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Bier-Sommelier

Löschexperten

13.10.2010 | 19:17 Uhr
Löschexperten
Fünf Stunden auf einer Expedition ins Bierreich: Rudi Schwanitz, Andreas Barheier, Heiner Berger und Heiner Möllmann (v.l.). Foto: Franz Naskrent / WAZ FotoPool

Heiner Möllmann verfügt über eine ausgeprägte Löschroutine. Der Feldhausener ist Chef der örtlichen Feuerwehr. Dass er noch über ganz andere Löschqualitäten verfügt, bewies er gemeinsam mit 79 Löschexperten unweit des dörflichen Spritzenhauses im Traditionsgasthaus Berger: auf einer „Expedition ins Bierreich“.

Leiter der mittlerweile vierten Durst-Löscher-Expedition war der erste diplomierte Bier-Sommelier des Münsterlandes, Rainer Diekmann. Der 43-Jährige ist Verkaufsleiter Gastronomie bei der Pott’s Brauerei in Oelde. Wer jedoch glaubt, dass auf seinen informativen wie humorvollen Seminaren überwiegend und hemmungslos Bier geschlürft wird, der irrt gewaltig. Der Marketing-Fachmann mit den Qualitäten eines TV-Entertainers serviert scheibchenweise Wissenswertes und Verblüffendes über Wissenschaft und Historie des Gerstensaftes. Und das Bier fließt nur halb so viel wie vermutet, genauer: in halbvollen Gläsern. „Wir zelebrieren doch hier kein Hardcore-Trinken“, winkt er ab und prostet zu mit einem „offiziellen Bierdegustationsglas“ zu, wie die Inschrift auf dem Fuß des Glases verrät.

Die gelehrigen Seminarteilnehmer wissen jetzt, dass Lagerbiere wie Pils, Bock, Märzen oder Export zu den untergärigen Bieren zählen. Hingegen Weizen, Kölsch und Alt – da sind sich Düsseldorfer und Kölner ausnahmsweise einig – zu den obergärigen Bieren. Zur Erklärung: Beim obergärigen Bier steigt die Hefe während der Gärung an die Oberfläche, beim untergärigen Bier sinkt sie nach unten.

Und: „Hopfen und Malz, Gott erhalt’s“ ist nicht nur ein Trinkspruch. „Der Hopfen macht das Bier haltbar und ist verantwortlich für die Schaumkrone“, erklärt Diekmann. Dass die Bezeichnung „kühles Blondes“ beileibe nicht für alle Biere zutrifft, liege an den Malzen, „je dunkler die Malze sind, desto dunkler das Bier.“

Diekmanns Vortrag, ge-würzt mit Anekdoten und den witzigsten Bier-Werbespots der Welt, trägt schnell Früchte. Er kredenzt sieben Biersorten. Die Teilnehmer sollen erraten, um welchen Typ es sich handelt. Das Hefeweizen erkennt jeder, „und das ist obergärig“, wirft der Feldhausener Heiner Berger souverän in die Runde.

Rindergalle fürs Bier

Und beim „Luxus-Pils aus der Knallhütte“, einem Bier aus Baunatal, skandieren seine Tischgenossen Rudi Schwanitz und Andreas Barheier: „untergäriges Lagerbier!“

Neid macht sich breit, als Rainer Diekmann süffige Traditionen aus der 5000 Jahre alten Biergeschichte zitiert. Schon im alten Mesopotamien (2800 v. Chr.) erhielten die Arbeitskräfte eine tägliche Bierration. Da setzte sich über die Jahrhunderte fort und er-reichte Gelage-Dimensionen: bis zu 7 Liter bei Mönchen. Ob dies aber immer ein Genuss war? Erst das in Bayern verfasste Reinheitsgebot von 1516 räumte mit unappetitlichen Panschereien auf. Um Farbe und Konsistenz zu erreichen, wurde im dunkelsten Bier-Mittelalter Eichenrinde, Asche, Rindergalle und noch Weiß-Gott-Ekligeres beim Brauen ins Fass gekippt.

Dass Biertrinken das Gedächtnis nicht immer lähmt, bewies nach fünf Stunden ein Quiz als Abschluss-Prüfung. Das Gros der Bierakademie-Studenten, die auch aus Marl, Bochum oder Oberhausen kamen, beantwortete die 13 kniffeligen Fragen korrekt bzw. zielsicher (es musste nur angekreuzt werden). Klassenbester war Einer, der im richtigen Leben eher auf Obst(ler) schwört: der Overhagener Bauer Jörg Umberg. Er klemmte sich den (symbolischen) Hauptpreis unter den Arm: ein Spanferkel.

Franz Naskrent

Kommentare
14.10.2010
20:24
Löschexperten
von mopped 50 | #3

Oh, - welch dumme Kommentare muß ich hier lesen ! ? Nicht das uns ein nicht mehr nüchterner Feuerwehrmann nicht genug rettet oder nicht löschen tut...
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Löschexperten
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2010-10-13 19:17
Kirchhellen