Kita-Eltern in Bottrop bangen um ihre Jobs

Der Eltern und Kinder des Montessori-Kinderhauses protestierten vor dem Rathaus für die Beendigung des Streikes.
Der Eltern und Kinder des Montessori-Kinderhauses protestierten vor dem Rathaus für die Beendigung des Streikes.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Viele können Betreuung nicht mehr regeln. Eltern und Kinder des Montessori-Kinderhauses fordern ein Ende des Streiks. OB Tischler soll sich einsetzen.

Bottrop..  Kinder reckten Plakate mit der Aufschrift „Streikopfer“ und „Zurück zum Alltag“ in die Luft und hatten Rasseln dabei. Am Mittwoch Morgen machten Eltern und Kinder vor dem Rathaus ihrem Unmut lautstark Luft. Fast vier Wochen Kitastreik bringt sie an ihre Grenzen. „Es ist uns wichtig, die Interessen unserer Kinder in der Öffentlichkeit zu vertreten, da die Beteiligten im Moment scheinbar vergessen, dass es sich um Kinder und nicht um Briefträger oder Güterverkehr handelt.“

Den Protest organisiert hatte der Elternrat des Montessori Kinderhauses in Kirchhellen. „Lieber Herr Tischler, wir fordern Ihren Einsatz für unsere Kinder!“ Sabine Hollender, Vorsitzende des Elternrates, rief dem OB ihren Protest via Megafon zu. Ob er den auch hörte, ist ungewiss, denn der hatte einen Termin beim Richtfest an der Hochstraße. So nahm er auch nicht persönlich das Protestschreiben der Eltern und Kinder entgegen, auf dem auch die Kinder „unterschrieben“ hatten.

Situation nicht mehr tragbar

Mehr Betreuungsqualität

Um die protestierenden Besucher in den Amtsstuben und auf dem Ernst-Wilczok-Platz kümmerte sich Gerhard Kießlich, Leiter des Fachbereichs Personal und Organisation. An seinem Revers heftete die Ehrenadel von Verdi für 40 Jahre Mitgliedschaft. Er hat Verständnis für die Tarif-Forderungen seiner Kolleginnen, sieht aber auch die Folgen: „Für Bottrop würde das jährliche Mehrkosten von 700 000 Euro bedeuten.“ Beschäftigten, die derzeit vom Kitastreik betroffen sind, zeigt die Stadt übrigens großes Entgegenkommen: „Sie können ihre Kinder mit ins Büro bringen, sofern sie keinen Publikumsverkehr haben“, verrät Kießlich.

Das Glück haben nur wenige. „Für viele Eltern ist die derzeitige Situation nicht mehr tragbar. Sie bangen um ihre Jobs“, sagt Sabine Hollender. Nicht alle Arbeitgeber hätten Verständnis für die tägliche Hangelei der betroffenen Eltern.

Kinder vermissen ihre Kita

Und bei alledem sind ihre Kinder unglücklich: „Sie vermissen ihre Kita, ihre Freunde, ihre Bezugspersonen – ihre Routine!“ Lang ersehnte Aktivitäten sind für sie bereits ausgefallen. Die Notgruppen – ohnehin voll besetzt – sind für manche keine Alternative, der Betreuungsschlüssel sei „katastrophal“.

Wie es weitergeht mit dem Streik – niemand weiß es. Am Donnerstag sollen die Delegierten über das vorliegende Ergebnis der Beratungen von Mittwoch entscheiden. Für die Verhandlungen hatte Verdi Rückenwind von Düsseldorf mitgenommen, wo Dienstag statt 10 000 über 20 000 Streikende dabei waren. Ende oder Aussetzung des Streiks: frühestens ab Montag.

Derweil fordern die Streikenden – unterstützt von 1000 Unterschriften, die im Jugendhilfeausschuss übergeben wurden – die täglich durch den Streik eingesparten 4000 Euro in die Kinder- und Jugendarbeit zu stecken. Die DKP hat sich dieser Forderung bereits angeschlossen.