Jetzt fehlt nur noch die Einfahrt
30.12.2009 | 19:41 Uhr 2009-12-30T19:41:00+0100
Letzte Bedingung des RVR für Vertrag über Mountainbike-Strecke. Jugendliche sind empört über unsensible Baumfällaktion.
„Uns hat der RVR vorgeworfen, wir würden in dem schützenswerten Waldstück mit unsen Mountainbikes die Wurzeln der Bäume zerstören”, erinnert sich Nils Jaschek, „und jetzt sind die mit Baggern reingefahren, haben Bäume gefällt und die Wege kaputt gefahren.” Der 13-jährige Grafenwälder versteht die Welt der Erwachsenen nicht mehr. „Und vor allem: Die Bäume, deren Wurzeln wir angeblich freigebuddelt und beschädigt haben, die haben sie stehen gelassen”, wundert sich auch der 16-jährige Jens Löker.
Nicht nur die Jugendlichen, auch viele Erwachsene kritisieren die Aktion der RVR-Forstabteilung in dem kleinen Waldstück an der Straße „Zur Grafenmühle”. Zum Beispiel Klaus Morgenstern: „Die sind hier ziemlich unsensibel vorgegangen, haben mit ihren schweren Fahrzeugen auch eine von den Jungs selbst gezimmerte Bank platt gefahren.” Der Grafenwälder hat auf einer benachbarten Pferdeweide den Bikern einen Unterstand für ihre Räder zur Verfügung gestellt. „Ich habe die Auseinandersetzung hier hautnah verfolgt. Eigentlich ist das doch am Ende sehr einvernehmlich ausgegangen.”
Einvernehmlich in der Tat. Hieß es zu Beginn, alle Hügel, die gesamte Piste müssten verschwinden, lenkte der Regionalverband Ruhr (RVR) schließlich ein. Sicher auch ein wenig unter dem Druck der empörten Öffentlichkeit, die Engagement und Initiative der Jugendlichen als vorbildlich empfand. Aber auch, weil sich mit der Radsportabteilung der DJK Adler 07 Bottrop ein Verein fand, der die Mountainbiker flugs unter seine Fittiche nahm. „Mittlerweile gehören 15 der rund 30 Biker unserem Verein an”, bestätigt Adler-Radler Frank Vatter.
Der Dinslakener gibt aber auch zu bedenken, dass die Baumfäll-Aktion unvermeidbar, ja abgesprochen war: „Einige Bäume waren nicht mehr standsicher. Um offiziell eine ungefährdete Nutzung zu gewährleisten, musste gefällt werden. Allerdings ist es sehr bedauerlich, dass ein Großteil der Wege zerstört wurde.” Der Vorsitzende der (R)Adler ist aber überzeugt, „dass die Jungs das wieder hinkriegen!”
Tote Äste in Baumkronen
Gerhard Klesen vom RVR-Eigenbetrieb Ruhr Grün bedauert die Schäden, lässt aber keinen Zweifel an der Notwendigkeit der Maßnahme: „Sie war mit Adler 07 und der Stadt Bottrop abgesprochen. Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht haben wir vor allem Birken und überalterte Eichen 'rausgenommen. In mehreren Fällen waren Äste in Baumkronen tot. Spätestens bei starkem Wind hätten Äste herunterfallen und die Fahrer treffen können.” Auf jeden Fall werde auf der Fläche mit jungen Bäumen wieder aufgeforstet. Zudem würden Hecken gepflanzt als Abschirmung zur Straße hin. Klar abgegrenzt sei die Hügellandschaft nach Ost und West: zum Pöttering hin mit Holzstämmen, auf der anderen Seite bilde ein Bachlauf eine natürliche Schwelle.
Noch ungeklärt indes ist die Zufahrt zur Straße. Bei einem Ortstermin mit dem Jugendamt sei man sich handelseinig geworden, ein so genanntes „Drängelgitter” als Sperre aufzustellen, „damit die Fahrer nicht einfach auf die andere Straßenseite rüberbrettern, vor allem wenn sie noch nicht richtig ausgepowert sind”, wie es Frank Vatter jugendlike formuliert. Das ist wohl auch der einzige Grund, warum der RVR den Vertrag noch nicht unterschrieben hat. Zuständig für die gesicherte Ein- und Ausfahrt sowie den Überweg zum Fuß- und Radweg ist das Tiefbauamt der Stadt. Schilder „Achtung Radfahrer!” sind bereits an der Straße aufgestellt. Spätestens Februar dürfte der Vertrag in trockenen Tüchern sein, schätzt Frank Vatter.
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