise hier begrüßen zu dürfen“, sagt er.