Kreuzweg-Bilder zielen auf uns alle ab

Gemälde und Collagen des Malers Rolf Knuth sind im Hof Jünger am Wellbraucksweg in Kirchhellen ausgestellt. Knuths Töchter, Margret Langenohl und Maria Scheiermann (r.), bereiteten die Ausstellung mit vor.
Gemälde und Collagen des Malers Rolf Knuth sind im Hof Jünger am Wellbraucksweg in Kirchhellen ausgestellt. Knuths Töchter, Margret Langenohl und Maria Scheiermann (r.), bereiteten die Ausstellung mit vor.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Gemälde und Collagen von Rolf Knuth im Hof Jünger zu sehen. Die Ausstellung erinnert an den namhaften wie umstrittenen Maler und Mitgründer des Künstlerbundes.

Kirchhellen..  Diese Retrospektive war längst überfällig: Innerhalb der Ausstellungsreihe „Erinnerungen“ werden rund 50 Bilder des Künstlerbund-Mitgründers Rolf Knuth im Kulturzentrum Hof Jünger gezeigt.

Dieser Maler und Grafiker hat sich besonders christlichen, biblischen und allgemein religiösen Fragestellungen zugesandt. Im Mittelpunkt dabei steht Jesu Passion – der Kreuzweg als Symbol für Leben und Schmerz, für Tod, Hoffnung und Zuversicht. Diese Bilder zielen direkt auf uns alle ab.

Mahnendes Medium

Knuth (1915 – 2007) ging in Recklinghausen und Erkenschwick zur Schule, 1932 durchlief er eine Buchhandelslehre in Bottrop. Er erlebte die Nazi-Zeit und den zweiten Weltkrieg: Beides prägte ihn und seine Kunst als mahnendes Medium des „Nie wieder!“ Typisch für seine expressionistischen, meist ungegenständlichen Arbeiten: Er malte über Leinwand und Karton hinaus – auch den Rahmen sah er als möglichen Gestaltungsraum an.

Die Farbe, oft in düsteren, magischen Blau-, Schwarz- und Grau-Tönen, setzte er als individuelles Kommunikationsmittel virtuos, heftig und zugleich meditativ ein. Viele Werke wirken, gerade seine Variationen zum christlichen Kreuzweg, wie nach innen gerichtete Gebete.

Neben seinen „Gedanken-Bildern“, wie er seine Motive nannte, interessierte sich der Bottroper vor allem für Natur und Umwelt. Sie dienten ihm als Spiegel einer humanistisch geprägten Sicht auf die Nähe und das Ruhrgebiet.

Als er aufgefordert wurde, 1987 im Museum Quadrat eine Einzelschau zu bestreiten, schrieb er einen entscheidenden, philosophischen Satz: „Die Mitte der Nacht ist schon der Anfang des Tages“ – eine Antwort des Künstlers auf die Wechselfälle und Stimmungen des Lebens.