Von altem Brot und frischer Wurst - ein Bottroper Modell

Was bei Bäcker Peter übrig bleibt, geht als Schweinefutter nach Bottrop-Kirchhellen.
Was bei Bäcker Peter übrig bleibt, geht als Schweinefutter nach Bottrop-Kirchhellen.
Foto: Carsten Liebfried
Was wir bereits wissen
Was bei Bäcker Peter übrig bleibt, verfüttert Theodor Haseke an seine Schweine. Im Gegenzug soll Wurst aus seinen Schweinen auf den Brötchen landen.

Bottrop-Kirchhellen.. Waren im Wert von durchschnittlich 15 700 Euro landen pro Woche pro Bäckereibetrieb im Müll. Das ergab jetzt eine vom Land geförderte Studie der Fachhochschule Münster. In Mengen ausgedrückt macht das rund 2,7 Tonnen an Brot und Backwaren aus, die wöchentlich pro untersuchtem Bäckereibetrieb zu viel produziert und dann entsorgt werden müssen.

Die Essener Familienbäcker Peter, die auch vier Fililalen in Bottrop betreiben, machen vor, wie’s anders geht: Was bei ihnen übrig bleibt, landet in Kirchhellen als Schweinefutter. Gemeinsam mit Schweinemäster Theodor Haseke plant Geschäftsführer Klaus Peter jetzt den nächsten Schritt zur perfekten Kirchhellener Kreislaufwirtschaft.

Der NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel zeigte sich zu Aschermittwoch empört über die Ergebnisse der Studie. „Lebensmittel gehören nicht in den Müll, sondern auf den Tisch. Solche Mengen genießbarer Lebensmittel zu vernichten ist auch mit Blick auf die Welternährungssituation ethisch nicht vertretbar. Die Ergebnisse unserer ersten NRW-Studie haben uns veranlasst, genauer hinzusehen und nach Lösungswegen für den Brot- und Backwarenbereich zu suchen.“

"Die Schweine leben gut von unserem Brot und Mehl"

„Dann soll er doch mal bei uns vorbeikommen“, sagt dazu Klaus Peter. In der mehrfach für gutes und klimagerechtes Bauen ausgezeichneten Backstube im Essener Norden werden täglich 80 000 Brötchen und 8000 Brote gebacken. Und was am Ende des Tages nicht verkauft ist, wird nicht weggeworfen; „natürlich nicht“, sagt Peter, der Nachhaltigkeit konsequent in Produktion und Vertrieb betreibt und im Marketing als Alleinstellungsmerkmal nutzt. Gekühlt wird in der Backstube zum Beispiel mit Kohlendioxid, „ein bundesweites Pilotprojekt“, sagt Peter. Zum Beweis schiebt er mit der Hand ein wenig Mehl auf dem Boden der Backstube zusammen: „Selbst das sammeln wir. Das wird gesiebt, aufgekocht und ebenfalls in Kirchhellen an die Schweine verfüttert. Die leben gut von unserem Brot und Mehl.“

Dann wäre der Kreislauf perfekt

Derzeit schrauben Peter und Haseke mit zwei Metzgern aus Essen und Duisburg an einem weiteren Schritt in der Verwertungskette. Bisher stammen Wurst und Schinken, mit denen in den Peter-Filialen Brötchen belegt werden, von Schweinen vom Niederrhein. Demnächst sollen sie von Haseke kommen. Klaus Peter: „Von allen Seiten ist das Okay da, jetzt müssen noch technische Fragen geklärt werden.“ Dann wäre der Kreislauf perfekt: Bottroper Brötchen für Kirchhellener Schweine - und Wurst aus Kirchhellener Schweinen auf Bottroper Brötchen.