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Landwirtschaft

„Ich will, dass es den Tieren gut geht“

30.12.2015 | 18:08 Uhr
„Ich will, dass es den Tieren gut geht“
Bauernsohn Elias (10) im Kuhstall. „Unsere Halbstarken“, sagt Papa Burkhard über die angehende Elterngereration.Foto: Winfried Labus

Vor Jahren haben die Sagels die Rinderzucht als Hobby begonnen. Wegen der hohen Nachfrage stockt der Bauer jetzt den Bestand auf und verkauft den Kunden neben dem Fleisch auch ein gutes Gewissen

Bauer Burkhard Sagel hat aus der Tierwohl-Debatte seine eigenen Konsequenzen gezogen und stockt seinen Rinderbestand auf. „Jetzt müssen wir das größer aufziehen. In Zukunft wollen wir Rindfleisch verkaufen von Tieren, die bei uns gezeugt, geboren, aufgewachsen und vom Bauern zum Schlachthof gebracht wurden. Den Tieren soll es einfach gut gehen.“ Für solches Fleisch, hat er gemerkt, gibt es einen rasch wachsenden Markt. Der Bauer erklärt sich das so: „Viele Menschen wollen beim Fleischkauf ein gutes Gewissen haben. Dafür sind sie auch bereit, Geld auszugeben.“

Erstmals Winterschur

Jungbulle „Franz“ und Kalb „Elisa“ sind die ersten Vertreter einer neuen Generation der Rinderzucht beim Bauern am Dahlberg: „Das sind die ersten, die hier geboren sind.“ Sie werden bald Gesellschaft bekommen: Im Nachbarstall tummeln sich sieben trächtige Kühe, die im Frühjahr kalben werden. Erzeuger des Nachwuchses ist Zuchtbulle „Seppel“, ein Simmentaler Rind und sehr unaufgeregter Zeitgenosse: „Der Bursche ist total entspannt, egal, was passiert“, sagt Sagel und knuddelt Seppels Schädel. Er paart seinen Bullen mit Kühen verschiedener Rassen, damit sich die Kälber erkennbar unterscheiden: „Die Leute sollen sie auseinander halten können.“

Nebenan wühlen „Franz“ und „Elisa“ mit ihren Müttern im frisch eingestreuten Stroh. „Da spielen die gerne drin“, sagt Sagel. „Die sind total happy, dass die nicht im Matsch stehen müssen.“ Überhaupt haben es die Tiere gut auf dem Hof am Dahlberg. „Säugende Kälber bleiben bei uns mit ihren Müttern zusammen und werden nicht sofort getrennt.“ Von Frühjahr bis Spätherbst laufen die Rinder auf der Weide, jetzt stehen sie im hellen und luftigen Stall. Diese Woche hat Sagel die Kühe sogar geschoren, damit es ihnen bei dem milden Winterwetter nicht zu warm wird. „Ich habe gedacht, ich müsste die einfangen“, sagt der Bauer. „Aber die haben das geliebt.“ Als der Scherapparat den Geist aufgegeben hat, hat Sagel mit der Schere zu Ende geschnippelt.

Zum Fleischkauf mit gutem Gewissen gehört für den Bauern dazu, dass sich die Kunden selbst überzeugen, dass es den Tieren gut geht. Gelegenheit dazu bekommen sie bei Führungen oder bei Hofbesuchen. „Viele Kunden besuchen die Tiere und bestellen anschließend, manche machen es umgekehrt. Aber wer die Sache ernst nimmt, der muss bei uns vorbeischauen.“ Dann gebe es nur Gewinner: „Dem Kunden geht es gut, dem Tier geht es gut, für die Natur ist es gut - und der Bauer bekommt auch etwas ab.“

Kai Süselbeck

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2015-12-30 18:08
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