Jörg Umberg verkleinert die Erdbeerfelder

Der Geschmack polarisiert, sagt  Obstbauer Jörg Umberg über seine  ersten weißen Erdbeeren: „Die Leute lieben sie oder hassen sie.“Foto:Katharina Paris
Der Geschmack polarisiert, sagt Obstbauer Jörg Umberg über seine ersten weißen Erdbeeren: „Die Leute lieben sie oder hassen sie.“Foto:Katharina Paris
Foto: FUNKE Foto Services

Obstbauer Jörg Umberg wird im kommenden Jahr die Anbaufläche für Erdbeeren noch einmal verkleinern. „2016 werden wir im Vergleich zu 2014 40 Prozent weniger Anbaufläche haben.“ Umberg reagiert damit auf gestiegene Produktionskosten vor allem durch den Mindestlohn und ein Überangebot: „Wir brauchen weniger Erdbeeren für den deutschen Markt.“ Mit einer Neuzüchtung will er versuchen, eine Marktnische zu besetzen: Die „Ananas-Erdbeere“ ist süß, säuerlich - und weiß.

Der Obstlandwirt aus Overhagen hat sich inzwischen eine Standardantwort zurecht gelegt auf die Kollegen-Klagen über die vermeintlich verkorkste Erdbeersaison: „Dann sind die Kunden wohl alle bei uns gewesen.“ Denn die Umbergs sind eigentlich „verhältnismäßig zufrieden“ mit dem Umsatz ihrer Direktvermarktung, zu der auch die allmählich ausklingende Selbstpflück-Saison gehört: „Das große Feld haben wir am Mittwoch dicht gemacht.“ Den Trend weg vom Selbstpflücken hat Umberg allerdings ebenso registriert wie Familie Steinmann mit ihren Feldern in Gladbeck und am Marienhospital: „Im Schnitt der letzten Jahre sind die Selbstpflück-Mengen zurück gegangen.“ Das bestätigen auch die Statistiken der Landwirtschaftskammer NRW: „Vor allem in Westfalen-Lippe stand bisher selbst gepflückte Ware vielfach im Vordergrund“, berichtete die Kammer zum Saisonstart Mitte Juni. „Seit einigen Jahren wird von den Kunden vermehrt gepflückte Ware verlangt.“ Der Mindestlohn und andere Faktoren, die die Produktionskosten erhöhen, könnten nach Umbergs Einschätzung diesen Trend allerdings wieder umkehren. „Wir haben jetzt in fünf Jahren 50 Prozent Lohnsteigerung. Darin steckt eine Chance für das Selbstpflücken.“

400 Tonnen Erdbeeren wird Jörg Umberg nach eigener Schätzung bis Oktober geerntet haben. Darunter gibt es eine erste kleine, aber feine Ernte seiner jüngsten Variante: der so genannten weiße „Ananas-Erdbeere“, die an eine Erdbeeren-Urform erinnert, die einst aus Chile nach Europa kam. „Die Kunden lieben sie oder hassen sie“, sagt Umberg über die ersten Reaktionen. Wer die erste Assoziation (weiße Erdbeeren sind unreif“) überwindet, wird mit einem süßen, aber auch deutlich säuerlichen Geschmack belohnt. Auf einem Dreiviertelhektar hat Umberg „60 Prozent der in Deutschland verfügbaren Pflanzen“ angebaut.

Die neue Sorte ist druckempfindlich und nicht so haltbar wie die meisten roten Sorten. Deshalb weiß Umberg: „Das wird garantiert nie ein Massengeschäft.“ Aber vielleicht eine lukrative Nische: „Himbeeren von uns haben es schließlich bis nach Österreich geschafft.“