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Spargelhof Beckmann

Es besteht Klärungsbedarf

11.08.2009 | 20:35 Uhr

Ausschreibung für Träger der Jugendeinrichtung verschoben. CDU und ÖDP fühlen sich ein wenig überrumpelt.

Der Spargelhof Beckmann ist freigezogen. Anfang Juli erarbeiteten Kirchhellener Jugendliche, von den Parteien hochgelobt, gemeinsam mit dem Jugendamt in Workshops Ideen für Ausbau, Innenleben und Inhalte. Politiker aus Bezirk und Rat signalisierten freie Fahrt. Das Jugendzentrum „Spargelhof Beckmann” startete im Eilzugtempo, nach langem Dornröschenschlaf als Etatposition im Haushalt der Stadt. Jetzt scheint wieder Sand im Getriebe.

Nach WAZ-Informationen aus einer nichtöffentlichen Sitzung des Unterausschusses Jugendplanung am 6. August äußerten zwei Fraktionen Bedenken: CDU und ÖDP. Dabei sollten in dem Berater-Gremium des Jugendwohlfahrtausschusses die Weichen gestellt werden für die Ausschreibung, für die Suche nach einem geeigneten Träger der Einrichtung an der Hackfurthstraße. „Formuliert wurden vom Jugendamt Mindeststandards für ein Projekt dieser Größe, die beispielhaft auf jährliche Kosten für Sach- und Personalaufwand von 130 000 Euro veranschlagt wurden”, verriet gestern Dagmar Gerber, DKP-Vertreterin im Jugendhilfeausschuss. „An der Summe schieden sich die Geister. Es wurde problematisiert, ob der Ausbau nicht zu teuer sei, ob man nicht lieber neu bauen sollte.” Und überhaupt: Die CDU habe sich außer Stande gesehen zu entscheiden, da in den Ferien die Fraktion nicht tage. Gerber kritisiert die Verzögerung, sieht die Wünsche der Jugendlichen in Gefahr.

Claudia Schmitz von der CDU wehrt sich gegen diese Vorwürfe: „Das erweckt den Eindruck, als ob wir die Jugendeinrichtung nicht wollen – das ist falsch! Wir wollen nur, dass alles noch einmal im Jugendhilfeausschuss, dessen Vorsitzende ich bin, besprochen wird. Und es besteht auch noch Klärungsbedarf in unserer Fraktion.” So seien die Ergebnisse der zu Beginn der Sommerferien eingerichteten Planungswerkstatt noch nicht diskutiert worden. Und Schmitz fragt sich: „Wieso auf einmal dieser Zeitdruck? Der Jugendhilfeausschuss war mit dieser Jugendeinrichtung bisher thematisch noch gar nicht befasst, nur einmal kurz informiert. Eine solch weitreichende Entscheidung muss aber auf soliden Füßen stehen, allein schon finanziell.”

Die Jugendliche in Kirchhellen freuen sich auf ihren neuen Jugendtreff. Szene von der Ideenwerkstatt. Foto: Matthias Düngelhoff

Die Wünsche der Jugendlichen, betont die CDU-Ratsfrau ausdrücklich, würden soweit wie eben möglich ins Konzept eingearbeitet. „In erster Linie geht es ja auch darum, was den Jugendlichen gefällt.”

Genau derselben Meinung ist Marianne Dominas. „Ich bin seit über 20 Jahren in der Jugendarbeit tätig: Für uns von der ÖDP besteht in Sachen 'Spargelhof' kein Diskussionsbedarf mehr. Kirchhellen braucht diese Einrichtung, das ist in unserem Wahlprogramm nachzulesen, Thema Jugendcafé.” Allerdings: Die Art und Weise, wie das Projekt von der Verwaltung gegenüber der Politik durchgeboxt werde, das passe ihr nun gar nicht. „Bisher ist das Thema nur in Kirchhellen diskutiert worden, aber weder im Jugendhilfe- noch im Unterausschuss.”

Workshop wurde auf Ferienbeginn vorverlegt

Erst kurz vor den Ferien habe es eine Sitzung gegeben, zu der Interessierte eingeladen gewesen seien: Ratsvertreter, Träger. Und vor allem: „Der Ideen-Workshop wurde auf den Ferienbeginn vorverlegt, er war ursprünglich am Ende der Ferien geplant.” Marianne Dominas fragt sich, ob die Entscheidung für die Träger-Ausschreibung ausgerechnet mitten in die Ferien gelegt werden musste und reklamiert den „normalen politischen Vorlauf. Die Verwaltung hätte das Projekt besser kommunizieren, uns in den Prozess einbinden müssen.” So sei etwa noch gar nicht klar, wie die Investitionen gestemmt werden. Neben den besagten Betriebskosten von 130 000 Euro jährlich die 700 000 Euro für Umbau, Möblierung etc. Fraglich auch, ob der Unterausschuss berechtigt sei, eine Trägerausschreibung zu beschließen.

Franz Naskrent

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Kommentare
13.08.2009
00:24
Es besteht Klärungsbedarf
von ich_liebe_bankrotteure | #10

Nun hat die CDU schon mal eine eigene Meinung und schleicht nicht hinter der SPD her, und nun wird schon wieder gemault.

Die SPD handelt hier wieder einmal wie seit vielen Jahren, ohne Sinn und Verstand sollen Gelder ausgegeben werden und auch gleichzeitig Folgekosten produziert werden.

Wichtig ist für diese Bankrotteure, dass sie sich noch schnell ins rechte Licht setzen können damit auch ja noch Wählerstimmen eingeheimst werden.

Welcher Träger auch immer hier zum Zuge kommen wird, sollte keine Rolle spielen, wichtig ist, dass hier etwas geschaffen wird was auch Bestand hat.

12.08.2009
23:08
Es besteht Klärungsbedarf
von gegen_korruption | #9

Herr Bombeck hat recht. Kleine Wahlgeschenke lassen zwar das Kreuzchen an der richtigen Stelle machen, bringen den Jugendlichen langfristig jedoch nichts, wenn das Projekt nicht gut durchdacht und geplant wird, und ein wirklich kompetenter Träger gefunden ist. Auch sollte, gerade im Interesse der Jugendlichen, die Standortfrage noch einmal überdacht werden.

Populistische Aussagen, wie von Aeronca, helfen überhaupt nicht weiter, sondern heizen nur die Gemüter unnötig an. Teure Fehlplanungen haben wir in Bottrop mehr als genug. Es müssen nicht noch weitere dazu kommen. Bei 300 Mio. Euro Schulden denkt man in Bottrop zwar mittlerweile nur noch in großen Dimensionen, aber für mich sind 850 Tsd. Euro trotzdem kein Pappenstiel, über den man mal schnell zwischen Tür und Angel entscheidet.

In Anbetracht dessen, dass der Flughafen Schwarze Heide, der ebenfalls Jahr für Jahr mit einer nicht unbeträchtlichen Summe subventioniert wird, und u. a. mit Rücksicht auf den Jugendsegelsport nicht privatisiert wird, ist es mehr als richtig und notwendig, dass mehr für die Jugendlichen getan wird, die sich so etwas nicht leisten können. Umso wichtiger ist es, das Jugendzentrum auf solide Beine zu stellen.

Die Jugendlichen, die jetzt wegen der Verschiebung frustriert sind und sich benachteiligt fühlen, sollten sich darüber im Klaren sein dass, wenn es im Laufe der Zeit zu irgendwelchen Vorfällen kommt und Anwohner sich beschweren, warum auch immer, wird das Jugendzentrum (als freiwillige Leistung) bei den nächsten Einsparungsmaßnahmen als erstes mit dran glauben müssen.

12.08.2009
19:38
Es besteht Klärungsbedarf
von Johannes Bombeck | #8

Da die inhaltliche Arbeit von z.B. Falken und kirchlichen Trägern in offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen in der heutigen Zeit kaum mehr zu unterscheiden ist, spielt die Trägerfrage nicht mehr die Rolle, die die Diskussionsbeiträge von träger Träger und Aeronca nahelegen.
Richtig ist viel mehr, dass der zuständige Jugendhilfeausschuss sich nicht einmal vernünftig mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Schnellschüsse des Jugendamtsleiters Martin Notthoff (SPD) sind zwar verständlich, schließlich gilt es den SPD Wahlkampf mit Erfolgsmeldungen zu unterstützen, helfen den Jugendlichen nach der Wahl aber nicht weiter. Es ist ausreichend Zeit über Konzept und Finanzierung zu beraten, damit teure Fehlplanungen und Kopfgeburten verhindert werden. Die Pseudobeteiligung von Jugendlichen (gab es ja schon öfter) macht noch kein akzeptiertes Freizeitangebot für Jugendliche, das übrigens alle im Rat vertretenen Parteien wollen. Die Jugendlichen in Kirchhellen können sich von durchschaubaren Vorwahlankündigungen jedenfalls nichts kaufen. Das Was? Wo? Wie? sollte vernünftig geklärt werden. Uns als ödp sind die groben Planungen des Jugendamtsleiters erst seit einigen Tagen bekannt, da muss noch einiges geklärt werden. Die ideologischen Kämpfe der 70er und 80er Jahre sind Vergangenheit. Der zukünftige Träger sollte Professionalität mitbringen und sein Können in der Kinder- und Jugendarbeit gezeigt haben. Papier ist geduldig.

12.08.2009
18:44
Es besteht Klärungsbedarf
von trägerTräger | #7

Bei anderen Entscheidungen geht es doch auch ganz schnell, vor allem, wenn an den Interessen der Jugend vorbei entschieden wird. Ach übrigens: Hier ging es doch wohl gar nicht um das Geld, es ging darum, einen Träger für die Einrichtung zu finden! Haben die Damen und Herren von CDU und ÖDP Angst, dass es kein kirchlicher Träger wird und die Jugendlichen von Heiden betreut werden?

12.08.2009
17:52
Es besteht Klärungsbedarf
von Johannes Bombeck | #6

Das die ödp sich als Tochterpartei der CDU sieht, wird z.B. in der UZ oder im WAZ-Forum gerne behauptet. Die gezielt eingesetzte Lüge ist halt auch ein Wahlkampfmittel. Da muss man wohl mit leben. Durch häufige Wiederholung steigt der Wahrheitsgehalt nicht. Aber bei den Leuten bleibt was hängen, dass ist das Ziel des werner k und anderer aus der Fraktion: Der Zweck heiligt die Mittel.

12.08.2009
17:44
Es besteht Klärungsbedarf
von Aeronca | #5

Da hat doch ein nicht-konfessioneller Träger ein unheimlich gutes Betreiber-Konzept vorgelegt und hätte - wahrscheinlich - den Zuschlag bekommen..
Aber das geht ja gar nicht, schon gar nicht in Kirchhellen!
Die CDU sah zur Verhinderung dieser Tatsache ihre einzige Chance darin, die Angelegenheit auf die lange Bank zu schieben - vielleicht gibts doch noch eine Möglichkeit, dies zu verhindern........Jugendliche hin, Jugendliche her !Sie läßt sich in Kirchhellen doch nicht eine nicht-konfessionelle Konkurrenz vor die Nase setzen,
schließlich ist sie der Meinung, daß Kirchhellen genug Jugendarbeit unter dem Dach konfessioneller Träger macht (was ja auch anerkennenswert ist) -
und diese müssen unbedingt geschützt werden !
(Vielleicht gibts gar keine anderen Jugendlichen in Kirchhellen?)

12.08.2009
16:33
Es besteht Klärungsbedarf
von ebbe09 | #4

Betriebskosten in 10 Jahren

12.08.2009
16:32
Es besteht Klärungsbedarf
von ebbe09 | #3

Nun ja bei 2 Millionen Betriebs- und Umbaukosten soll es wohl erlaubt sein, sich genaue Gedanken zu machen und keinen Schnellschuss abzufeuern. Immerhin liegt das Zentrum direkt neben einem neuen Wohngebiet. Dies hat ja leider schon bei der Jugendhütte zu Problemen geführt. Darum sollte der Standort wirklich noch einmal überdacht werden.

12.08.2009
15:50
Es besteht Klärungsbedarf
von werner k | #2

Nicht zu vergessen die tochterpartei der cdu, die ödp
was die mutter(partei) befiehlt, muss die tochter(partei) befolgen.
beim juca gings komischerweise schneller

12.08.2009
12:50
Es besteht Klärungsbedarf
von Angstmacher | #1

Es ist nicht zu fassen: Die CDU, die sich schon lauthals gegen das Jugendkombihaus ausgesprochen hatte, ist nicht in der Lage, mal eine schnelle Entscheidung für ein Jugendhaus in Kirchhellen zu fällen. Aber ständig meckern, wir Jugendlichen seien zu laut, zu unangepasst – zu jung eben!! Die CDU hat Angst vor einer Jugend, die nicht so ist, wie sie sie gerne hätte. DARUM hat sie sich „nicht entscheiden“ können. Pfui bah!

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