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Kaum noch steigerungsfähig

13.02.2012 | 18:59 Uhr
Kaum noch steigerungsfähig
Alban Pengili begeisterte bei seinem Konzert im Hof Jünger. Foto: Olaf Fuhrmann / WAZ FotoPool

Ein solches Konzert hat Bottrop lange nicht mehr gehört: Alban Pengili, seit knapp einem Jahr Dozent an der Städtischen Musikschule, absolvierte im Hof Jünger eine Parforce-Tour auf den vier Saiten seiner Violine

Ein solches Konzert hat Bottrop lange nicht mehr gehört: Alban Pengili, seit knapp einem Jahr Dozent an der Städtischen Musikschule, absolvierte eine Parforce-Tour auf den vier Saiten seiner Violine. Fast zwei Stunden tanzte sein Bogen virtuos in nahezu allen Stricharten (Staccato, Arpeggien, Flageoletts usw.) über das Instrument. Mit einem Programm dieses Anspruchs und dieser Ausschließlichkeit wagt sich kaum einer der gefragten internationalen Geigen-Stars auf das Podium.

Aufblühende Wärme

Zum Schluss, nach diesem Bravour-Feuerwerk mit vielen technischen Raffinessen, gab es im Saal von Hof Jünger lebhafte Akklamation – und einige Bravo-Rufe. Pengili, der aus Albanien stammende, seit etwa 20 Jahren in Deutschland lebende Künstler, hatte diese Resonanz verdient. Und wirklich „erkämpft“, ohne dass er zum Ende angestrengt wirkte.

Denn die Werke seiner Auswahl verlangten ihm höchste Konzentration, Selbstbewusstsein und Klassikkompetenz ab. Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 1 und die Solo-Sonate Nr. 1 im ersten Teil: Damit erkletterte Pengili den Geigen-Olymp. Die formvollendeten, kontrapunktisch aufgebauten Suiten-Tänze des Barock-Meisters erklangen als Spiegel der Zeit und des höfischen Stils aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert. Ob Presto-Jagd oder Adagio-Meditation – Pengili gab Bach das, was dieser Komponist benötigt, nämlich Askese, Strenge, Konsequenz und Notentransparenz. Aber auch aufblühende Wärme.

Nach der Pause dann nur noch Zuckerstückchen für das solistische Repertoire: Henryk Wieniawskis Variationen über Joseph Haydns Nationalhymne mit Pizzicato-Trommelei und Doppel- und Dreifachgriffen; dann Heinrich Wilhelm Ernst’ sechsteilige „Spielerei“ mit dem Volkslied „Die letzte Rose“ von A. Bazzini mit flirrenden Akkorden und quirligen Marathonläufen bis in die höchsten Lagen auf der E-Saite; schließlich die „Paganiniana“ des großen amerikanischen Geigers Nathan Milstein, der wiederum Themen von Romantik-Superstar Niccolo Paganini aufgreift – eine Häufung von Schwierigkeiten, die kaum noch steigerungsfähig sind.

Kleine Sensation

Pengili, der in Tirana und an der Essener Folkwang-Hochschule studierte, blieb erstaunlich gelassen bei dieser „hohen Schule“ der instrumentalen Virtuosität. Er wiederholte als Dank an das Auditorium noch einmal die Haydn-Hymne: Feierlicher Nationalklang auf der Jünger-Bühne! Er wird das Programm, eine kleine geigerische Sensation, in zwei Wochen in Herne wiederholen.

Kammermusik in Hof Jünger: schon ein Markenzeichen für den Ort, der eine neue Qualitätsoffensive gestartet hat. Dozenten der Musikschule haben hier ein vorzügliches Forum gefunden. Die Reihe geht weiter.

Hans-Jörg Loskill

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