Waldpädagogische Zentrum feiert 20. Geburtstag

Frühlingsfest mit viel Musik, hier mit den „Zwar-Singers".
Frühlingsfest mit viel Musik, hier mit den „Zwar-Singers".
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv

Bottrop-Kirchhellen..  Mit dem traditionellen Frühlingsfest hat die Kreisgruppe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald das 20-jährige Bestehen des Waldpädagogischen Zentrums (WPZ) am Ruhehorst gefeiert. Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder würdigte das „grüne Klassenzimmer“ für alle Bottroper Grund- und Förderschulen als „Baum, der weit über Kirchhellen heraus ragt“.

Angefangen hat alles mit einem Spaziergang, erinnert sich Heinz Tenhumberg. Mit einer Unterrichtseinheit im Freien wollte der damalige Leiter der Gregorschule seinen Viertklässlern 1984 die Natur näher bringen. Der Ausflug begann bei Bauer Schmitz und seiner Kornmühle, führte durch die Felder und endete auf dem Hof Steinberg. Dort brachte Bäckermeister Leo Jandewerth den Schülern ein Brot, das er aus dem Schmitz’schen Mehl gebacken hatte. Ein Bauer aus der Nachbarschaft spendierte den Kindern dazu eine Kanne Milch, erinnert sich Tenhumberg: „Das Ganze war eine tolle Sache.“

So toll, dass andere Schulen aufhorchten und fragten: Können wir vielleicht mitmachen? Erst Johannes- und Marienschule aus der Nachbarschaft, dann Schulen aus Alt-Bottrop. „Vier Jahre später“, sagt Tenhumberg, „waren die Hälfte aller Bottroper Grundschulen dabei.“ Da hatte der rührige Schulleiter schon den Bottroper Verband der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gegründet und kurz darauf die Waldjugend Kirchellen (der heutige Waldjugend-Bundesleiter Kai Underberg schob gestern beim Fest Dienst am Grill).

Der nächste Schritt waren die jeweils dreitägigen „Waldjugendspiele“ mit 60 Klassen im Vöingholz. Hier entstanden die Zusammenarbeit mit den Jägern und das Prinzip der Stationen, das später im WPZ ausgebaut und zu Lehrpfaden verfeinert wurde. Der damalige Bottroper Baudezernent Wallmann war es schließlich, der der Schutzgemeinschaft den aufgegebenen Schießstand am Ruhehorst zur Nutzung anbot. Tenhumberg: „Es sah hier sehr herunter gekommen aus. An der Decke hatten die früheren Nutzer aus Eierkartons einen Lärmschutz gebastelt.“ Schon damals waren Eigenleistung und Sponsorenhilfe wesentliche Bausteine der Arbeit; so konnte das WPZ im Juli 1995 eingeweiht werden. Tenhumberg: „Das Waldjugendhaus haben wir errichtet aus einer Bundeswehr-Baracke, die wir aus Koblenz abgeholt haben.“

In den 20 Jahren seines Bestehens hat das WPZ weitere Mitstreiter gefunden wie den Bottroper Imkerverein. Fast alle Aktivitäten des WPZ konnten sich die Besucher am Sonntag anschauen und machten reichlich Gebrauch davon: Rund um den Ruhehorst wurden die Parkplätze knapp.

Plädoyer für einen „echten“ Jahrgangswald

Das 20-jährige Bestehen des Waldpädagogischen Zentrums wäre ein Anlass, das Konzept der WPZ-Arbeit noch einmal auszubauen, findet Heinz Tenhumberg, Gründer und heute Ehrenvorsitzender. Schüler der Sekundarstufe könnten aus den Pflanzungen der Grundschüler am Kletterpoth einen „echten“ Wald machen.

„Die ersten dort gepflanzten Bäume haben schon eine stattliche Größe erreicht“, sagte er in seiner Festrede. „Aber als Wald kann man diese Anpflanzungen noch nicht bezeichnen. Es sind eher Jahrgangsforste.“ Es fehlten unter anderem die Entwicklung der Bodenschicht zum Waldboden sowie die von Kräutern und Sträuchern.

„Pädagogisch wertvoll wäre es, wenn die Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen, die ja als Grundschüler das WPZ durchlaufen haben und an den Jahrgangsforsten beteiligt waren, hier noch einmal aktiv werden könnten, an der Waldentwicklung mitarbeiten und dadurch ihr Naturverständnis erweitern.“

Nach dem bisherigen Konzept der WPZ-Arbeit sei das WPZ für eine solche Weiterentwicklung nicht mehr zuständig, sagte Tenhumberg. Also müsste dafür ein Konzept erarbeitet und ein Träger gefunden werden.