Firma saugt Grubengas zur Energiegewinnung unter Kirchhellen

Vom Schacht I links neben der Maschinenhalle hat das Unternehmen schon Grubengas  zum Test aus der kohlefördernden Schicht gewonnen.
Vom Schacht I links neben der Maschinenhalle hat das Unternehmen schon Grubengas zum Test aus der kohlefördernden Schicht gewonnen.
Foto: Hans Blossey
Was wir bereits wissen
Unternehmen will Methan aus den alten Flözen der Zeche Graf Moltke gewinnen. Und und zwar ausdrücklich nicht mit Hilfe des umstrittenen Frackings

Bottrop-Kirchhellen.. Unter Kirchhellen und Feldhausen kann, wenn alles rund läuft, schon im Sommer eine neue Form der Bergbau-Nachfolgenutzung beginnen: Aus nicht abgebauten Steinkohleflözen der ehemaligen Schachtanlage „Alter Fritz“, die später nach dem preußischen Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke benannt wurde, will das Anlagentechnik-Unternehmen „A-Tec“ Grubengas und daraus Methan gewinnen. Mit dem Gas will das Unternehmen ein Blockheizkraftwerk betreiben, das vermutlich in Zweckel neben der Maschinenhalle stehen wird.

Das Grubenfeld „Jupiter“ umfasst Kirchhellen-Mitte, Feldhausen und große Teile von Gladbeck. Mit 4397 Hektar ist es fast so groß wie 9000 Fußballplätze und enthält immer noch Kohlevorkommen, die nie abgebaut wurden. 1873 wurde neben dem damaligen Dorf Gladbeck der erste vollständig ausgemauerte Tiefbauschacht in die Erde getrieben. In 306 Meter Tiefe erreichten die Kumpel das Steinkohlengebirge und teuften den Schacht weiter ab bis auf 548 Meter Tiefe.

In der deutschnationalen Begeisterung nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 benannten die Bergwerksbetreiber das Flöz Helmuth und die Schachtanlage von Moltke nach dem siegreichen Generalstabschef. 1899 landete die Zeche beim Nordstern-Verbund. Weitere Schächte wurden abgeteuft, 1969 kam die Anlage in den neu gegründeten Verbund der Ruhrkohle AG.

Letzte Schicht am 30. September 1971

Damit war das Schicksal des Bergwerks besiegelt. Als die Kohlenkrise ins dritte Jahrzehnt ging, wurde der „Gesamtanpassungsplan des Ruhrkohlenbergbaus“ aufgelegt. Für Graf Moltke, die 19790 noch 1,25 Millionen Tonnen Kohle förderte, sah der Plan vor: Schließung. Die letzte Schicht fuhr am 30. September 1971 aus.

In der Kohle, die immer noch unter Kirchhellen liegt, ist noch jede Menge Grubengas aus Kohlenwasserstoffen gebunden, im Wesentlichen das früher so gefürchtete, weil in Verbindung mit Luft hoch explosive Methan. Bis zu zehn Kubikmeter Gas stecken in einer Tonne Kohle, schätzt Clemens Backhaus, Ingenieur und Geschäftsführer von A-Tec.

Zehntägiger Test hat bereits stattgefunden

Der Plan des Unternehmens, das sich seit 1998 spezialisiert hat auf die Grubengasgewinnung in ehemaligen Steinkohlenbergwerken: Über einen vorhandenen Schacht (Schacht I von Zweckel neben der Maschinenhalle) wird per Unterdruck Grubengas aus den kohleführenden Schichten unterhalb der ehemaligen dritten Sohle gesaugt. Das funktioniert: Backhaus hat es bereits ausprobiert bei einem zehntägigen Test, bei dem das Unternehmen pro Stunde im Schnitt 1700 Kubikmeter Grubengas förderte. Und wo die herkamen, da steckt nach Backhaus’ Überzeugung noch viel mehr davon. Beantragt hat er jedenfalls eine Genehmigung zur Förderung für die nächsten 30 Jahre.