Krimi-Zutat im Abfall - das Schadstoffmobil rollt
17.11.2008 | 21:50 Uhr 2008-11-17T21:50:00+0100Bottrop. Regelmäßig geht das Schadtstoffmobil der Best auf Tour. Die Mitarbeiter müssen nicht nur Farben und Lacke annehmen – auch Zyankali war schon dabei.
Die Lüftung außen am Auflieger des Lkw brummt auf Hochtouren. Trotzdem herrscht drinnen dicke Luft. Der Geruch von Farbe, Lack und Lösungsmitteln wabert durch den Wagen. Christian Mania stört das nicht. „Daran gewöhnt man sich”, meint der Best-Mitarbeiter locker.
Gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Auszubildenden Enno Borchert, steuert er das Schadstoffmobil der Stadtreinigung durch Bottrop. Fünf Haltestellen fahren die beiden regelmäßig an, um die Bottroper von ihrem Sondermüll zu befreien. Dabei staunen sie immer wieder, was in den Kellern und Garagen alles gehortet wird. Morgens in Grafenwald haben sie schon mehrere Kanister voll Frostschutzmittel entgegengenommen. Das war aber bei weitem noch nicht das Ungewöhnlichste, was man Christian Mania in die Hand gedrückt hat.
Spezialabzug wie im Chemielabor
„Vor einiger Zeit war jemand hier, der hat uns Kaliumzyanid gebracht”, erinnert er sich. Kaliumzyanid, das kommt in guten, alten Krimi vor, meist unter dem Namen Zyankali. Nur gut, dass der Auflieger des Umweltbrummis mit aller notwendigen Technik ausgestattet ist. Auch ein Spezialabzug wie in einem Chemielabor gehört dazu. Da hinein können derart gefährliche Substanzen gestellt werden, so dass die Mitarbeiter der Best nicht Gefahr laufen, giftige Dämpfe einzuatmen.
Am häufigsten müssen die aber Lackfarben oder Spraydosen annehmen. Dafür stehen auf der Ladefläche große Container und Fässer, in denen der Abfall gesammelt wird. „Wenn die Fässer voll sind, werden sie mit Inert-Material aufgefüllt.” Das graue Granulat erinnert an Katzenstreu – wirkt auch ähnlich. Eventuell austretende Flüssigkeiten werden gebunden.
Gerade als die beiden Best-Mitarbeiter ihren Standort am Fuhlenbrocker Markt verlassen wollen, biegt noch ein Wagen auf den Parkplatz ein. Die Fahrerin hat eine ausrangierte Gemüsebox bei sich. Der Inhalt: Farben und Pflanzengifte aus Jahrzehnten. „Ich bin dabei, meinen Keller zu entrümpeln”, erklärt Ute Sommerhäuser. Sie ist selbst erstaunt, was sich mit den Jahren so angesammelt hat. „Einige der Töpfe und Dosen sind schon mit umgezogen” gibt sie zu.
Christian Mania und Enno Borchert öffnen natürlich noch einmal die Tür zum Umweltbrummi. Die Stahltreppe wird ausgefahren, und Ute Sommerhäuser wird ihren gefährlichen Müll los. „Gut, dass es diese mobile Sammlung in den Stadtteilen gibt. Sonst hätte ich extra zum Recyclinghof fahren müssen”, bedankt sie sich für den Service.
Im Sommer wird der Fahrplan eng
Dann geht es endlich weiter, schließlich muss der Umweltbrummi seinen Fahrplan einhalten. Für 10.35 Uhr ist die Ankunft am Volkspark Batenbrock angekündigt. „Im Winter kein Problem. Aber im Frühjahr und Sommer kommen bis zu 40 Personen pro Standort zu uns”, sagt Mania. Immer würde der Brummi schon erwartet. Im Winter ginge es ruhiger zu. „Im Frühjahr wird aufgeräumt und renoviert. Das merken wir.” Dabei sähe man den meisten Dosen an, dass sie schon viele Jahre in Bottroper Kellern vor sich hinrosten. „Gerade Farben und Lacke werden oft so lange aufbewahrt, bis sie eingetrocknet sind”, weiß Mania.
Auch Gerhard Ludwig gehört zur Fraktion der „Sammler”. Die Dose Holzlasur, die er abgibt, ist längst unbrauchbar. „Sonst denke ich jedes Mal, dass man die Reste vielleicht doch noch einmal gebrauchen kann”, meint er.
INFO: Am 8. Dezember ist der Umweltbrummi wieder auf Tour. Von 8.45 bis 9.15 Uhr steht er an der Herzogstraße/Kirchhellener Straße, von 9.40 bis 10.10 Uhr am Parkplatz Agnes-Miegel-Straße. Von 10.35 bis 11.05 Uhr steht der Wagen am Sportplatz Ebel, von 12.45 bis 13.15 Uhr am Volkspark Batenbrock. Letzte Station ist, von 13.40 bis 14.10 Uhr, der Parkplatz gegenüber dem Eigener Bunker.
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