Nito Torres entführt ins „Paradies“

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Was wir bereits wissen
Ein kleines, aber bestens gelauntes Publikum erlebt in der Tenneauf Hof Jünger ein unterhaltsames Musikkabarett.

Kirchhellen..  „Die Hölle des einen ist das Paradies des anderen.“ Comedian, Sänger und Gitarrist Nito Torres und seine beiden musikalischen Begleiter Roland Miosga (Klavier) und Many Miketta (Bass) bewiesen diese Erkenntnis mit ihrem Musikkabarett „Im Paradies“. Ein kleines, aber bestens gelauntes Publikum erlebte in der Tenne auf Hof Jünger einen ebenso motivierten wie versierten Unterhalter. Den Weg ins Paradies wollten die drei Musiker ironisch beschreiten, und sie stoppten auf ihrer Reise an denkwürdigen Stationen.

Standesgemäße La-Ola-Welle

Aber schon die Begrüßung und die Regie-Anweisungen für den Abend („lassen Sie ruhig das Handy an, aber ich gehe dran“) waren eine Schau. Zum Glück blieb allen Beteiligten einer der von Torres gefürchteten Vertreter der „Bundesvereinigung der schlecht gelaunten Zuhörer“ erspart. Merke: „Sie werden nicht geboren, sondern gezüchtet“ und sitzen mit miesepetriger Mine stets in der ersten Reihe. In Kirchhellen zum Glück nicht.

Die beiden mit einer standesgemäßen La-Ola-Welle begrüßten Musiker erwiesen sich als sehr gute Begleitung und Ergänzung: Auf „Better World“ von Michael Jackson legte Nito Torres seinen deutschen Text. „Kommt in meine Welt, da gibt’s Taschengeld“ warb er für sein Paradies ohne Schulden und Stress, aber mit „schmutzabweisenden Kindern“. Denen, vor allem seinen vier Töchtern, widmete der Spaßmacher einen der schönsten Texte des Abends. Die Sätze, allesamt angeblich nur notiert und nicht erfunden, fügten sich zu einem Dramolette um den heimischen Küchentisch. Ob er seine Mädchen möge? Torres griff zu einem drastischen Vergleich: „Kinder sind wie Blähungen. Die eigenen sind ok.“ Und überhaupt: „Eine wird mich später pflegen“, hoffte er. Die lebensechte Szene aus Telefonieren beim Essen, Kippeln mit dem Stuhl, Singen und Matschen mit den Speisen gipfelte in einem Besuch der Zeugen Jehovas, die natürlich überraschend vor der Tür standen. Zu Otis Reddings „Sittin’ on the Dock of the Bay“ schrieb Torres seine Version vom Kampf mit der kleinen Tochter, die nur zur Oma so unglaublich lieb sein kann.

Und die Besucher des Abends wissen jetzt auch, was es mit der bekannten Raute auf sich hat, zu der Kanzlerin Angela Merkel oft ihre Hände formt. Die Geschichte war kompliziert. Aber sie mündete darin, dass auf das berühmte „Ave Maria“ eigentlich ein gälischer Text gehörte, der sich aber sehr nach dem atemlosen Hit eines aktuellen Schlagersterns anhörte. Nito Torres mixte schräge Texte mit schönen Einfällen mit noch besseren Coverversionen auf teils sehr bekannte Werke. Dass dieser Weg äußerst erfolgreich verlaufen kann, beweist ein „Affentheater“ aus Essen seit Jahren.