Knistern unter Musikern: Die Klügere gibt nach

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Was wir bereits wissen
Das Ehepaar Schwarzenegger (Cello) und Bücker (Klavier) war zu Gast im Hof Jünger mit seinen „Cellikatessen“

Dass der Bürgerverein Hof Jünger inzwischen einen (Stutz-)Flügel konzertant einsetzen kann, zahlt sich bestens aus. Die musikalische Palette wird breiter, die Solisten rekrutieren sich aus den „A-Musikern“ der Region – wie jetzt zum Beispiel der Pianist Bernhard Bücker, einer der bekanntesten deutschen Kammermusiker überhaupt.

Zu Gast war er im Kirchhellener Kulturzentrum zusammen mit seiner Frau, der österreichischen Cellistin Annemieke Schwarzenegger. Das Duo fühlte sich sehr wohl und vom Auditorium gern aufgenommen: „Hier herrscht die Atmosphäre eines angenehmen Hauskonzertes“, verabschiedete sich der viel gefragte Musiker aus Dinslaken.

Schwarzenegger/Bücker nannten ihr Programm „Cellikatessen“ – und delikate Kompositionen brachten sie auch wirklich mit. Francois Couperins höfisches, fünfsätziges „Konzertstück“ öffnete das Musikfenster in Richtung Barock; Joseph Haydns Divertimento D-Dur (eigentlich für das Gamben-nahe Baryton geschrieben, bearbeitet jedoch für Cello) wirbelte Klassik-Flocken in den winterlichen Hof; Ludwig van Beethovens Rondo op. 5 , also ein Frühwerk,, spiegelt „Zauberflöten“-Motive; Wolfgang A. Mozarts „Ave verum“ vertraut einer heilig-sakralen Stimmung; Felix Mendelssohn-Bartholdys „Lied ohne Worte“ greift auf populäre Muster des 19. Jahrhunderts zurück; George Gershwins vier „Songs“ stehen an der Grenzen zu Pop und Musicals/Oper (Porgy and Bess); Astor Piazzollas „Frühling“ aus dem von Vivaldi inspiriertem „Jahreszeiten“-Zyklus überrascht nur auf den ersten Blick mit Tango-Rhythmen: Immerhin gilt Piazolla als Begründer des argentinischen „Tango Nuevo“.

Knistern unter Musikern

Die kurzweilige Moderation Bückers förderte unter anderem zutage, dass es auch unter so harmonischen Musik-Ehepaaren manchmal knistern kann. Und dann endet die Diskussion gern mit einem weisen Kompromiss seiner Frau: „Die Klügere gibt nach“… Annemieke Schwarzenegger lächelt wissend dazu.

Ein ebenso stil- wie gefühlvolles, auf hohem virtuosen Niveau stehendes Konzert. Mit einer „Liebeslied“-Zugabe entließen die beiden Solisten das beglückte Publikum in den Sonntagabend.