Kreuzweg in Bottrop - Revier ist Vorreiter der Integration

Der Kreuzweg konnte nicht auf der Halde Haniel stattfinden. Die Andacht wurde daher in die Kirche St. Cyriakus verlegt.
Der Kreuzweg konnte nicht auf der Halde Haniel stattfinden. Die Andacht wurde daher in die Kirche St. Cyriakus verlegt.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck mahnt bei der Kreuzwegandacht in St. Cyriakus zur Solidarität mit Flüchtlingen. Viele Gläubige aus Oberhausen nahmen teil.

Bottrop/Oberhausen.. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck sieht das Ruhrgebiet als Vorreiter beim Umgang mit Zuwanderung und Flüchtlingen. „Das Ruhrgebiet ist die Region der Integration aus einer sozialen und solidarischen Grundhaltung heraus, die keinen ausschließt“, sagte er in seiner Predigt bei der Kreuzwegandacht am Karfreitag in St. Cyriakus in Bottrop, an der viele Oberhausener teilnahmen. „Wo immer das bei uns gelingt, stehen wir an der Spitze einer Entwicklung, die für unser ganzes Land auf Dauer bedeutsam ist.“ Deutschland werde immer mehr ein Einwanderungsland.

Seit 20 Jahren findet der Karfreitags-Kreuzweg alljährlich auf der Halde Haniel statt. So hätte es auch gestern sein sollen, sagt Bernd Beier, Personaldirektor des Bergwerks Prosper-Haniel. „Noch am Montag waren wir davon fest überzeugt. Denn diese Tradition liegt uns am Herzen.“ Doch dann kam der Regen, der die Oberfläche der Halde durchweichte. Beier: „Die Wege dort oben sind unbegehbar. Auch Pumpen wurden der Wassermassen nicht mehr Herr.“ Am Mittwoch hatten sich Bergwerk und Bistum dann darauf geeinigt, die Kreuzweg-Andacht nach St. Cyriakus zu verlegen. „Aber wir haben Ihnen den Kreuzweg mitgebracht“, sagte Beier: Fotos von den 15 Stationen wurden auf eine Leinwand projiziert.

In seiner Predigt nahm Ruhrbischof Overbeck die religiös motivierten Grausamkeiten im Mittleren Osten zum Anlass für ein Nachdenken über das Symbol des Kreuzes. „Gerade wir Christen, die wir eine lange und fatale Gewaltgeschichte hinter uns haben, richten uns an diesem Gekreuzigten auf und erkennen in den heute unschuldig Leidenden mit ihrem Schrei nach Recht und Gerechtigkeit die Kraft des christlichen Glaubens“, der ein tiefes Fundament habe, aber nie fundamentalistisch sei. „Unser Ruhrgebiet ist die Region von Kohle und Stahl. Unser Ruhrgebiet ist aber ebenso die Region von sozialem Frieden. Unser Ruhrgebiet ist die Region der Solidarität, die sie sich von niemandem ausreden lässt“, sagte Overbeck vor mehreren hundert Besuchern in der gut gefüllten Pfarrkirche. Nicht nur den Flüchtlingen gelte diese Solidarität, sondern auch Arbeitslosen, Bildungsverlierern und „vor allem älteren Frauen, die nicht genug Rente fürs Leben haben.“

Für den deutschen Steinkohlebergbau ist 2015 das Jahr, in dem mit Auguste Victoria in Marl, der Heimat des Ruhrbischofs, die vorletzte Zeche schließt. Das Bottroper Bergwerk macht Ende 2018 dicht. Dennoch versicherte Personaldirektor Beier den Besuchern der Andacht: „Von Endzeitstimmung ist bei uns nichts zu spüren.“