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WAZ-Gespräch

Ortsteile sollen nicht ausbluten

18.09.2008 | 20:03 Uhr
Ortsteile sollen nicht ausbluten

Grafenwald und Feldhausen sind nicht nur gefragt als Baugebiete, sondern sind auch auf Neuansiedlungen angewiesen. Bürgerversammlung für die Anwohner des Wohngebietes „von-Galen-Straße” ist für den 29. Oktober terminiert.

Der Wirbel um das geplante Baugebiet Gertskamp in Feldhausen hat eine zweite, grundsätzliche Diskussion entfacht: Braucht Kirchhellen überhaupt weitere Baugebiete? Als Beleg werden Tappenhof und Schultenkamp genannt. Hier liege doch noch jede Menge Bauland brach, und das auf Jahre. Beigeordneter Bernd Tischler, Planungsamtsleiterin Christina Kleinheins und der Leiter des Amtes für Stadterneuerung, Dieter Giebelstein, betten in einem Gespräch mit WAZ-Redakteur Franz Naskrent die im Flächennutzungsplan (FNP) klar und deutlich ausgewiesenen Baugebiete ins große Ganze einer zukunftsweisenden Stadtplanung ein.Der neue Flächennutzungsplan weist große Neubaugebiete ausnahmslos im Norden der Stadt aus, also in Kirchhellen. Hat das weitere Gründ,e außer dem, dass dort reichlich Flächen vorhanden sind?Kleinheins: Es gibt dafür mehrere Gründe. Wir wollen unsere Einwohnerzahl von rund 120 000 auf Jahre manifestiren. Gleichzeitig die Wohnfläche pro Einwohner an das Wohnniveau im Ruhrgebiet anpassen. Bottrop hat im Vergleich pro Haushalt mehr Einwohner und weniger Wohnfläche. Und wir wollen die städtebauliche Qualität erhöhen, das erfordert einen Stadtumbau.Durch eine Nordwanderung der Bevölkerung, durch Konzentration der Baugebiete in Kirchhellen also.Tischler: Nicht nur. Wir haben im FNP einen Austausch vollzogen, emissionsbelastete Regionen ersetzt durch qualitativ bessere. So haben wir etwa an der stark frequentierten Essener Straße, am Eingangstor zur Stadt, Mehrfamilienhäuser abgerissen – ersatzlos. Im Bereich Gartenstadt Welheim, in der Rheinbabensiedlung haben wir die Block-Innenbebauung gestrichen, im FNP sind diese Zonen als Grünfläche dargestellt. Eine Nachverdrichtung ist da ausgeschlossen. Nehmen wir doch nur mal die Tradition der Gartenstadt Welheim: Das ist ein Vorzeigeprojekt, dieser einmalige Charakter der Siedlung muss doch erhalten bleiben. Das ist unser städtebauliches Prinzip!

Jetzt werden viele Feldhausener sagen: Mit dem Baugebiet Gertskamp greift die Stadt in dörfliche Strukturen ein.Tischler: Wir weisen nur dort Wohnbauflächen aus, wo schon ein Bestand vorhanden ist, wir möchten nichts Neues aufreißen und Streusiedlungen vermeiden. Wir docken an vorhandene Stadtteile an, an sinnvolle Infrastruktur wie Straßen, Kanäle – und wir orientieren uns an der Nachfrage.

Da sind wir beim Thema Gertskamp. Die dank der Investoren erstaunlich zügig vorangegangene Vermarktung im Gebiet von-Galen-Straße ebnete ja den Weg für die sehr schnelle Anschlussplanung.Kleinheins: Der Rat der Stadt hat uns ja beauftragt, den Bebaungsplan aufzustellen. Dahinter steht eine Grundentscheidung: Die drei Ortsteile Kirchhellens sollen auch Ortsteile bleiben. Nach dem Prinzip: Je mehr Einwohner, desto größer die Chance auf Eigenleben. Wir wollen Grafenwald und Feldhausen nicht ausbluten lassen. In Feldhausen war in einem FNP-Vorentwurf sogar noch mehr Wohnbaufläche angedacht: im Bereich Hohes Feld/Dornbusch.Tischler:  Übrigens, Tappenhof und Schultenkamp waren schon zu Zeiten der Alt-Gemeinde Kirchhellen für Wohnbebauung vorgesehen. Am Schultenkamp ist Baustart Anfang 2009.

Viele Bewohner Feldhausens werfen Ihnen vor, Herr Tischler, sie hätten gesagt, nach von-Galen-Straße würden in den nächsten 15, 20 Jahren in Feldhausen keine neuen Baugebiete ausgewiesen.Tischler: Das habe ich nicht gesagt, und das kann und darf die Verwaltung auch gar nicht sagen: Der Rat kann uns jederzeit beauftragen, neue Baugebiete zu überplanen.Kleinheins: Zur Erklärung: Es soll in einem Gespräch von einem Investor lediglich betont worden sein, dass der Grünstreifen, an dessen Ende ja ein Spielplatz entsteht, auf lange Sicht nicht bebaut wird.

Und wie steht es mit der Bürgerversammlung, auf der die Anwohner über die Pläne für Gertskamp informiert werden, über die Beteiligung an den Erschließungsbeiträgen?Giebelstein: Wir können doch noch überhaupt nichts zeigen, nichts erzählen, weil noch nichts geplant ist: Der Bebauungsplan wird im Rahmen des FNP erstellt, die Details nach der Offenlage mit den Bürgern besprochen. Apropos: Der verschoebene Termin für die Bürgerversammlung der Anwohner im Neubaugebiet steht fest: 29. Oktober. Aber da geht es nur um Erschließung, um Spielplatzgestaltung, Gestaltung der Straße wie Pflasterung, Bäume etc. Gertskamp steht hier nicht zur Debatte!

Franz Naskrent

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Kommentare
21.09.2008
14:28
Ortsteile sollen nicht ausbluten
von schneeziege02 | #4

Wenn sich Politik und insbesondere Verwaltung einmal mit unqualifizierten Ideen, Parolen und insbesondere bürgerunfreundlichen Entscheidungen zurücknehmen würden, dann würde es den betroffenen Stadtteilen erheblich besser gehen. Wir Feldhausener sind nicht auf die Großzügigkeiten von Frau Kleinheins und Herrn Tischler angewiesen. Machen sie sich mal keine Sorgen: Wir bluten schon nicht aus! Ihre Hilfe ist kontraproduktive Hilfe für den Stadtteil!

19.09.2008
14:55
Ortsteile sollen nicht ausbluten
von hsjlm | #3

Der Grünstreifen wird auf lange Sicht nicht bebaut?! Dieser Grünstreifen sollte eine Streuobstwiese werden und der der Abschluß des Ortskerns sein. Diese Streuobstwiese soll von den Eigentümern gepflegt werden. Nun dürfte mittlerweile jeder in Feldhausen wissen, dass die Stadt das Land vom Eigentümer übernommen hat. Dafür musste der Eigentümer, laut Frau Kleinhans, ganz schön tief in die Tasche greifen. Ich hätte gerne gewußt, wieviel die Herstellung und die Pflege für die nächsten 25 Jahre kosten und ob sich diese Summe mit der Bezahlung des Eigentümers deckt. Oder sitzt im Hinterkopf schon das preiswerte Bauland.
Und warum will der Eigentümer und Investor plötzlich einigen ausgesuchten Anwohneren 80% der Erschließungsbeiträgen erstatten?

19.09.2008
13:56
Ortsteile sollen nicht ausbluten
von Feldhausener | #2

Der Leiter des Bereichs Stadterneuerung, Dieter Giebelstein, hält eine Bürgerversammlung zum Bebauungsplan Gertskamp gegenwärtig für nicht sinnvoll, weil angeblich „noch nichts geplant ist“. Wer soll das Herrn Giebelstein glauben? Wie konnten Sie, Herr Giebelstein, denn dann in der Bezirksvertretung Kirchhellen am 19.08.2008 bereits das Urteil fällen, „50 Häuser - das ist doch nix” (WAZ berichtete - www.derwesten.de/nachrichten/staedte/bottrop/2008/8/19/news-70470172/detail.html)?

Als gewählter Geschäftsführer des Bottroper SPD-Unterbezirks sollten Sie, Herr Giebelstein, außerdem eigentlich wissen, dass ihr Parteifreund und Bürgermeister Klaus Strehl in der Ratssitzung am 18. Juni 2008 öffentlich eine Bürgerversammlung für die Zeit nach der Sommerpause 2008 angekündigt hat. Welche Aussage über die zugesagte Bürgerversammlung gilt denn nun? Oder anders gesagt, was ist das Wort des Bürgermeisters Strehl noch Wert?

19.09.2008
07:19
Ortsteile sollen nicht ausbluten
von stesocom | #1

Herr Tischler, ich hätte da mal eine Frage?
Meinen Sie im ernst, dass über 250 Bürger(innen) des Stadtteil Feldhausen lügen, wenn diese behaupten, dass Sie und die damalig zuständige Bauträgergesellschaft, sowie ihr Dezernat nicht gesagt hätten, nach der Von-Galen-Straße würden in den nächsten 15, 20 Jahren in Feldhausen keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden?
Bezeichnen sie also all`diese Menschen als Lügner ?

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