„So schmeckt das Ruhrgebiet“
05.01.2012 | 18:54 Uhr 2012-01-05T18:54:00+0100
Wildkräuter haben Werner Gahlen schon als Kind fasziniert. Jetzt hat der staatlich anerkannte Kräuterpädagoge sein erstes Buch veröffentlicht: „So schmeckt das Ruhrgebiet“, mit mit Kräuterkunde und Wildkräuterrezepten aus dem Naturpark Hohe Mark.
Wildkräuter haben Werner Gahlen schon als Kind fasziniert. „Als ich zehn Jahre alt war, besuchten wir meine Oma in der DDR, und da ging es meiner jüngsten Schwester plötzlich so richtig schlecht – sie hatte Durchfall.“ Klein-Werners Omi aber wusste Rat: „Sie sagte zu mir ‘Kein Problem, Jüngelchen, komm!’ Wir gingen in die Kiesgrube und sammelten Kräuter.“ Damit wurde das Schwesterchen kuriert, zwei Tage später war sie wieder gesund.
Aber erst vier Jahrzehnte später, 2011, bei einer Kräuterwanderung im Harz, erfuhr Werner Gahlen, um welches Heilkraut es sich handelte: der Samen vom Krausen Ampfer, einem „Bruder“ des Sauerampfers. Inzwischen war der Kirchhellener selbst ein Fachmann auf dem Gebiet der Kräuterkunde. Mit 30 Jahren leitete er Führungen durch die Kirchheller Heide mit der Kolpingsfamilie und kochte Rezepte mit Wildkräutern nach. „Aber weil man in Deutschland für alles Mögliche Stempel und Ausweis haben muss, habe ich 2005 in Bad Münstereifel einen Jahreskurs zum Kräuterpädagogen absolviert.“ So hat alles seine deutsche Ordnung. Der 49-Jährige ist staatlich-geprüfter Kräuterpädagoge und Inhaber eines Zertifikat der Natur- und Umweltschutzakademie Recklinghausen.
Und jetzt hat er sein erstes Buch veröffentlicht: „So schmeckt das Ruhrgebiet“, mit Kräuterkunde und Wildkräuterrezepten aus dem Naturpark Hohe Mark. Doch Antrieb für die Veröffentlichung dieses 98 Seiten starken Handbuches war nicht in erster Linie der Traum vom eigenen Buch, „ich wollte mit Vorurteilen gegenüber dem Ruhrgebiet aufräumen“, sagt Gahlen. „Im Urlaub triffst du immer noch Leute, die glauben, hier im Revier ist alles schwarz und dreckig – das steht sogar noch in süddeutschen Schulbüchern.“
Eine Bäuerin aus dem Allgäu konnte Werner Gahlen unlängst vom Gegenteil überzeugen: „Wir waren dort öfter in Urlaub, bei einem Gegenbesuch habe ich sie mit in die Kirchheller Heide genommen. Ihr Kommentar: ‘Das gibt es doch gar nicht!’ “
In seinem Büchlein hat Gahlen die aufgeführten Kräuter mit eigenen Fotos dokumentiert („Das ist realistischer als mit Zeichnungen“). Er listet die Erkennungsmerkmale (geschlitzte Blätter, glockenförmige Blüten) und die Fundorte auf (steinige Wegränder, feuchte Wiesen). Er nennt entscheidende Unterschiede zu ungenießbaren, ja giftigen Pflanzen wie etwa den Fingerhut. Und er verrät eine ganze Reihe schmackhafter Rezepte mit Wildkräutern.
Lieblingskraut des Tischlers in Diensten des RVR am Heidhof: Giersch. Im Garten eine Plage, aber im Salat ein Gedicht und wirksam gegen Gicht. „Das Kraut wurde schon im Mittelalter als Heilpflanze eingesetzt, ein Umschlag aus gequetschten Blättern linderte die schmerzhaften Beschwerden“, weiß Gahlen. Und ein Tee aus Blättern und Wurzeln besitze eine leicht harntreibende Wirkung.
Unter den Rezepten empfiehlt Gahlen, ein leidenschaftlicher und natürlich staatlich geprüfter Imker, u.a. Brennnessel-Schnitzel, Kartoffelsuppe mit Gundermann oder einen Apfelsalat mit Giersch, Spitzwegerich, Labkraut und Blüten. Wie vielseitig „Unkraut“ ist, verraten Gahlens weitere Kursthemen: Seife, Essig, Salz, Marmeladen, Liköre – alle mit Wildkräutern und Wildfrüchten.
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