Roboter tastet sich durch Plantage
07.10.2009 | 19:13 Uhr 2009-10-07T19:13:00+0200
Erntewagen ohne Steuermann hievt Apfelpflücker in die Baumwipfel. Bauern mit Ertrag und Qualität mehr als zufrieden.
So ab 1,80 Meter Baumhöhe geht das Apfelpflücken ganz schön ins Kreuz. Vor allem, wenn der Pflücker selbst gerade so eben die Zwergengrenze überschritten hat. Der Ernteroboter „Onyx” macht Schluss mit der lästigen Reckübung. Genormt auf die Wege zwischen den Baumreihen tastet sich der mit einer Hebebühne ausgestattete Erntewagen durch die Plantagen mit Äpfeln, Birnen oder Pflaumen – ohne Steuermann.
Eberhard Schmücker hat sich diese intelligente Erntehilfe für seinen Fuhrpark angeschafft. „Das Faszinierende ist die automatische Steuerfunktion: Das Fahrzeug benötigt keinen Fahrer, es geht Hindernissen selbst aus dem Weg.” So tiefgelegt wie dereinst ein Opel Manta reagiert ein Bügel in Bodenhöhe sensibel auf Berührungen und tastet sich von Baumstamm zu Baumstamm. Ragt der Stamm zu weit in die Gasse hinein, weicht das bullige Fahrzeug millimetergenau aus oder bleibt sogar stehen.
Die Hebe- und Arbeitsbühne für die Pflücker kann in der Breite aus- bzw. eingefahren werden. Prall gefüllte Kisten werden auf einer Ladefläche abgestellt. Und „Onyx” besitzt weitere Vorzüge. „Im Frühjahr können wir die Obstbäume von der Hebebühne bis zu einer Höhe von 2,90 Metern ohne Probleme beschneiden und auch binden”, schwärmt Eberhard Schmücker. Die Vorzüge des Erntewagens weiß auch sein Nachbar zu schätzen: Jörg Umberg mietete gestern „Onyx” für die Apfelernte.
Mehr als zufrieden äußerten sich Schmücker und Umberg über den Ernteertrag. Unisono nannten sie ihren wertvollsten Verbündeten: „Das Wetter!”
„Wir haben Glück gehabt, ein trockener Sommer, ein trockener Herbst – aber das Wasser kam stets zur rechten Zeit”, bilanziert Eberhard Schmücker, dessen Vater 1986 die ersten Apfelbäume im Overhagen pflanzte. Heute sind es 40 000 Bäume (darunter auch Birnen), bei Umberg rund 20 000. Beide Obstanbaubetriebe kommen in diesem Erntejahr zusammen auf rund 600 Tonnen Äpfel, das sind umgerechnet 3,6 Mio Äpfel.
Tropfschläuche im Boden hätten größere Trockenperioden gut lindern helfen, vor allem bei Äpfeln und Erdbeeren. Schmücker: „Bei dieser Form der Bewässerung verliert man kaum Wasser, im Gegensatz zu Regenmaschinen, da verdampft viel unter der Sonne.”
In Schwärmen geraten beide Bauern bei der Qualität der Äpfel. Schmücker ließ die Bäume höher wachsen und änderte sein Schneidesystem: Im Baum ist kein Holz älter als drei Jahre. Jüngeres Holz treibe früher und mehr Blüten, das steigere den Ertrag.” Jörg Umberg setzte auf geringere Erträge und erzielte größere Früchte und „bessere innere Qualität. Wir haben im Juni sehr viel Früchte rausgenommen”.
Bei den Pflaumen habe es ein starkes Überangebot gegeben. Umberg: „2008 war es mal gerade 25 % der diesjährigen Erntemengen. Entsprechend der Preis: In Süddeutschland haben die teilweise nur 30 Cent gekriegt, letztes Jahr über einen Euro.” Jörg Umberg persönlich ist sehr zufrieden mit dem Resultat. „Die Auswahl neuer Pflaumensorten in den letzten drei, vier Jahren ist sehr gut gekommen.”
Über gute Ergebnisse sprachen beide Bauern auch beim Spargel, obwohl ältere Anlagen ihre Produktivität überschritten hätten und neuen Pflanzungen weichen müssten: „Da ist noch Luft nach oben im Ertrag.”
Und bei den Kartoffeln konnte sich Eberhard Schmücker ganz kurz fassen: „Sehr gute Ernte, sehr viele Kartoffeln.” Er habe 1400 Tonnen eingelagert, davon die Hälfte vom Feldhausener Bauern Borgmann, der geschälte Ware an über 100 Betriebe liefert.
21:35
Gute Nachrichten! Am besten schmecken selbst gepflückte Äpfel. Sind frisch und preiswert!