Kirchheller Heide. „Streunende Hunde und Katzen sind ein Problem“

Jäger, Umweltschützer und Minister streiten um die  Novelle des Landesjagdgesetzes.Foto:Patrick Pleul
Jäger, Umweltschützer und Minister streiten um die Novelle des Landesjagdgesetzes.Foto:Patrick Pleul
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Was wir bereits wissen
Jäger und Umweltschützer streiten mit dem NRW-Umweltminister über das neue Jagdrecht.Die oberste Försterin der Heide hat als Jägerin Verständnis für beide Positionen

Seit Monaten läuft der Streit um das neue Jagdgesetz, das NRW-Umweltminister Johannes Remmel in diesem Jahr vom Landtag absegnen lassen will. Sowohl die Hegeringe wie auch die Naturschutzverbände üben auch nach den Nachbesserungen beim Kabinettsbeschluss heftige Kritik: Den Jägern geht das Gesetz viel zu weit, den Umweltschützern nicht weit genug (siehe unten). Juliane Saebel, Chefin der Waldbewirtschaftung West bei der Regionalverbands-Tochter RVR Ruhr Grün, hat als Jägerin und als oberste Försterin der Kirchheller Heide einen Fuß in beiden Lagern. Mit Sorge sieht sie vor allem, was streunende Hunde, Katzen und kleine Raubtiere in der Heide anrichten. „Wir erleben regelmäßig nach Weihnachten oder vor den Ferien, dass Hunde und Katzen in der Heide ausgesetzt werden. Das ist ein wachsendes Problem, das wir nicht einfach ignorieren können.“

Umweltminister Remmel dagegen will den Abschuss von Katzen grundsätzlich und den von Hunden weitestgehend verbieten: „Weder aus jagdfachlicher Sicht noch aus der Sicht des Artenschutzes ist der Abschuss von Katzen begründet. Daher untersagen wir diese tierschutzwidrige Praxis in NRW.“

Der Landesjagdverband NRW bleibt dagegen bei seiner Forderung, streunende Hunde und Katzen in Wäldern wie bisher abzuschießen. „Der Abschuss von Hunden und Katzen bleibt aus Gründen der vom Land angestrebten Biodiversitätsstrategie so lange alternativlos, wie die Landesregierung nicht gleichzeitig eine Kastrations-, Chip-und Registrierungspflicht insbesondere für Katzen einführt“, heißt es im Positionspapier des Verbandes unter der Überschrift „Schluss mit den Verboten!“ Dies ist laut Jagdgesetz-Novelle zwar Absicht des Landes, wird aber nicht weiter konkretisiert. Und der Abschuss von wildernden Hunden wird zwar nicht verboten, aber verbunden mit einer Dokumentationspflicht mit Film- und Fotoaufnahmen. Diese Auflagen, kritisieren die Jäger, „führen in der Praxis zu einem tatsächlichen Verbot“.

Was die Jäger noch wurmt am Gesetzentwurf, ist vor allem die Neuauflage der vor einigen Jahren abgeschafften Jagdsteuer, die das Land nun ins Benehmen der Städte stellt: Sie sollen „bei Wunsch die Jagdsteuer erheben können.“ Weitere Streitpunkte zwischen Jägern, Umweltschützern und Land ist auch das geplante Verbot für Bleimunition. Begründung des Landes. „Blei gehört zu den Umweltschadstoffen, für die keine unschädliche untere Grenze gefunden wurde.“ Mit einem Bleiverbot überschreite das Land seine Kompetenzen, kritisieren die Jäger: Waffenrecht sei Sache des Bundes. Außerdem gebe es bei einigen kleineren Kalibern überhaupt noch keine bleifreie Alternative.

Gelassener als die Jäger geht die RVR-Forstchefin mit dem geplanten Verzicht auf Wildäcker um („Höchst bedenklich“, sagt dazu der Jagdverband“). „Der RVR betreibt keine Wildäcker, Wildwiesen sind eine gute Alternative“,, sagt Juliane Saebel. Gleiches gelte für die Totschlagfallen, die durch das neue Gesetz ebenfalls verboten werden sollen: „Wir verwenden keine und werden es auch künftig nicht tun.“ Allerdings stelle sich aus Förster-Sicht ähnlich wie bei streunenden Haustieren die Frage, wie der Vormarsch von kleinen Raubtieren gestoppt werden kann, die hier eigentlich nicht heimisch sind.