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Liebe - allen Widrigkeiten zum Trotz

17.06.2012 | 14:18 Uhr
Liebe - allen Widrigkeiten zum Trotz
Auf ein 65-jähriges Eheglück können Elfriede und Artur Wuttke zurückschauen. Das Paar hatte sich unter widrigen Umständen kennen- und lieben gelernt.

Bottrop. Mit strahlendem Lachen zeigt Elfriede Wuttke ihr Brautkleid. 65 Jahre ist es her, dass sie es aus weißer Fallschirmseide allen Widrigkeiten zum Trotz getragen hat. Und das war gut so: Heute feiert sie mit ihrem Mann Artur Eiserne Hochzeit und erinnert sich an den turbulenten Beginn ihrer Liebe inmitten des 2. Weltkrieges - einer Zeit, in der diese Liebe eigentlich unmöglich war.

Das Brautkleid aus dem Fallschirm eines amerikanischen Soldaten hat Elfriede Wuttke aufbewahrt.

Elfriede war 16 Jahre jung und kannte ihren Artur noch gar nicht, als ihr Pate ihr bei seiner Rückkehr von der Front einen weißen Fallschirm schenkte - als Stoff für ihr künftiges Brautkleid. In einem Graben in der Normandie liegend, sah er sich plötzlich Auge in Auge mit einem amerikanischen Soldaten, der sich mit eben diesem Fallschirm in einem Baum verfangen hatte. Die beiden schossen nicht aufeinander, und zum Dank erhielt Patenonkel Peter den Fallschirm. „Meine Cousine hat mir dann ein paar Jahre später das Brautkleid aus dem Stoff genäht, denn es bringt Unglück, das selbst zu tun“, sagt Elfriede Wuttke, einst gelernte Herrenschneiderin.

„Sie können zueinander nicht kommen“, sollte dann zwei Jahre später der Titel der Liebesgeschichte zwischen der 18-jährigen Elfriede Ost und dem 20-jährigen Artur Wuttke sein. „Ich war in Stalingrad verwundet worden, hatte einen Lungendurchschuss und lag schließlich im Lazarett im saarländischen St. Wendel“, erinnert sich Artur Wuttke an das Trauma seines Lebens. „Und ich steckte gerade mitten in meinen Prüfungen zur Herrenschneiderin und ging täglich ahnungslos am Lazarett vorbei“, sagt Elfriede Wuttke.

Die Sache mit der Schere

Obwohl Artur das Bett hüten sollte, war er dann doch an jenem Sonntag mit zwei Kameraden unterwegs, als Elfriede mit ihrer Cousine von der Maiandacht kam und eine Laufmasche in ihren Nylonstrümpfen entdeckte. Als angehende Herrenschneiderin hatte sie natürlich Nähzeug dabei, aber keine Schere. Und um diese bat sie dann die drei Soldaten - Artur konnte helfen. Schnell war ihm klar, dass er das Mädel wiedersehen wollte. Doch so einfach war das nicht. „Denn im Dorf herrschte das Gebot, nichts mit einem Soldaten anzufangen“, erinnert sich Elfriede Wuttke. Dennoch schaffte Artur es, Elfriede zu treffen, und zu seinem 21. Geburtstag am 20. Juni 1943 durfte sie ihm bereits mit Erlaubnis ihrer Eltern einen Marmorkuchen backen.

„War das ein Theater“

„Doch dann erzählte mir Artur, dass er evangelisch ist“, so Elfriede Wuttke. „Ein Drama! Zur damaligen Zeit war es undenkbar, als katholisches Mädchen einen evangelischen Freund zu haben.“ Elfriede erzählte zu Hause nichts und schaffte es, dass sie ihren Artur sonntags zum Mittagessen einladen durfte. „Meine Familie sollte ihn erstmal kennenlernen, und sie waren auch sofort von ihm angetan. Doch nach einigen Treffen schrieb Artur mir dann, dass er diese Heimlichkeiten nicht mehr wolle - und meine Mutter fand den Brief. Meine Güte, war das ein Theater! Und ich bekam die erste Ohrfeige meines Lebens von meinem Vater.“

Das war 1943, mitten im Krieg. Zwei Jahre lang hörten die beiden nichts voneinander, doch sie vergaßen einander nicht. „Da waren so viele Dorfjungen, aber die interessierten mich nicht“, erzählt die 87-jährige Elfriede Wuttke.

Schließlich schrieb Artur einen Brief an Elfriedes Cousine Thea, und der Kontakt lebte wieder auf. Elfriedes Geschwister halfen ihr, den Widerstand der katholischen Eltern gegen den evangelischen Mann zu brechen. Doch das Saarland stand nach dem Krieg unter französischer Besatzung - und wieder konnten die Liebenden nicht zueinander kommen. Elfriede schmuggelte sich schließlich in einen Zug, und auf dem Bahnhof in Castrop Rauxel sah sie ihren Artur 1946 endlich wieder. „Er hat geweint und versprach mir, die Sterne vom Himmel zu holen“, sagt Elfriede Wuttke lachend. Nach weiteren heimlichen Treffen feierten die beiden schließlich am 18. Juni 1947 im saarländischen St. Wendel ihre Hochzeit - geheim und nur im engsten Familienkreis. „Der Standesbeamte und der Pfarrer nahmen das Risiko auf sich, uns zu trauen. Die Hochzeit durfte eigentlich nicht sein.“

Doch weil sie allen Widrigkeiten so hartnäckig getrotzt hatten, können Elfriede und Artur Wuttke heute ihre Eiserne Hochzeit feiern. Ihr Rezept für 65 Jahre Eheglück: Es gehört nicht nur Liebe dazu. Auch die gegenseitige Achtung ist wichtig.

Andrea Kleemann

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