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Rotwein und Ruhrschnellweg

18.12.2011 | 18:03 Uhr
Rotwein und Ruhrschnellweg
Ursula Sternberg (Bildmitte) las im Hof Jünger aus ihrem Buch Ruhrschnellweg. Sie genoss anschließend eine Weinprobe des Weinhändlers Martin Volmer (r.). Diese Aktion war Auftakt einer Kooperation mit der Initiative „Konjungtur“. Foto: Winfried Labus

Ein spannendes Buch und ein leckerer Wein lassen sich gut verbinden. Und weil das so ist, wurde im Hof Jünger eine Lesung mit einer Weinprobe verbunden. Rund 60 Gäste hatten sich eingefunden, um die Kombination nicht nur auf dem heimischen Sofa, sondern auch in Gesellschaft auszukosten.

Autorin Ursula Sternberg las aus ihrem Buch „Ruhrschnellweg“. Die Geschichte steigt ein, als die Protagonistin und Ich-Erzählerin Toni Blauvogel auf dem Mittelstreifen der A 40 eine Leiche findet. Als sich herausstellt, dass es sich bei dem Toten um ihren ehemaligen Vorgesetzten handelt, der sie kurz zuvor entlassen hatte, gerät sie unter Verdacht. Also nimmt sie die Ermittlungen selbst in die Hand.

Sternbergs Ruhrgebiets-Krimi zeichnet sich durch Authentizität aus. Vor allem in den Details findet man sich als Leser, respektive Zuhörer wieder. Die Baustellen im Tunnel der A 40 oder das eingefrorene Türschloss am alten Ford Escort werden ebenso dezidiert beschrieben wie die grünen Lichter am RWE-Turm und die roten Lichterketten am Café de Prins in Rüttenscheid. So entsteht ein Wechsel aus zeitdehnenden und zeitraffenden Passagen, die dem Roman eine besondere Dynamik verleihen. Dabei schlägt Sternberg stets den richtigen Ton an, um wie ein „echter Ruhri“ zu klingen, ohne dabei ins Lächerliche abzugleiten.

Knapp eine Stunde dauerte der Vortrag von Ursula Sternberg. Viel Zeit, um im Anschluss über das Buch zu diskutieren, blieb nicht. Direkt im Anschluss lud Martin Volmer zur Kostprobe seiner Weine ein. Dabei gab er sich selbstironisch. „Ich freue mich, dass ich heute nicht alleine trinken muss“, begrüßte er die Gäste. Auf der Karte standen vier trockene Rotweine aus Deutschland, Frankreich, Italien und Südafrika. Bei der Auswahl war dem Weinhändler wichtig, dass die Weine einen guten Ruf besitzen und für eine bestimmte Region stehen, sie aber noch bezahlbar sind.

Aroma wie Unterholz

Es ging aber nicht nur darum, die Weine zu probieren, sondern auch, zu erfahren, was dahinter steckt. Natürlich fielen Begriffe wie „weich“ und „fruchtig“, aber auch Sätze wie „der schmeckt nach Unterholz“. Letzteres war jedoch keine Kritik, sondern eine Beschreibung des würzigen Aromas. So sprach er in Bildern, unter denen man sich etwas vorstellen konnte, auch als Nicht-Weinkenner. Das gefiel auch Astrid Riedel. Sie wollte gern mehr über das erfahren, was sie trinkt. Vor allem aber die Kombination von Lesung und Weinprobe habe sie neugierig gemacht und veranlasst, herzukommen. „Das Ambiente hier passt wirklich gut zu so einem Abend.“

Auch Hermann Reinbold vom Bürgerverein Hof Jünger machte ein zufriedenes Gesicht. Der Abend war ein Novum im Programm des Kulturzentrums. „Das Spektrum soll viel breiter werden, das haben wir in diesem Jahr schon versucht und werden wir im nächsten Jahr noch weiter ausbauen.“ Schließlich werde man den Räumlichkeiten nicht gerecht, wenn man sich nur auf Ausstellungen konzentriere.

Kabarett-Abende

„Und wenn jemand gern zu einer Lesung kommt, wieso sollte er nicht auch gern Bilder anschauen?“ fragte Reinbold. Neben Lesungen finden sich auch Kabarett-Abende und Konzerte im Programm 2012..

Christian Vooren

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