Die Schützenflagge vom Albers-Onkel

Präsident Joachim Hansen mit der Fahne und ihren Verwahrern. Norbert Wolff und Helmut Sitte
Präsident Joachim Hansen mit der Fahne und ihren Verwahrern. Norbert Wolff und Helmut Sitte
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die seit Jahrzehnten ausrangierte Vereinsfahne der Schützen Grafenwald genießt jetzt neue Aufmerksamkeit: Gemacht hat sie 1921 der Onkel von Josef Albers.

Bottrop-Grafenwald..  Bis vor kurzem haben die Mitglieder des Schützenvereins Grafenwald ihre silberne Königskette als größten Schatz gehütet. Seitdem sie aber wissen, wer ihre ausgediente alte Vereinsfahne gestaltet hat, betrachten sie die mit deutlich mehr Respekt: Sie wurde 1921 gestaltet von einem gewissen Max Albers. Der war, wie sich jetzt herausstellt, der Onkel des weltberühmten Malers Josef Albers, des großen Sohnes der Stadt.

„Die hing immer da. Die habe ich niemals bewusst wahrgenommen“, sagt Vereinssprecher Sascha König und nickt hinüber zum Fahnenkasten im VfL-Vereinsheim am Sensenfeld, das auch den Schützen seit rund zehn Jahren als Heim dient. Jetzt liegt das alte Stück Tuch sorgsam ausgebreitet auf dem Tisch, aufmerksam inspiziert vom Präsidenten und alt gedienten Fahnenoffizieren. „Dafür, dass sie mehr als 90 Jahre alt ist und einen Weltkrieg überstanden hat, ist das gute Stück eigentlich in einem ganz guten Zustand“, findet Präsident Joachim Hansen. „Das Grundgewebe ist Baumwolle oder Leinen, die Malerei Ölfarbe.“

Die Entdeckung des künstlerischen Verwandtschaftsverhältnisses hatte ihren Ausgangspunkt bei einem Gespräch am Mittagstisch. Ob denn der Kunstmaler Max Albers verwandt oder verschwägert sei mit dem Namensgeber des Museums Quadrat? „Wäre interessant herauszufinden“, sagte Museumschef Heinz Liesbrock. „Müsste doch herauszufinden sein“, sagte Heike Biskup, Leiterin des Stadtarchivs. Sprachs und tauchte ab in die alten Meldedaten der Stadt aus dem vorletzten Jahrhundert.

Mit diesen Ergebnissen tauchte sie wieder auf: Josef Albers wurde am 19. März 1888 in Bottrop geboren. Seine Eltern waren Magdalene Schumacher, die 1899 starb, und Lorenz Albers, Dekorationsmalermeister aus dem brandenburgischen Heinrichsdorf, der 1887 nach Bottrop zog. Ihm folgte sein jüngerer Bruder Max, ebenfalls Dekorationsmaler, der im Mai 1899 in das Haus seines Bruders an der Gerichtsstraße zog.

Und eben dieser Max Albers, Onkel von Josef Albers, hat zwischen September und November 1921 in Handarbeit die Fahne der neu gegründeten Schützen aus Grafenwald gemalt, mit einer Vorderlader-Büchse und dem Vereinsmotto „Frohsinn - Eintracht - Treue“. 4300 Mark erhielt er damals dafür. Klingt viel, allerdings begann 1921 in Deutschland schon die Inflation zu galoppieren, die zwei Jahre später zu folgender Investition führte: Um etwas Wertbeständiges für sein Geld zu bekommen, kaufte der Vorstand bei Bauer Diekmann einen Zentner Roggen. Preis: „691 Million Mark“.