Leser bestaunen 900 PS-Motoren

Brabus-Sprecher Sven Gram (re.) zeigt den WAZ-Lesern die Abteilung für den Motorenbau.
Brabus-Sprecher Sven Gram (re.) zeigt den WAZ-Lesern die Abteilung für den Motorenbau.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Brabus gewährt der WAZ-Gruppe Einblicke ins Unternehmen. Die leistungsstarken Maschinen werden auf Prüfständen getestet.

Bottrop.. Die Verantwortung der Mechaniker ist enorm. Schraube für Schraube zerlegen sie den Motor, um ihm anschließend mehr Leistung einzuhauchen. Die WAZ-Leser stehen im Motorenbau bei Brabus. Rund 90 000 Euro kostet so ein Brabusmotor am Ende. Darin enthalten sind aber auch 20 000 Euro für den Mercedes-Motor. Denn, dass erklärt Brabus-Sprecher Sven Gramm den Besuchern: „Die Basis ist immer ein Mercedes-Motor.“ Doch die inneren Teile - alles was sich bewegt - sei am Ende neu.

Viele der Mitarbeiter in dieser Abteilung haben ihr Handwerk bei Brabus gelernt, erklärt Gramm den Besuchern. 360 Leute beschäftige das Unternehmen inzwischen in Bottrop, „Tendenz steigend“.Derweil wird an einem der anderen Arbeitsplätze in der Halle ein weiterer Motor zerlegt und vorbereitet.

Doch die Motoren mit bis zu 900 PS Leistung werden bei Brabus auch getestet. Gramm öffnet eine Tür und lässt die Leser eintreten in einen der Motorenprüfstände. Hier werden die Aggregate eingespannt und können dann – ohne Fahrer, Karosserie und Räder – auf Herz und Nieren geprüft werden. Beim Tritt auf die Bodenfläche zischt es. „Die Prüfstände sind auf Luftkissen gelagert und so vom Gebäude entkoppelt“, erklärt Gramm. Früher habe Brabus die Prüfstände im Hauptwerk gehabt. Dort waren sie noch nicht so gut entkoppelt. „Wenn da die Motoren angeschmissen wurden, wackelten auf einigen Tischen die Kaffeetassen“, schildert er anschaulich.

Hinter Panzerglas

Die WAZ-Leser dürfen auch nur in den Prüfstände, weil der Motor gerade nicht läuft. Andernfalls wäre der Zutritt hier verboten, schließlich werden hier auch Prototypen getestet. Und im schlimmsten Fall könne so ein Motor explodieren – schließlich soll er auf dem Prüfstand an die Leistungsgrenzen gebracht werden – etwa im 24-Stunden-Dauerbetrieb. „Aber er muss ja nicht gleich explodieren, es reicht ja schon, wenn ein Schlauch platzt und heißes Öl spritzt“, erläutert Gramm die Gefahren. Deshalb sitzen die Ingenieure während der Test in einem separaten Raum hinter Panzerglas. Per Computer steuern die dann die Leistung. „Wir können auf dem Prüfstand sogar den Grand-Prix von Monaco mit seinen Belastungen simulieren.“

Bis zu 800 Kilowatt sei der größte Prüfstand ausgelegt, „bei 900 PS sind wir jetzt, etwas Luft nach oben haben wir also noch.“ Auch interessant für die WAZ-Leser: Die Energie, die die Motoren auf dem Prüfstand erzeugen, wird nicht verpulvert. „Die speisen wir ins öffentliche Stromnetz ein“, sagt Sven Gramm.

Detailversessenheit beeindruckt die Besucher

Mindestens ebenso beeindruckend wie der Motorenbau war für die WAZ-Leser auch der Blick in die Werkstatt. Zahlreiche Autos,. teils bis auf die Karosserie zerlegt, werden hier veredelt. Sven Gramm reicht einen Frontspoiler aus Karbon für eine S-Klasse in die Runde. Er ist extrem leicht und kostet rund 3000 Euro. Und er erfülle nicht in erster Linie optische Zwecke sondern hielte den Wagen bei 350 Stundenkilometer auf der Straße.

Die Detailversessenheit fällt den Besuchern auf – etwa in der Sattlerei beim Vergleich des Serienleders, das Mercedes verwendet mit dem Material, was Brabus letztlich nutzt. An den Arbeitsplätzen dort sind die Mitarbeiter damit beschäftigt, Armaturenbretter, Türverkleidungen oder Sitze zu veredeln. Besondere Beachtung finden die Ziernähte. Dabei könnten die Kunden aus vielen verschiedenen Designs wählen, sagt Gramm.

Diesen Drang zur Perfektion spüren die Leser auch im Werk 4 des Unternehmens. Hier restaurieren Mitarbeiter der Klassiksparte Oldtimer – allerdings nur Mercedes-Fahrzeuge. Warum trotzdem der ein oder andere Ferrari hier steht, will ein Leser wissen. „Das sind Sammlerfahrzeuge, mit denen handeln wir“, erklärt Gramm.