Vater-Kind-Zeltlager führt zurück zu den Wurzeln

Vater-Kind-Zelten der Kolpingfamilie Kirchhellen auf der Wiese hinter dem Golfplatz.
Vater-Kind-Zelten der Kolpingfamilie Kirchhellen auf der Wiese hinter dem Golfplatz.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Beim Camp der Kolpingfamilie Kirchhellen gibt es viele Aktionen und Stockbrot am Lagerfeuer – aber keine Handys oder Videospiele. Die Gemeinschaft steht im Vordergrund.

Zurück zu den Wurzeln – so lautet das inoffizielle Motto beim Vater und Kind Zeltlager der Kolpingfamilie über das lange Fronleichnamswochenende am Golfplatz in Kirchhellen. Fernseher, Smartphones, Videospiele und Süßigkeiten – das alles gibt es im Camp nicht. „Aus gutem Grund“, wie Lagerleiter André Scharf sagt. Dafür bestimmen Kostüme, Holzschwerter sowie Pfeile und Bögen das Bild beim Märchencamp.

Kinder werden selbstständiger

.„Wir wollen hier in den paar Tagen ein starkes Gemeinschaftsgefühl aufbauen“, erzählt Scharf. Die Kinder sollen richtig aus ihrem gewohnten Umfeld herauskommen und vom Alltagsstress abschalten. Auch Mütter sind deshalb auf dem Camp-Gelände streng verboten. „Nicht, weil wir sie nicht mögen würden, sondern damit die Kinder hier auch etwas selbstständiger werden“, erklärt der Campleiter mit einem Lachen. Die Mütter seien häufig schneller besorgt und würden so manche Aktivität ihrer Kinder kritischer begleiten als die Väter, ist seine Erfahrung.

Doch das bedeutet nicht, dass im Camp Chaos und Anarchie herrschen: Über Verfehlungen, etwa heimliches Naschen oder auch mangelnde Ordnung, urteilt am Ende eines jeden Tages ein Lagergericht. Wie bei einer echten Kammer gibt es einen Richter, einen Anwalt und einen Staatsanwalt. Verurteilt und bestraft werden aber nicht die Kinder, sondern die Väter: Entweder im selbstgebauten Gefängnis mit anschließender Dusche aus mehreren hundert Wasserpistolen oder beim „Teeren und Federn“ mit Sirup.

Auch sonst besteht für die Mütter kein Grund zur Sorge: Neben einer eigenen Frischwasserversorgung gibt es auch Sanitäreinrichtungen und eine Feldküche. In der gibt es keine Experimente. Zum Frühstück wird dort neben Wurst und Käse auch die einzig erlaubte Süßigkeit im Camp gereicht: Die Nuss-Nougat-Creme konnte allen Verbotsversuchen trotzen. Mittags wird, und das ausnahmslos an jedem Tag im Zeltlager, die Leibspeise fast aller Mädchen und Jungen serviert: Nudeln mit Tomatensauce. Abends gibt es dann Grillfleisch und Stockbrot am gemeinsamen Lagerfeuer.

„Generell“, so der Campleiter, stehe der soziale Gedanke „stark im Vordergrund“. Für die Eltern beliefen sich die Kosten deshalb nur auf einen „geringen Unkostenbeitrag“. „Dabei ist es egal, wie viele Kinder mitfahren“, ergänzt Campleiter Scharf. Möglich sei das nur dank der Hilfe großzügiger Spender: „Die Infrastruktur errichten wir ausnahmslos aus kostenfreien Leihgaben.“