Wenn der Papst auf einem Schimmel reitet

Ausstellungseröffnung Lempels Zeigefinger: Klaus Cordes zeigt im Kirchhellener Hof Jünger bis zum 8. Februar seine  Mail Art Collagen.
Ausstellungseröffnung Lempels Zeigefinger: Klaus Cordes zeigt im Kirchhellener Hof Jünger bis zum 8. Februar seine Mail Art Collagen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Unter dem Motto „Lempels Zeigefinger“ bringt Klaus Cordes Prominenten-Porträts von der klassischen Briefmarke einmal in ganz neue Zusammenhänge. Zu sehen ist die Schau noch bis 8. Februar im Hof jünger.

Berühmtheiten wie Wilhelm Busch, Mozart, Goethe oder Einstein schmücken seit gestern die Ausstellungsräume im Hof Jünger auf eine etwas andere Art und Weise. Seit rund 20 Jahren arbeitet Künstler Klaus Cordes an seinen Werken. „Ich suche mir zuerst die Briefmarken, auf denen damalige Künstler und Stars verewigt wurden“, so Cordes. „Dann durchsuche ich sämtliche Zeitschriften, auf die der Kopf der Briefmarke in irgendeiner Art und Weise passen könnte. Das Bild muss nicht schön sein, es soll überraschen und verfremden.“

Freche und ungewöhnliche Collagen

Wenn er dann 50 bis 60 Karten zusammen hat, liest er Texte, Werke und Briefe der auf den Marken abgebildeten Personen, um dann den Text als Parodie unter das Bild zu setzen. „Dies ist nicht immer ganz einfach. Denn nicht jeder hat damals gedichtet oder eigene Werke veröffentlicht. Die besten Beispiele dafür sind Lady Di oder Frank Sinatra. Hier muss ich selbst zur Feder greifen und mir passende Worte überlegen.“

Die ersten selbstgestalteten Postkarten gab es im deutsch-französischen Krieg 1870/71, als die Soldaten ihre Karten nach Hause versanden. Die „Mail Art Collagen“ als Textillustration, wie es Klaus Cordes heute macht, sind einzigartig. „Ich möchte mit handwerklichen Arbeit auch der heutigen elektronischen Bilderwelt etwas entgegensetzen“, sagt Cordes.

Neben mehreren Karten mit prominenten Köpfen von einst und jetzt stellt er jetzt auch rund 50 Karten aus, die nur die Briefmarke von Lempels Zeigefinger beinhalten, der in Wilhelm Buschs Meisterwerk „Max und Moritz“ auftritt.

Genau dies nahm Hermann Reinbold vom Hof Jünger auch als Anlass für die Ausstellung. Denn die beiden bösen Buben haben in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag.

Die bekannte Briefmarke mit den Worten „Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss.Lernen kann man Gott sei Dank, aber auch sein Leben lang“ befindet sich nun auf allen Bildern.

So fand Cordes ein altes Bild aus der einmal sehr erfolgreichen Show „Wetten, dass…“, an der laut seiner Kunst auch der Lehrer mit dem erhobenen Zeigefinger teilnahm. Top aktuell ist das Thema „Charly Hebdo“. Ein Ausschnitt aus dem französischen Satiremagazin überklebt er mit seiner Briefmarke und schreibt folgende Worte darunter: „Charlie kommt zu dem Entschluss, dass man weiter machen muss. Nötig ist das, unbestritten, wird die Freiheit so bestritten.“ Auch eine Briefmarke von Papst Benedikt XVI. fiel dem Künstler in die Hand - und schon wechselte der damalige Papst von seinem Gefährt dem Papamobil auf ein wildes Pferd.

Am kommenden Donnerstag um 19.30 Uhr lädt Klaus Cordes zu einer Rezitation „Aus dem Busch-Werk“ ein, bei der er Gedichte zitiert aber auch eigene Parodien vorstellt.