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Kulturhauptstadt-Projekt

Lesewand zieht Blicke auf sich

06.09.2010 | 18:23 Uhr
Lesewand zieht Blicke auf sich
Menschentrauben versammeln sich nicht vor der Lesewand, aber „es stehen immer wieder Leute davor“, sagt Referent Gerhard Reinhold.

Bottrop. Sie ist dezent gestaltet, aber sie wirkt bereits durch ihre 6 Meter Länge als Blickfang. Vor einer Woche wurde die Lesewand am kath. Stadthaus eingeweiht, und sie zieht Blicke auf sich.

„Viele Leute bleiben stehen, vor allem Ältere“, hat Monika Holtkamp beobachtet, die oft in der Innenstadt unterwegs ist. Der Bottroperin gefällt die Verbindung aus Stadtgeschichte, Bibelzitaten und theologischen Aussagen, die auf den Glastafeln vereint sind. „Das ist doch mal ganz was anderes. Man hat sich doch immer gefragt, wie kommt der Name Bottrop zustande.“ Auf einer Tafel findet sie die Antwort.

Auch Klaus Schmickler interessiert sich in erster Linie für die Geschichte der Stadt. Der 54-jährige hat auf allen Schachtanlagen der Stadt gearbeitet, und er findet auf der Lesewand viele Bezüge zum Bergbau - und zur Kirche. Schmickler ist gezielt in die Innenstadt gekommen, um diese neue Verkleidung der Seitenwand des Stadthauses unter die Lupe zu nehmen, und er bewegt sich dabei Schritt für Schritt durch Glaube und Leben der Christen in der Stadt - von links nach rechts, von den Anfängen bis zur Gegenwart. Viel Bekanntes entdeckt Schmickler, einige Beiträge kommentiert er mit Nicken: Die Geschichte der Stadt ist auch seine eigene.

Dieter Dreier überbrückt eine Wartepause mit einem Besuch der Lesewand. „Das ist schon ganz interessant“, meint der historisch interessierte Bottroper. Peter Ceglarek, Geistlicher aus dem Münsterland, bringt auch sehr viel Interesse für den theologischen Gehalt der Lesewand mit: „Es ist faszinierend, was daraus geworden ist.“

Der Verband der katholischen Kirchengemeinden wollte dieses Projekt bereits 2002 umsetzen, scheiterte jedoch an der Finanzierung. Für das Kulturhauptstadtjahr nahm der Katholikenrat einen neuen Anlauf, und mit Unterstützung von Sponsoren nahm die Lesewand Gestalt an, allerdings eine andere als geplant: Die Tafeln sollten aus geätztem Zink bestehen, aber „es fand sich keiner, der die Tafeln in Metall hat machen wollen oder können“, sagt Gerhard Reinhold, Referent der kath. Stadtkirche. Also entschied man sich für witterungsbeständiges Sicherheitsglas, das mit digitaler Technik auf der Rückseite bedruckt wurde.

Rechts kommt die Lesewand in der Gegenwart an. Dort wird ablesbar, dass ihre Entstehung geprägt wurde auch von der Diskussion um die Missbrauchsfälle in der Kirche. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck wird zitiert, der die Glaubwürdigkeit der Kirche bindet an die Erfüllung ihrer eigenen hohen moralischen Ansprüche.

Marie-Luise Schmand

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