Erster Tannenbaum im Revier stand bei Berger
10.01.2012 | 18:40 Uhr 2012-01-10T18:40:00+0100
Das Gasthaus Berger an der Schlossgasse blickt auf eine lange Tradition zurück. Als im Jahr 1800 Beethovens erste Sinfonie in Wien uraufgeführt wird, gründet Heinrich Berger die Gaststätte. Und wie der Zufall so will: Als 10 Jahre später die Wirtschaft eröffnet, feiert das Oktoberfest in München Premiere. Die eigentliche Schanklizenz indes datiert vom 8. Januar 1887. Und weil der Landrat im Vest Recklinghausen seinen Friedrich Wilhelm vor genau 125 Jahren unter die Urkunde setzte, hatte Samstag Familie Bertelwick zur Jubilarfeier geladen. Und über 500 Gäste kamen.
Die „Lizenz zum Zapfen“ besitzt noch heute Gültigkeit für Helmut und Stefan Bertelwick, die direkten Nachfahren von Levin Berger. „Deshalb haben wir dieses Datum auch bewusst gewählt als Geburtsstunde der Gastronomie dieses Hauses“, erklärt Chefkoch Stefan Bertelwick. Für den 36-Jährigen war die Jubiläumsfeier auch Anlass, „alte und neue Feldhausener Bürger in einen Dialog zu bringen.“ Dazu wählte er eine lockere Restaurant-Atmosphäre: Alle Räume waren für einen kulinarischen Rundgang zugänglich. Kleine Schmankerl wie der warme Ziegenfrischkäse mit Rosmarinhonig und Balsamicoäpfeln, das angeräucherte Lachsfilet auf warmem Kartoffelsalat mit Kaviar-Crème-Fraîche oder die Kartoffelsuppe mit Blutwurstspieß wurden rund um den Herdblock in der Küche kredenzt, das Dessert konnten die Gäste in der Backstube selbst mit Soßenspiegel garnieren. Wer’s wagte, durfte den Lachs eigenhändig mit der Elektropfeife räuchern.
Auf ihrem Rundgang wurden die Gäste begleitet von der Band „Kabellos“, die ihrem Namen alle Ehre machte und mit Gitarre, Schlagzeug, Saxofon und Kontrabass auf Tournée durchs Haus ging. Auf Präsente verzichtete Stefan Bertelwick ausdrücklich und bat stattdessen um eine Spende für die Einrichtung von Eltern-Kind-Zimmern auf der Intensivstation der Frühchen-Station der Kinderklinik Datteln sowie für Außen-Spielgeräte des Kindergartens Feldhausen.
Zur Geschichte des Hauses Berger zählt eine kuriose Anekdote bzw. Legende: Am 25. Dezember 1891 sollen die Knappen in Feldhausen erstmals einen Tannenbaum mit Figuren und Gebackenem geschmückt haben – den ersten im Ruhrgebiet überhaupt.
Einen ebenso legendären, aber täglich nachprüfbaren Ruf genießt auch die Konditorei des Hauses Berger. Helmut Bertelwick, der in diesem Jahr seinen 70. feiert, gilt als (Konditor-)Meister seines Fachs. Das bescheinigte 2005 auch die Zeitschrift „Feinschmecker“ und nahm Berger in die „Hall of fame“ der 250 besten Cafés in Deutschland auf.
Die Qualität von Küche und Konditorei hat sich natürlich rumgesprochen. Und so stehen auch bekannte Namen auf der Gästeliste: Schauspielerin Ulrike Kriener, Regisseur Wim Wenders oder Manuel Neuer, der bis zu seinem Bayern-Trip Stammgast war. Die westfälische Küche ist weiterhin prägend für Bergers Karte, obwohl Stefan Bertelwick, der u.a. bei Steigenberger und Schloss Hugenpoet gelernt und 2002 die Küchenleitung übernommen hat, immer wieder moderne Akzente setzt. Das Faszinierende am Kochen für ihn: „Du erlebst die Jahreszeiten anders: Von Grünkohl im Winter, über Erdbeeren, Spargel im Frühjahr und Sommer und den Pilzen im Herbst bis zur Gans, die schon wieder auf den Winter verweist.“
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